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Warum Eltern Kindern bei der Partnerwahl nicht reinreden sollten

„Ratschläge können Schläge sein“

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Autor:

Wolfgang Duveneck

Der Konflikt mit Schwiegersohn oder Schwiegertochter ist Gegenstand so mancher Komödie. Doch was auf der Leinwand die Lachmuskeln reizt, lässt im wahren Leben oft Tränen fließen. Doch so ungeliebt die künftige Ehefrau oder der Ehemann des Kindes auch sein mögen: Wollen Eltern den Kontakt zu Sohn oder Tochter nicht gefährden, ist Zurückhaltung angesagt. Probleme mit ihren Schwiegereltern sind keine Seltenheit: Jeder Vierte (rund 25 Prozent) hat sie, wie eine Umfrage der GfK-Marktforschung ergeben hat. 20 Prozent glauben sogar, dass sie nicht die Schwiegertochter oder der Schwiegersohn sind, den sich die Schwiegereltern gewünscht haben. Immerhin rund 11 Prozent beklagen sich, dass die Eltern ihres Partners oder der Partnerin ständig etwas an ihm oder ihr auszusetzen haben. Allzu gern würden viele Eltern bei der Partnerwahl ihrer Kinder mitreden. Auch wenn dahinter der ehrliche Wunsch steht, den Sohn oder die Tochter vor Enttäuschungen zu bewahren, ist das nach Meinung vieler Experten der falsche Weg. „Ratschläge können auch Schläge sein“, sagt Familiencoach Anke Ramson aus Tornesch in Schleswig-Holstein. „Auch ein gut gemeinter Tipp kann leicht nach hinten losgehen.“ Grundsätzlich komme es zunächst einmal auf das Verhältnis zwischen Eltern und Kind an. „Sollte das Kind von sich aus auf die Eltern zukommen, um eine Einschätzung des Partners zu erhalten, sollte man die Frage erst einmal zurückgeben: ,Wie kommst du denn mit ihr oder ihm zurecht?‘“, sagt Ramson. „Als Elternteil ist man ja nicht neutral, man sieht das immer von der emotionalen Seite“, fügt sie hinzu. Auch wenn die Partnerin oder der Partner des Kindes absolut nicht den Geschmack der Eltern treffen sollte, empfiehlt sie Zurückhaltung. „Man sollte darauf vertrauen, dass man das Kind erzogen hat – auch mit dem Ziel, eigene Entscheidungen zu treffen. Und man muss loslassen können.“ Vor schlechten Erfahrungen könne man Kinder letztlich nicht bewahren. „Umwege erhöhen die Ortskenntnis“, sagt die Potsdamer Familientherapeutin Stefanie Bruns. „Auch wenn sich die neue Beziehung als Irrweg herausstellt, sollte man bedenken, dass die Erfahrung immer auch eine Chance bedeutet.“ Grundsätzlich hält es die Therapeutin für sinnvoll, wenn Eltern, denen der neue Partner oder die Partnerin des Kindes nicht gefällt, zunächst ihre eigene Einstellung überprüfen. „Meist kennt man den anderen oder die andere ja überhaupt nicht, sondern fällt gleich beim ersten Treffen ein Urteil“, sagt Bruns. „Eltern sollten dann in sich gehen und überlegen, ob nicht die Erinnerung an eine frühere Situation oder eine Erfahrung mit einem ganz anderen Menschen zu der negativen Einschätzung geführt hat. Das kann zum Beispiel ein bestimmtes Benehmen, die Stimme, das Aussehen oder die Kleidung sein.“ Wichtig sei es, den Menschen, von dem man sich voreilig ein Bild gemacht habe, erst einmal kennenzulernen. Falls es auch dann noch Probleme gebe, gelte es herauszufinden, was genau an dem anderen Menschen als störend empfunden wird. „Häufig ist das, was mir an dem anderen nicht gefällt, eine Baustelle bei mir selbst“, sagt Stefanie Bruns. Auch solle man sich fragen, ob das Beharren auf der eigenen Sichtweise oder der Kontakt zum eigenen Kind wichtiger sei. Und schließlich sei es ratsam, dem eigenen Kind Vertrauen entgegenzubringen.



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