weather-image
29°

Fußball-WM: Rudelgucken nur in Springes Dörfern

SPRINGE. Ein großes Public Viewing zur Fußball-WM auf dem Springer Marktplatz auszurichten, reize ihn durchaus, sagt Eventmananger Michael Jordan. „Ich wurde von vielen darauf angesprochen und habe es durchkalkuliert.“ Das Ergebnis sei allerdings ernüchternd: Viel zu hohe Kosten und deshalb ein zu hohes Risiko.

Zahlreiche Sportvereine in den Ortsteilen wollen die WM-Spiele zeigen. FOTO: Pilick/dpa

Autor:

Marita Scheffler und Saskia Helmbrecht

Damit wird es wieder keine offizielle, große WM-Übertragung in der Deisterstadt geben.

Weder Bürgermeister Christian Springfeld noch Stadtmanagerin Anike Molgedey hatten Kontakt zu möglichen Ausrichtern. Und die Stadt selber könne nicht als Veranstalter auftreten, sagt Molgedey. Sie habe sich vor einigen Jahren in die Fifa-Auflagen eingelesen und am Ende einsehen müssen: „Die Kosten wären zu hoch; das können wir uns leider nicht leisten.“

Was in der Kernstadt nicht funktioniert, klappt dagegen auf den Dörfern: Der SV Altenhagen hat das örtliche Dorfgemeinschaftshaus bereits für die sieben Termine reserviert, an denen die deutsche Nationalelf nach Berechnungen der SV-Kicker spielen wird. „Wir sind da ganz optimistisch“, meint SV-Chef Thomas Dettmer lachend – denn das Finale steht auch auf seinem Zettel.

Im Dorfgemeinschaftshaus gibt es eine festinstallierte Großleinwand und Platz für 120 Zuschauer. Wer lieber an der frischen Luft mitfiebern möchte, sei vor den Fernsehern unterm Gebäude-Vordach und bei der Grillhütte gut aufgehoben. Die Altenhägener sind seit der Heim-WM 2006 public-viewing-erfahren – seitdem haben sie jede Welt- und jede Europameisterschaft gemeinsam verfolgt. „Das ist immer toll“, sagt Dettmer, der sich vor allem über mitjubelnde Kinder und Jugendliche freut.

Echte Fußballpartys können auch die Alferder feiern. Der SC überträgt alle deutschen Spiele und einige ausgewählte Begegnungen im Vereinsheim auf der Alferder Alm auf Großbildleinwand, sagt Vereinschef Sascha Fünfstück. „Für jedes deutsche Törchen gibt es ein Schnäpschen gratis.“ Für das erste Deutschlandspiel gibt es sogar ein Rahmenprogramm; um 14 Uhr ist ein Freundschaftsspiel der E-Jugend des FC Eldagsen und des TSV Schulenburg geplant. Um 15.30 Uhr stellt sich dann das neue Trainer-Team der Herrenmannschaft vor. Auch ein Torwandschießen ist geplant.

Der Sportverein „Concordia Alvesrode“ schaut alle Deutschland-Spiele ebenfalls zusammen, aber auf privatem Grund und Boden. „Das machen wir schon seit mehreren Jahren so“, erklärt Vereinschef Jürgen Twick.

Für die Fußball-Fans in Eldagsen, die auch beim Freischießen kein Spiel verpassen wollen, soll es ebenfalls eine Lösung geben, sagt Jägercorps-Chef Mirko Treichel. In Bennigsen zeigt Stefan Schwägermann im Clubheim FC Bennigsen die Weltmeisterschaft auf Großbildleinwand. Rund 200 angehende Steuerberater werden die WM im Lehrgangswerk Haas verfolgen. „Wir würden für unsere Teilnehmer aber erst die Spiele ab dem Viertelfinale zeigen, sollte Deutschland bis dahin kommen“, sagt Verwaltungsleiter Peter Schütze. Die Schüler dürfen aber an den Spieltagen rechtzeitig Feierabend machen.

Auf dem Springer Marktplatz hat es erst einmal ein großes Public Viewing gegeben. Vor zwei Jahren, als die Bennigserin Jamie Lee Kriewitz beim Eurovision Song Contest (ESC) antrat, kümmerte sich Michael Jordan um eine Live-Übertragung. 500 Personen kamen damals an dem kalten, verregneten Maitag auf den Marktplatz. „Die, die da waren, waren happy“, sagt Jordan. Vor der Logistik scheue er sich deshalb auch nicht, allein die Miete für die Spezialleinwand liege aber bei rund 4000 Euro pro Tag. Jordan: „Und die kriegen wir nicht wieder rein.“ Dazu kommen eine mögliche Platzmiete und die Gema- beziehungsweise Fifa-Gebühren.

Aufgeben will Jordan die Hoffnung auf ein solches Ereignis aber nicht. „Wenn Deutschland bei der WM richtig weit kommt, könnten wir uns natürlich mit etlichen Leuten zusammensetzen und überlegen, ob wir doch noch was auf die Beine stellen“, sagt er.

Wenn eine Organisatoren-Mannschaft auflaufe, sei er sofort mit auf dem Platz. Und: Bürgermeister Springfeld würde sogar die Miete für die Nutzung des Marktplatzes in Springe erlassen, sollte sich doch noch jemand finden.

Weiterführende Artikel
    Kommentare