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Semi-Happiness-Ehen können Partner vor Probleme stellen

Beziehung? Läuft so lala

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Autor:

Nicola Menke

Wer heiratet, glaubt nicht selten, den idealen Partner fürs Leben gefunden zu haben. Doch mit der Zeit finden sich an Mr. und Mrs. Right so einige Macken. Von Perfektion kann bei keiner Ehe die Rede sein. Jede hat ihre Höhen und Tiefen, ihre Streitpunkte und Unvereinbarkeiten. Allerdings gilt es zu differenzieren: Da sind solche, die das Label glücklich verdienen, da sie von Harmonie, Respekt und Zuneigung dominiert werden, unglückliche, in denen Streit und negative Emotionen vorherrschen – und einige, die irgendwo dazwischenschweben, sogenannte Semi-Happiness-Ehen eben.

„Darunter versteht man Ehen, die weder unglücklich noch richtig glücklich sind“, erklärt Friedhelm Schwiderski vom Arbeitskreis Paar- und Psychotherapie. Dieser Status quo sei ein chronischer emotionaler Zwiespalt und stelle sich meist bei länger andauernden Beziehungen ein. Die betreffenden Partnerschaften funktionieren zwar sehr gut, sind aber nicht erfüllt. Allerdings sei die Paarbeziehung oft eine sehr sachliche: Das Persönliche hat kaum Raum, man spricht nicht über sich selbst und lässt den anderen nicht allzu nah an sich heran. Zärtlichkeit und Sexualität sind ins Abseits geraten oder waren es vielleicht bereits von vornherein. „Das ist kein Problem, solange keiner von beiden etwas vermisst. Oft ist da aber ein Ungleichgewicht, sprich einer wünscht sich mehr Nähe.“

Neben dem Ausbleiben von Schmetterlingsgefühlen und Leidenschaft sind oft enttäuschte Erwartungen Auslöser für das Gefühl der Semi-Happiness. „Viele erhoffen sich aus der ersten Verliebtheit heraus viel zu viel“, sagt Peter Groß vom Bundesverband deutscher Psychologinnen und Psychologen. Unterschiedlich heißt aber nicht zwingend inkompatibel. Ausschlaggebend ist, wo die Differenzen liegen: „Man sollte darüber nachdenken, was einem in einer Beziehung wirklich wichtig ist. Was ist für mich völlig unverzichtbar, was ist verhandelbar und was ist ein absolutes No-Go“, erklärt Groß. Ergebe der Vergleich der eigenen Vorstellungen zu gravierende Unterschiede zu denen der anderen Person, ist es manchmal das Beste, einen Schlussstrich zu ziehen.

Ansonsten gilt es, nicht überstürzt zu handeln. Um die Beziehung beurteilen zu können, sollten die Gemeinsamkeiten mit dem Partner, seine guten Seiten in die Waagschale geworfen werden. „Und man sollte sich vor Augen führen, dass dauerhaftes Glück auf ganzer Linie unrealistisch ist. Unsere Partnerschaften sind wie unser Leben als Ganzes: eine ewige Baustelle“, sagt Dariush Barsfeld, Paartherapeut in Darmstadt.

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