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„Kinderküche“: Ganz praktisch lässt sich gesunde Ernährung lernen

Wenn die Kleinen den Kochlöffel schwingen

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Autor:

Alexandra Stahl

Hannover. Gemüse schnippeln, Kartoffeln schälen oder Hühnchenfleisch braten: Was zu Hause die Eltern machen, erledigen in der „Kinderküche“ die Kleinen selbst. Die Kinderkochschule in Hannover bietet Kochkurse für Kinder im Alter von vier bis 14 Jahren an. Eröffnet wurde die „Kinderküche“ im vergangenen Dezember von der Ernährungswissenschaftlerin Simone Trockel. Die Kochschule für die Kleinen ist eine von vielen Einrichtungen in Hannover und bundesweit, in denen Kinder zum Kochlöffel greifen – und dabei mehr über gesunde Ernährung lernen können.

Am Ende wird die kleine Laurel ungeduldig und schiebt ihre Mutter aus der Küche – sie will jetzt loslegen. Die Fünfjährige ist eines von vier Kindern, die an diesem Nachmittag mit Simone Trockel Chicken Nuggets und Kartoffelpuffer selbst machen. „Wir müssen aber alleine kochen, Mama ist dann weg“, hat Laurel schon ihrem Mitstreiter Alex (6) erklärt. Der schaut zunächst noch schüchtern, reibt dann aber Kartoffeln wie ein kleiner Weltmeister. „Er möchte immer gerne mitmachen“, hatte seine Mutter Agata Wiegmann zuvor von Alex’ Kochambitionen zu Hause erzählt.

Während „Kinderküchen“-Chefin Trockel mit den kleinen Nachwuchsköchen in der Küche steht, berichtet sie immer wieder Wissenswertes rund ums Essen. Als die Kinder Äpfel klein schneiden wollen, erklärt Trockel etwa, dass die meisten Vitamine in deren Schale stecken. Dabei ermutigt sie die Hobbyköche, ein paar der Apfelschnitze zu probieren. „Meine goldene Küchenregel lautet: Alles, was man kocht, muss man probieren.“

Trockels Ziel ist es, mit ihren Kursen bei den Kindern Spaß am Kochen und die Lust, Dinge auszuprobieren, zu wecken. Dabei spielt natürlich auch gesunde Ernährung eine große Rolle. „Ich will zeigen, wie lecker es schmecken kann, wenn man sich aus frischen Zutaten etwas kocht“, sagt die 31-Jährige.

„Kochen mit Kindern ist immer gut“, betont die Leiterin des Forschungsinstituts für Kinderernährung in Dortmund (FKE), Prof. Mathilde Kersting. Es reiche nicht, wenn Kindern nur erzählt werde, was gesund sei. Praktische Wissensvermittlung etwa durch Kochkurse sei wirksamer als theoretische Empfehlungen. Das Problem bei der Kinderernährung sei nicht etwa ein Ernährungsmangel, sondern die Auswahl der Lebensmittel. Es würden zu wenig Vollkornprodukte, Obst und Gemüse gegessen.

Eine wichtige Rolle dabei spielen nach Ansicht der Ernährungswissenschaftlerin Susanne Klug die Eltern. „Wenn dem Kind keine gesunde Ernährung vorgelebt wird, wird es sich auch nicht gesund ernähren“, sagt die Gründerin der „Kinderküche“ – neben Hannover gibt es noch Filialen in weiteren Städten wie München, wo die Kinderkochschule bereits seit 2004 besteht.

Die Angebote reizten aber nur eine bestimmte Zielgruppe, sagt Klug. „Die, die es eigentlich bräuchten, erreichen wir nicht.“ Kinder aus sozial eher schwachen Familien blieben oft außen vor. Nicht nur weil manche Eltern kaum Wert auf gesunde Ernährung legen, sondern auch weil die Kurse ihren Preis haben. In Hannover kosten vier Kochtermine im Monat 50 Euro pro Kind, ein Einzeltermin liegt bei 15 Euro.

Trockel ist nicht immer von begeisterten Hobbyköchen wie Laurel und Alex umgeben, die sich schon beim Kochen aufs Essen freuen. „Manche Kinder helfen eifrig beim Schnippeln, aber essen dann nicht mit“, erzählt sie. Eine Gruppe Kinder habe einmal ein bunt gemischtes Pfannkuchenbuffet zubereitet. „Als alles fertig war, rief ein Kind: ,Fahren wir jetzt zu McDonald’s?’“



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