Ein Lob der Langeweile
Man kann der EZB im Moment nicht viel vorwerfen. Außer vielleicht Erzeugung von Langeweile, aber das ist ja die vornehmste Pflicht einer Zentralbank. Wäre nach der Sitzung vom Donnerstag Alarm an den Märkten, hätte irgendjemand in der Vorbereitung etwas falsch gemacht.
Zinsen vorerst kein Kurstreiber
Dieses Mal stand die Festlegung auf eine Zinssenkung praktisch seit Wochen. Geklärt war aber auch, dass die nächste nicht automatisch in einem Monat bevorsteht. Zwar kamen die jüngsten Inflationszahlen kurz vor der Sitzung ein bisschen quer, aber EZB-Präsidentin Christine Lagarde absolvierte den Spagat zwischen Lockerung der Geldpolitik und angehobener Inflationsprognose mit der Souveränität der ehemaligen Synchronschwimmerin.
Dax auf angestammtem Niveau
So fallen zwar zügige weitere Zinssenkungen als Kurstreiber vorerst aus, aber das war im Vorfeld geklärt. Andererseits blieben auch die negativen Überraschungen aus – immerhin war zwischendurch sogar kurz über Zinserhöhungen spekuliert worden. So verbreitete der erste Schritt der Zinswende kaum Stress. Der Dax beendete die Woche nahe den mittlerweile angestammten 18.500 Punkten.
Damit es nicht ganz ohne Verwirrung abgeht, sind die langfristigen Zinsen nach der Senkung der (kurzfristigen) Leitzinsen gestiegen. Das liegt an der etwas höheren Inflationsprognose. Am Freitag schob sich die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen über 2,6 Prozent. Das holte auch den Goldpreis von seinem Rekordhoch herunter. Vor zwei Wochen kostete die Feinunze rund 2450 Dollar, jetzt sind es noch gut 2300 Dollar.
Genießen wir die sommerliche Langeweile, so lange sie dauert. Offenbar folgt auf den Mai tatsächlich eine wenig animierende Börsenphase – Sie wissen schon: „Sell in May and go away“. Die Fortsetzung lautet „but remember to come back in September“, aber die stammt aus Zeiten, als Halbjahresbilanzen an der Börse noch nicht so furchtbar wichtig waren. Diese stehen bereits im Juli an, und spätestens dann wird wieder Bewegung in die Märkte kommen.
Die Neuen im M-Dax
Die zuständigen Abteilungen beim Reisekonzern Tui, der Lkw-Holding Traton und dem Küchenausrüster Rational sehen dem etwas aufgeregter entgegen als sonst, denn dann wird ihnen die gehobene Aufmerksamkeit für M-Dax-Werte zuteil. Raus aus dem Index der Mittelgroßen müssen dafür Autovermieter Sixt, das Biotechunternehmen Morphosys und SMA Solar, ein Hersteller von Wechselrichtern für die Solarenergie. So hat es der Indexausschuss der Deutschen Börse in dieser Woche beschlossen, wirksam wird es am 24. Juni.