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Statt in Selbstmitleid zu zerfließen, sollten Berufstätige bei der Arbeit lieber richtig Gas geben und sich so ablenken

Liebeskummer – im Job bleibt Beziehungsstress tabu

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Autor:

Andreas Thieme

München. Eine Trennung schmerzt. Bei vielen Menschen ruft der Schlussstrich mit dem Lebenspartner sogar eine existenzielle Krise hervor, erklärt Diplom-Psychologin Birsen Köse aus Berlin. Doch im Berufsalltag kann darauf selten Rücksicht genommen werden. Denn hier zählt vor allem die Leistung. Wer Liebeskummer hat, sollte versuchen, seine privaten Problemen zu Hause zu lassen und den Job als Ablenkung zu begreifen. Vielleicht ist das Büro sogar eine Möglichkeit, das angeknackste Selbstbewusstsein wieder aufzupolieren.

So weh eine Trennung auch tut: In der Regel ist sie kein Grund, nicht bei der Arbeit zu erscheinen. Sonderregeln gelten nur, wenn der Partner stirbt. Dann gebe es die Möglichkeit, sich mehrere Tage vom Arbeitgeber freistellen zu lassen, weiß Köse. Die Psychotherapeutin Prof. Anna Schoch aus München ist sogar überzeugt: „Bei Liebeskummer gibt es gar nichts Besseres als einen Job, der einen fordert. Arbeit ist das beste Heilmittel.“ Sie rät dazu, die Trennung nicht nur negativ zu sehen, sondern auch als Gelegenheit zu begreifen, um die Karriere anzukurbeln. Einerseits sei nun schlicht mehr Zeit für den Beruf vorhanden. Andererseits strebe man vermehrt nach Erfolgserlebnissen und müsse weniger Rücksicht auf das Privatleben nehmen. Köse rät jedoch dazu, sich bei den Erfolgserlebnissen realistische Ziele zu setzen. Schon kleine Dinge können helfen, das oft angeknackste Selbstbewusstsein aufzupäppeln.

Bei Liebeskummer sind aber auch die Kollegen gefragt: Denn nach einem durchweinten Wochenende können sie das private Dilemma meist gar nicht übersehen. Wichtig sei, dem Trauernden zu vermitteln: „Du lieferst gute Arbeit, für die du geschätzt wirst.“ Der Betroffene sollte jedoch darauf achten, dass seine Arbeitsleistung und die seiner Kollegen möglichst nicht unter der Trennung leidet, sagt der Konfliktberater Werner Schienle aus Stuttgart. Er empfiehlt daher, die Kollegen etwa in der Mittagspause in das Beziehungsende einzuweihen. Wer es vor Kummer überhaupt nicht schafft, seine Arbeit zu bewältigen, sollte das Gespräch mit dem Chef suchen. Wichtig sei dabei, sich realistisch einzuschätzen. Sind die privaten Probleme so groß und die Arbeitsleistung so gering, sollte man das ehrlich zugeben. „Man kann kein Mitleid erwarten, Verständnis aber schon“, erklärt der Konfliktberater Schienle.



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