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Bedeutende Personen legen oft Wert darauf / Doch prominent muss man für eine eigene Biografie gar nicht sein

Biografisches Arbeiten weckt alte Erinnerungen

Autor:

Lea Sibbel

Es muss nicht die Geschichte vom großen Erfolg sein. Oder vom spektakulären Misserfolg. Meist sind es Geschichten aus dem Alltag eines Menschen, die dessen Biografie zu etwas Besonderem machen. Und die beim Erzählen darüber viele Gefühle freisetzen. „Anekdoten sind das Schönste“, sagt Christof Hilthof, Medienpädagoge aus Baden-Baden. Deshalb nimmt er diese Anekdoten auf und macht aus ihnen ganz persönliche Hörbiografien.

„Das Erzählen ist auch viel Identitätsarbeit“, sagt Sabine Sautter vom Verein Lebensmutig. Er widmet sich der Biografiearbeit, also der Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensgeschichte. „Wenn ich erzähle, verstehe ich oft viel mehr, weil ich es heute anders beurteile.“ Dieses Neubewerten und Neuordnen von Erinnerungen sieht auch Cornelia Kricheldorff, Professorin für Soziale Gerontologie, als eine der wichtigsten Funktionen in der biografischen Arbeit an.

Die Unternehmerin Brigitte Becker aus Köln hat ihre Biografie mit professioneller Hilfe aufgenommen. „Ich habe sehr viel über mich gelernt“, stimmt sie den Einschätzungen von Sautter und Kricheldorff zu. Die Hörbiografie schenkte Becker ihrer Tochter zum 30. Geburtstag. „Ich habe Dinge erzählt, die eine 30-jährige Frau wissen muss, von ihrer Geburt, bis sie ihren Mann gefunden hat.“ Aufschreiben wollte Becker ihre Geschichten nicht. „Schreiben ist bei mir so pragmatisch, beim Erzählen kommen mehr Emotionen rüber.“ Außerdem war es ihr wichtig, die Erinnerung an ihre Stimme zu bewahren. Für Radiojournalistin Maicke Mackerodt, die Brigitte Becker bei der Aufnahme half, transportiert die Stimme wesentlich mehr, als es ein geschriebener Text könnte. „Die Stimme ist der Spiegel der Seele“, sagt sie. Intonation, Lachen, Bewegung – all das gehe im Text verloren.

Durch das Zuhören und Nachfragen beim biografischen Arbeiten komme vieles zum Vorschein, was sonst im Verborgenen bliebe – für Angehörige wie für die Person selbst, sagt Sautter. „Jeder hat einige Standarderzählungen über sich“, erläutert sie. „Das, was links und rechts davon liegt, hat man gar nicht mehr so präsent.“ Bis schließlich jemand danach fragt.




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