„Helene“ muss ein Weckruf sein – nicht nur für die USA
Hurrikan „Helene“ kam keineswegs überraschend. Die US-Klimabehörde NOAA hatte schon Ende Mai vor einer „überdurchschnittlichen“ Hurrikanaktivität in dieser Saison gewarnt. Die Voraussetzungen dafür waren ideal: außergewöhnlich warme Meerestemperaturen im Atlantik, schwächere Passatwinde und La-Niña-Bedingungen, die die Luft über dem Meer stabilisieren – und damit die Grundlage für die zerstörerischen Stürme schaffen.
Umso schlimmer ist es, dass trotz all der Warnungen so viele Menschen in den USA sterben mussten. Die Zahl der Toten schätzt die Heimatschutzberaterin des US‑Präsidenten, Liz Sherwood-Randall, inzwischen auf bis zu 600. Diese Zahl sei aber noch nicht bestätigt, weil auch noch immer zahlreiche Menschen vermisst seien. Gleichzeitig hat der Hurrikan Hunderte Menschen obdachlos gemacht.
Bis zu 600 Vermisste nach Tropensturm „Helene“ in den USA
US-Präsident Joe Biden, der am Mittwoch ins Katastrophengebiet reisen will, spricht von einem „historischen“ Sturm. Jedoch geht der Hurrikan zwischen dem Krieg in der Ukraine, dem eskalierenden Nahostkonflikt und dem Präsidentschaftswahlkampf fast unter. Dabei ist er nicht nur eine menschliche Tragödie: Hurrikan „Helene“ ist ein Weckruf.
Hurrikans werden wahrscheinlicher
In Zeiten globaler Erwärmung ist es unmöglich, Hurrikans ohne den Einfluss des Klimawandels zu betrachten. Klimamodelle zeigen eindeutig: Je wärmer es auf der Erde wird, desto häufiger kommt es zu Hurrikans und desto stärker können die Stürme werden.
Dass in den USA jetzt so viele Menschen gestorben sind, verdeutlicht einmal mehr, wie unvorbereitet das Land auf diese Wetterextreme ist – und das obwohl es jährlich mit Hurrikans zu tun hat. Diesen Vorwurf kann mal wohlgemerkt auch anderen Ländern machen: Als Hurrikan „Beryl“ Anfang Juli über die Karibik und Mexiko hinwegzog, war das Ausmaß der Katastrophe ähnlich groß.
Hurrikan wird für Wahlkampf missbraucht
Hurrikan „Helene“ sollte für die Politik eine Lehre sein, sich für einen besseren Katastrophenschutz einzusetzen. Denn der nächste schwere Hurrikan wird nicht lange auf sich warten lassen. Die NOAA erwartet allein in dieser Saison acht bis 13 Hurrikans – zwei sind mit „Helene“ und „Beryl“ schon aufgetreten.
Doch anstatt Hurrikan „Helene“ als eine Klimakatastrophe zu begreifen und entsprechende Schlüsse für den Katastrophenschutz abzuleiten, wird er zum Politikum: Präsidentschaftskandidat Donald Trump nutzt das Katastrophengebiet als Wahlkampfbühne, um sich als nahbarer, engagierter Helfer zu inszenieren, und beschuldigt gleichzeitig seine Kontrahentin Kamala Harris und Präsident Joe Biden, untätig zu sein. Trump lüge, sagt wiederum Biden.
Diese Wahlkampftaktierereien nützen den Menschen, die ihre Angehörigen und ihr gesamtes Hab und Gut bei dem Hurrikan verloren haben, nichts. Sie profitieren vielmehr von Maßnahmen zur Klimaanpassung, die immer dringender werden, um unnötige Todesfälle zu verhindern. Der Weckruf von Hurrikan „Helene“ darf nicht verhallen.