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Die Rolle des Gegenwartsdesigns

Zwischen Zeitgeist und käuflicher Erinnerung

Herford. Für die einen ist er ein nettes Beiwerk, spannend zu hinterfragen. Für die anderen ist er lebensnotwendig und eine immer neue Herausforderung: der Zeitgeist. Die einen, sie sind in diesem Fall an Kunst und Design interessierte Menschen, Besucher in Museen, Sammler besonderer Objekte. Die anderen sind Designer. Den Zeitgeist abzubilden, ist ihr tägliches Brot. Dr. Michael Kröger ist eine Art Mittler zwischen den einen und den anderen, den Kunstinteressierten und den Designern.

Autor:

Julia Marre

Herford. Für die einen ist er ein nettes Beiwerk, spannend zu hinterfragen. Für die anderen ist er lebensnotwendig und eine immer neue Herausforderung: der Zeitgeist. Die einen, sie sind in diesem Fall an Kunst und Design interessierte Menschen, Besucher in Museen, Sammler besonderer Objekte. Die anderen sind Designer. Den Zeitgeist abzubilden, ist ihr tägliches Brot. Dr. Michael Kröger ist eine Art Mittler zwischen den einen und den anderen, den Kunstinteressierten und den Designern. Als Kurator gestaltet er derzeit zusammen mit Friederike Fast die Ausstellung „Jetzt – Zeitempfinden und Gegenwartsdesign“ am Marta Herford. „Das ist ein schwieriges Thema für eine Ausstellung, weil es schnell ins Philosophische driften kann“, sagt er. Und doch ist es zugleich eine große Chance. Denn: „Es hat erst sehr wenige kleine Ausstellungen zum Thema Zeit und Design gegeben“, so Kröger. Zu sehen waren sie nur in kleinen Galerien im europäischen Ausland. Für die deutsche Kunst- und Designszene scheint das Thema ein brandneues zu sein.

So verwundert es nicht, dass Michael Kröger und Friederike Fast mit dem Berliner Designer Professor Jörg Hundertpfund bereits jetzt – die Ausstellung wird erst im September eröffnet – ein 13-seitiges Exposé erarbeitet und Themengruppen kondensiert haben. „Wir haben den Anspruch, einen etwas kritischen Blick von außen auf die Gesellschaft zu werfen“, sagt Kurator Kröger. Gerade im Bereich Konsum böte sich das an. So widmet sich die Ausstellung etwa jener Jungfräulichkeit, die dem Konsumenten suggeriert wird, wenn er ein luxuriöses Produkt erwirbt. „Damit wird zugleich eine bestimmte Zeiterfahrung verkauft“, sagt Kröger. Der Bereich Retro/Vintage gehe noch einen Schritt weiter: Viele Produkte, gerade in der Möbelindustrie, werden bloß auf alt getrimmt. Designklassiker werden imitiert. „Das Objekt ist authentisch, weil es gealtert aussieht. Tatsächlich aber kauft man sich damit Erinnerung, die man nicht hat.“ So würden industriell produzierte Erlebnisse verkauft. „Das ist Selbstbetrug“, kritisiert der Kurator. Ein Möbelstück biete längst nicht mehr Orientierung. „Heutzutage möchte niemand mehr 30 Jahre lang am selben Tisch sitzen. Aber man kann seine Umwelt nicht jeden Tag auswechseln.“ Ebendieser Zwiespalt zwischen Beständigkeit und Abwechslung ist es, den die Kuratoren offenlegen möchten.

Die Zeiten, in denen ein Totenkopf und ein Granatapfel, eine abgelaufene Sanduhr und eine erloschene Kerze im Vanitas-Stillleben den Betrachter mit dem „Memento Mori“-Appell an seine Vergänglichkeit erinnerten, sind vorbei. Designobjekte zum Thema Zeit möchten die Macher ohnehin Kunstwerken voranstellen. Und das ist ein langwieriger Prozess: „Der Designbereich ist unendlich verzweigt“, so Kröger. Jeder Designer müsse einzeln kontaktiert werden. Aber dafür ist ja noch Zeit …

Das Marta Herford eröffnet am 9. September die Ausstellung „Jetzt – Zeitempfinden und Gegenwartsdesign“. Im Internet: www.marta-herford.de.




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