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Berufsweg heute keine Einbahnstraße mehr / Abiturienten geht es anders als früheren Generationen

Ein Lebenslauf muss nicht zwingend geradlinig sein

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Autor:

Julia Kirchner

Berlin. Erst eine Lehre, dann ein Studium und zwischendrin noch ins Ausland? Manche Jugendliche fühlen sich angesichts der vielen Möglichkeiten auf dem Weg ins Berufsleben unter Druck gesetzt. Dann hilft es, sich bewusst zu machen, dass der einmal eingeschlagene Berufsweg heute keine Einbahnstraße mehr ist.

Statt sich einen minutiös geplanten Karriereplan zurechtzulegen, sollten Jugendliche besser in Etappen denken: „Erst mal macht man vielleicht eine Ausbildung zum Hotelkaufmann – danach kann man immer noch etwas dranhängen oder sich neu entscheiden“, sagt die Bewerbungsexpertin Sabine Neumaier.

Gerade Abiturienten sollten sich vor Augen führen, dass sie heute ein Jahr eher als frühere Generationen die Schule verlassen. Es ist daher nur verständlich, wenn sie dann in ihrer Entwicklung noch nicht am Ende sind. Auch wenn Jugendliche sich nach ihrer Ausbildung ganz neu orientieren, sollten sie dabei das Positive sehen: „Ich weiß, dass ich Hierarchien und einen Arbeitsalltag kennengelernt und etwas zu Ende gebracht habe“, sagte Neumaier. Damit können Mädchen und Jungen auch im Bewerbungsgespräch argumentieren: „Man sollte ehrlich sagen: ,Ich habe für mich erkannt, dass ich in dem Bereich nicht weitermachen möchte‘“, riet Neumaier. Viele Personaler wüssten das zu schätzen und sähen nicht hundertprozentig geradlinige Lebensläufe nicht mehr so streng. Viele 14- bis 17-Jährige sehen sich einem hohen Leistungsdruck ausgesetzt, wie aus einer in Berlin vorgestellten Sinus-Jugendstudie hervorgeht. Bei allem Streben nach Erfolg fürchten sich viele zugleich vor einer ungewissen beruflichen Zukunft. Die Studie wurde von sechs kirchlichen und gesellschaftspolitischen Institutionen in Auftrag gegeben. Dafür wurden 72 Jugendliche in ausführlichen Interviews befragt. Steht die Phase der Berufsplanung an, teilten sich viele Jugendliche in die Gruppe der Orientierungslosen und die der Ehrgeizigen auf, sagte Neumaier. Die zweite Gruppe ist dabei nicht unbedingt erfolgreicher: „Die Super-Ehrgeizigen fangen an zu verkrampfen, wenn sie auf ihre Bewerbungen Absagen oder keine Antwort erhalten. Es fällt ihnen schwer, von ihrem Weg, den sie einschlagen wollen, abzuweichen.“ Sie könnten sich dann zum Beispiel bei einer Bewerbungsberatung Unterstützung suchen. Im Gespräch lasse sich herausfinden, welche Grundidee dem Traumjob zugrunde liegt – etwa, viel mit Menschen zu arbeiten. Davon ausgehend falle es leichter, alternative Berufe zu finden.

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