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QR-Codes, Kolumbarien – und die Liebe zum Haustier

Wandel und Trends in der Bestattungskultur

Im Spannungsfeld von Individualität und Anonymität sucht eine mobile, säkularisierte Gesellschaft nach einem neuen Kontext für den Tod. Dabei kann es um die Verknüpfung von virtuellen Formen des Gedenkens in Form von QR-Codes auf einem Grabstein genauso gehen wie um den Wunsch, Mensch und Tier gemeinsam zu bestatten.

Vor ungefähr 20 Jahren war die Erdbestattung in einem Wahlgrab die dominante Bestattungsform. Zu einer Beerdigung sprach meist ein Pfarrer tröstende Worte und das Grab erhielt ein von einem Steinmetz gefertigtes Grabmal. In den vergangenen Jahren haben die Bestattungskultur und der Umgang mit der Trauer erhebliche Veränderungen erfahren. Eine gewachsene Vielfalt unterschiedlicher Angebote von Bestattungsformen eröffnet individuelle Wahlmöglichkeiten, die nicht selten von den überlieferten Traditionen abweichen. Getrauert wird heute nicht mehr nur konkret in Tränen und emotionaler Ergriffenheit, sondern auch im Internet.

QR-Codes auf Grabsteinen können auf die Lebensgeschichte des Verstorbenen im virtuellen Raum verweisen und erhalten zugleich einen konkreten Ort der Trauer an einem Grab. Deutlich ist eine Sinnentleerung von Riten und Bräuchen im Umfeld von Bestattung und Trauer festzustellen. Diese Entwicklung stellt auch die Kirchen vor neue Herausforderungen, wenn beispielsweise Gebete und Riten nur noch von einer kleinen Zahl von Trauergästen verstanden werden.

Eine größere Mobilität der Familienangehörigen, die oft weit verstreut leben, verändert weiterhin die Präferenzen und Wünsche. So suchen Menschen auch nach Grabformen, die ihnen entsprechen. Das erklärt den Trend zur Feuerbestattung, die inzwischen 60 Prozent der ungefähr 870 000 Verstorbenen in einem Jahr in Deutschland ausmacht. Die Urne bietet verschiedene Beisetzungsformen, die das Erdgrab nicht ermöglicht. Doch: „Verstorbene sollen nicht in diese Mobilität einbezogen werden“, fordert der Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Bestatter, Dr. Rolf Lichtner. Längst stehen unsere Friedhöfe in einer Mitbewerberschaft mit anderen Formen: Grabeskirchen, Kolumbarien, verschiedene neue Varianten auf dem Friedhof bis hin zum Verstreuen (wenn es die Friedhofsatzung erlaubt) und Bestattungen in Naturräumen sind möglich. „Gerade das Verstreuen birgt jedoch große Probleme“, sagt Oliver Wirthmann, Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur. „Es gibt keinen speziellen Ort, an dem Angehörige trauern können. Es ist ein Aufgehen im Nichts, was der Hochschätzung der Individualität eines Menschen widerspricht.“

Jüngst wurde das erste Grabfeld für die gemeinsame Bestattung von Mensch und Tier in Essen eröffnet. Rechtlich sind solche neuen Grabanlagen unter Einhaltung bestimmter Vorschriften möglich und stellen einen weiteren Referenzpunkt für eine veränderte Wahrnehmung im Umgang mit dem Tod dar.




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