Kaum noch „Flugobst“

Obst und Gemüse per Flugzeug: Immer mehr Supermärkte und Discounter verzichten

Ein Mann packt in einem Supermarkt Obst in einen Plastikbeutel. Viele dieser Tüten landen später im Meer.

Berlin. Papaya, Ananas und Bananen liegen fast das ganze Jahr über in den Regalen der Supermärkte in Deutschland. Dieses Obst hat meist aber lange Wege hinter sich und wird aus afrikanischen Ländern und Mittel- und Südamerika importiert. Das ganze Jahr über diese Auswahl zu haben, hat seinen Preis: Flugtransporte sind für das Klima bis zu fünfzehnmal belastender, als Importe über den Seeweg.

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Immer mehr Supermärkte und Discounter in Deutschland achten darauf, weniger Obst- und Gemüse über den Luftweg zu importieren. Erst Mitte September hatte der Lebensmittelhändler Lidl angekündigt, künftig auf eingeflogenes Obst und Gemüse zu verzichten – viele Händler setzen dies bereits seit Jahren um.

Regionale Beschaffung stärkt Wirtschaftsstrukturen

Für den Lebensmittelhändler Norma war Flugfracht im Bereich Obst und Gemüse noch nie ein Teil der Logistik, heißt es seitens des Unternehmens. Mit dem Fokus auf regionale Beschaffung werde die Umwelt geschont und ansässige Wirtschaftsstrukturen gestärkt. Je nach Saison könne nicht nur auf regionale Anbieter gesetzt werden. „In diesen Fällen ergänzen wir das Sortiment mit Obst und Gemüse, das per Land- oder Seefracht angeliefert wird“, sagt eine Sprecherin des Unternehmens dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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„Rewe hat bereits seit rund zehn Jahren Obst und Gemüse der Eigenmarken verbindlich geregelt, dass diese nicht per Flugzeug transportiert werden“, sagt Thomas Bonrath, Pressesprecher der Rewe Group. Flugware habe keine Bedeutung bei der Beschaffung von Obst und Gemüse aus fernen Ländern.

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Der Discounter Lidl hat bereits in den letzten Jahren Flugware „sukzessive reduziert“ und wolle das Sortimentsangebot noch nachhaltiger machen. „Dazu gehört beispielsweise grüner Spargel, den wir bisher außerhalb der Saison auf dem Luftweg importiert haben“, sagt Gloria Funke aus der Lidl-Pressestelle. Ab sofort werde grüner Spargel ausschließlich saisonal aus Deutschland und Europa angeboten werden.

Laut Aldi Nord kann es „in sehr seltenen Fällen“ dazu kommen, dass vereinzelt Produkte mit dem Flugzeug transportiert werden müssen. Grund dafür sei es, Versorgungsengpässe, bedingt durch beispielsweise langanhaltende Schlechtwetterperioden, auszugleichen, heißt es auf RND-Anfrage.

Ähnlich geht Aldi Süd vor: „Bei einer geringen Anzahl an Artikeln ist der Verzicht auf Flugware aufgrund der hohen Qualitätsstandards derzeit nicht möglich“, sagt eine Sprecherin.

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Der Anteil der Flugware im Edeka-Sortiment würde seit vielen Jahren bei weit unter einem Prozent liegen, teilte eine Sprecherin mit. „Bananen und andere Südfrüchte aus Übersee werden in der Regel gekühlt mit Containerschiffen transportiert.“

Wie der Klimawandel die Ernährungssicherheit bedroht

Keine Gefahr ist für die Landwirtschaft so groß wie der Klimawandel. Fachleute warnen vor gleichzeitigen regionalen Ernteausfällen, die in Zukunft Millionen von Menschen weltweit gefährden könnten. Auch Deutschland bleibt wohl nicht verschont.

Aber ist der Seeweg wirklich klimafreundlicher? Laut einer Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) ist der CO₂-Fußabdruck einer Ananas, die per Flugzeug transportiert wird, fast 15-mal höher als beim Schifftransport. Die Studie verweist allerdings auch darauf, dass es nicht einen einzigen CO₂-Fußabdruck eines Lebensmittels geben kann. Auch die landwirtschaftliche Produktion oder die Verpackungsart entscheide, wie sehr die Umwelt belastet werde.

Verzicht auf Flugobst sollte nicht überschätzt werden

„Der Lebensmitteltransport durch die Luft ist besonders umweltschädlich, er verursacht zehnmal mehr Treibhausgase als der Hochseeschifftransport und rund fünfzehnmal mehr als der Transport per Lkw“ , sagt Jochen Geilenkirchen, Referent für Nachhaltigen Konsum beim VZBV. Der Anteil an Flugware sei bei Lebensmitteln jedoch ohnehin gering und betreffe vorrangig sehr schnell verderbliche Produkte, die von anderen Kontinenten kommen. „Der Effekt eines Verzichts auf das Angebot von ‚Flugobst‘ sollte also nicht überschätzt werden“, sagt Geilenkirchen deshalb.

Gleichzeitig mahnt der Experte, dass die Verantwortung für nachhaltige Produktions- und Transportbedingungen nicht bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern liegen sollte. Klimaschädliche Auswirkungen der Lebensmittelproduktion würden nicht durch Konsumentscheidungen am Supermarktregal verhindert werden können. „Vielmehr braucht es klare Vorgaben der Politik für eine nachhaltige, gesunde und günstige Ernährung“, fordert Geilenkirchen.