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Warum bei der Auswahl eines Pflegeheimes für die Eltern nicht nur auf das Prüfsiegel vertraut werden sollte

Für die Lebensqualität sind oft Kleinigkeiten wichtig

Julia Kirchner

Viele Pflegeheime lassen mittlerweile die Qualität ihrer Arbeit zertifizieren. Ein grüner Haken oder eine gute Note alleine bringen Angehörige bei der Auswahl einer Einrichtung aber nicht weiter. „Der Markt der Siegel und Zertifikate ist sehr unübersichtlich und kann nur ein grober Hinweis sein“, sagt Ralf Suhr, Vorsitzender des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP). Das technokratische Messen einzelner Kriterien wie Ernährung oder der Umgang mit Schmerzen sei für die Entscheidung im Alltag nicht immer hilfreich: „Oft müssen Heime in einer Notsituation gefunden werden“, erklärt Suhr. Als Orientierungspunkt sollten sich Angehörige die Frage vor Augen führen: Welche Bedürfnisse hat meine Mutter oder mein Vater? Das Problem dabei sei, zwischen eigenen Vorstellungen und denen der Eltern zu trennen. Zum anderen habe man sich oft nicht rechtzeitig darüber unterhalten, in welcher Art von Heim sie untergebracht sein möchten. Doch schon kleine Dinge können Anhaltspunkte sein: „Man weiß ja in der Regel: Schläft meine Mutter oder mein Vater morgens gerne aus? Darf man das Haustier mitnehmen? Isst er oder sie zum Frühstück lieber etwas Süßes?“ Kleinigkeiten wie diese seien für die Lebensqualität entscheidend. In einer Studie hatte das ZQP ermittelt, dass es in Deutschland mittlerweile 20 Siegel auf dem Pflegemarkt gibt. Die Aussagekraft variiert dabei stark: Für die Vergabe mancher werden nur die Bewohner befragt, für andere auch die Mitarbeiter einer Einrichtung einbezogen. Entscheidend für die Qualität seien unter anderem die Sauberkeit der Einrichtung oder ob das Personal freundlich ist. „Beide Dinge sind auch für Laien gut zu erkennen.“ Angehörige sollten darauf achten, nicht nur mit der Heimleitung zu sprechen, sondern am besten auch mit einigen Bewohnern. Ansonsten gelte: ausprobieren. „Gibt es ein Café, setzen Sie sich mit dazu und essen mit. Dann können sie überprüfen: ,Schmeckt das?‘“, rät Suhr. In vielen Heimen werde das angeboten.

Schwieriger sei hingegen herauszufinden, ob das Personal gut ausgebildet ist. Angehörige sollten sich aber nicht scheuen, gezielt Punkte anzusprechen: „Fragen Sie nach, wie oft es in dem Heim Probleme mit Druckgeschwüren gibt. Erkundigen Sie sich, welche Konzepte es speziell für Demenzerkrankte gibt. „Gute Heime wollen transparent sein und legen solche Sachen offen“, sagt Suhr.

Alltag in einem Pflegeheim. Der Markt der Siegel und Zertifikate ist noch sehr unübersichtlich und nur teilweise hilfreich.

Foto: dpa




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