Es muss noch viel mehr in Bewegung kommen
Frankfurt am Main. Um den bedauernswerten Zustand der Deutschen Bahn zu verstehen, lohnt ein Blick zurück. In den 1950er-Jahren bestand für die hiesigen Verkehrspolitiker kein Zweifel, dass der sogenannte motorisierte Individualverkehr die effizienteste Lösung ist, um von A nach B zu kommen. Das galt insbesondere für ländliche Regionen – die Älteren erinnern sich vielleicht noch an die rostroten Schienenbusse, die leer übers Land tuckerten. Straßen wurden aus- und Gleise abgebaut. Tatsächlich funktionierte dieses Prinzip auch viele Jahre – wenn man den Umwelt- und Klimaschutz außer Acht lässt, den es damals noch nicht gab.
In den 1970er-Jahren wurden sogar Pläne geschmiedet, die Eisenbahn auf ein kleines Kernnetz zu schrumpfen, das nur noch große Städte verbindet. Doch die wachsende Motorisierung zeigte schon damals ihre vielen Schattenseiten.
Generalsanierung beginnt: Bahnstrecke Mannheim–Frankfurt bis Dezember gesperrt
Inzwischen ist nicht nur in den Metropolen längst erkennbar, dass der Individualverkehr dysfunktional geworden ist. Er lähmt die Kommunen und beeinträchtigt die Lebensqualität massiv. Zu Lärm und Abgasen kommt die Vernichtung von öffentlichem Raum durch „ruhenden“ Verkehr.
Die Wende kommt Jahre zu spät
Wenn jetzt die Generalsanierung wesentlicher Teile des Bahnnetzes (41 Korridore) angegangen wir, dann kommt die Wende viele Jahre zu spät. Hier haben Bundesverkehrsminister reihenweise versagt und/oder viel zu lange auf Autolobbyisten gehört.
Doch nun kommt etwas in Bewegung, aber es muss noch viel mehr kommen. Neue Strecken müssen gebaut werden, die abgehängte Städte wieder ins Bahnnetz anschließen. Diese Trassen werden überdies als Umleitungs- und Ausweichstrecken benötigt. Das Bahnnetz ist nur dann funktionsfähig, wenn es dicht geknüpft wird. Die 41 Korridore reichen nicht.