Preis über 2500 Dollar pro Feinunze

Von Rekord zu Rekord: Gold schlägt in diesem Jahr sogar die Techaktien

Schöner als Scheine: Aufgereihte Goldbarren auf einem Tisch.

Die Aktien der Technologiekonzerne waren die großen Börsenstars des ersten Halbjahrs. Doch erheblich stiller hat sich eine andere Geldanlage in diesem Jahr besser geschlagen – bisher jedenfalls: Der Goldpreis strebt von Rekord zu Rekord und ist nun erstmals über 2500 Dollar pro Feinunze (31,1 Gramm) gestiegen. Auch in Euro gerechnet reichte es zum Rekord bei 2286 Euro. Damit sind die meisten Prognosen zwar schon übertroffen, aber Experten erwarten noch ein wenig mehr.

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Im Februar begann unter Fachleuten das große Rätseln: Der Goldpreis stieg und stieg, obwohl das Umfeld nicht besonders günstig war. Hohe Zinsen drücken in der Regel den Goldpreis, denn das Edelmetall bringt selbst keine Zinsen. Sie sind in den USA und Europa aber sehr stark gestiegen und seit einem Jahr auf hohem Niveau – Zinsanlagen sind gegenüber Gold also attraktiv. Trotzdem kletterte der Goldpreis ab Mitte Februar innerhalb von zwei Monaten um 20 Prozent. Knapp 2400 Dollar pro Feinunze markierten im April einen Rekord, dem noch einige folgen sollten.

Der „ziemlich merkwürdige“ Anstieg des Goldes

Von einem „in mancher Hinsicht ziemlich merkwürdigen“ Anstieg sprach im Frühjahr Nicholas Snowdon, Rohstoffexperte bei Goldman Sachs. Ein wichtiger Faktor waren Notenbanken, allen voran die in China und Indien. Sie haben viel Gold gekauft, um die Abhängigkeit vom Dollar zu verringern. Nicht zufällig begann das im großen Stil 2022, dem Jahr des russischen Angriffs auf die Ukraine: Angesichts der westlichen Sanktionen gegen Russland wollen andere für ähnliche Konflikte gewappnet sein.

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Angst treibt die Nachfrage

Ein weiterer großer Nachfrager seien Anfang des Jahres reiche Privatleute vor allem in Asien gewesen, heißt es in einer Untersuchung des World Gold Council. All das habe viel mit Angst zu tun, meint Goldman-Experte Snowdon: Geopolitische Risiken und mögliche Sanktionen trieben Zentralbanken zum Kauf, ökonomische Unsicherheit und Inflation die Privatleute. Unterm Strich war die Nachfrage laut World Gold Council so stark wie noch nie in einem zweiten Quartal.

Aktuell halten sich die Zentralbanken mit Käufen zurück, aber dem Goldpreis hat es nicht geschadet. „Rückenwind geben die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und Spekulationen auf anstehende Zinssenkungen der US-Notenbank Fed,“, sagt Carsten Fritsch von der Commerzbank. Der „sichere Hafen“ Gold bleibt gefragt, und seit einigen Wochen wirkt ein neuer Preistreiber: Die Aussicht auf Zinssenkungen in den USA macht Gold wieder attraktiver. US-Staatsanleihen – ein Goldkonkurrent als „sicherer Hafen“ – bringen schon jetzt deutlich weniger Rendite als im Frühjahr.

Der Trend kann nach Meinung vieler Fachleute anhalten, denn im September wird fest mit der ersten von mehreren Leitzinssenkungen in den USA gerechnet. Mehr Klarheit könnte der Chef der Notenbank Fed, Jerome Powell, schon an diesem Freitag schaffen. Dann hat Powell am Nachmittag seinen Auftritt beim jährlichen Treffen der Notenbanker in Jackson Hole – und am Finanzmarkt werden seine Worte zum Zinsausblick buchstäblich auf die Goldwaage gelegt.

Während also Gold in den vergangenen Monaten seinem Ruf als robuste Geldanlage gerecht wurde, schwebte über den Technologieaktien stets die Frage, wann der Markt wieder auf den Teppich geholt würde. Tatsächlich kassierte der Nasdaq 100, der wichtigste Index der Technologieaktien, zwei Rückschläge – einen kleinen im April und einen großen ab Mitte Juli. Das bringt ihn gegenüber Gold ins Hintertreffen: In den vergangenen sechs Monaten ist der Aktienindex um 12 Prozent gestiegen, der Goldpreis aber um 23 Prozent. Rechnet man ab Jahresbeginn, liegt Gold mit 21 Prozent vor Nasdaq mit 18 Prozent. In Euro gerechnet, ist der Vorsprung für Gold in diesem Zeitraum noch größer.

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Commerzbank erhöht die Prognose

Ob der Vorsprung hält, kann niemand vorhersagen. Für Gold sind die Prognosen verhalten optimistisch, weil sich an den wichtigsten Parametern nichts zu ändern scheint: Der Zinstrend zeigt nach unten, der Konjunktur fehlen Impulse, die politische Unsicherheit ist unverändert hoch. Die Commerzbank hat deshalb gerade ihre Preisprognose heraufgesetzt. Mitte nächsten Jahres würden demnach 2600 Dollar erreicht. Wayne Gordon, Rohstoffstratege bei der Schweizer Großbank UBS, erwartet im gleichen Zeitraum 2700 Dollar.

Wie es mit Technologieaktien weitergeht, ist dagegen viel unsicherer – in beiden Richtungen. 2020 und 2021 etwa war der Nasdaq 100 die weitaus bessere Wette. Aber unter Expertinnen und Experten gilt die Anlage in Gold ohnehin als Frage der Philosophie. „Gold fand ich nie besonders interessant“, schreibt Chris Iggo vom Finanzkonzern Axa in einer Analyse. Und doch könne er nicht bestreiten, dass die Anlage zuletzt funktioniert habe, „was zumindest für einen kleineren Anteil am Portfolio spricht“.