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Zwischen Petticoat und Nierentisch

Bad Münder. „In so einem Kinderwagen habe ich auch gelegen“, ist sich die CDU-Landtagsabgeordnete Petra Joumaah sicher und nippt an einem Gläschen Pfirsichbowle. Auch die vielen anderen Gäste der Ausstellungseröffnung im Münderaner Heimatmuseum schwelgen in Erinnerungen an Tütenlampen, Mopeds, Nierentische, Cocktailkleider – und eine Vielzahl von Überbleibseln der 1950er Jahre.

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Die vorhandene Bestuhlung reichte nicht aus, um allen Gästen, die zur Eröffnung ins kalte, feuchte Kellergewölbe des Museums an der Kellerstraße gekommenen waren, Platz zu bieten. Leicht fröstelnd hörten die Besucher nach der Begrüßung durch Museumschef Michael Meier eine kurze inhaltliche Einführung des Historikers Klaus Vohn-Fortagne, die Begleitbuchvorstellung durch Vorstandsmitglied Dr. Kai Witthinrich und die Grußworte von Bürgermeister Hartmut Büttner und Landtagsabgeordneter Petra Joumaah.

Er freue sich, dass durch die Instandsetzung der Heizungsanlage der Fortbestand des Museums gesichert sein, so der Bürgermeister. Möglich geworden sei das nach einem Besuch der damaligen niedersächsischen Wissenschafts- und heutigen Bundesbildungsministerin Johanna Wanka.

„Entbehrungsreich, aber hoffnungsvoll …“, so lautet das Motto der überwiegend aus der Sammlung des Nienstedters Günther Knopf bestehenden Ausstellung. Der hat jahrzehntelang gezielt Gegenstände aus den 50ern zusammengetragen, die vom Museumsteam unter der Leitung von Michael Meier zu einem Panorama der Frühzeit der Bundesrepublik arrangiert worden sind.

„Viele stehen heute der Wiederaufbau- und Aufstiegsgeschichte der Väter- und Großvätergeneration relativ ratlos gegenüber“, so Vohn-Fortagne. Zwischen Revuefilmen, 50er-Jahre-Reklame und Heimatschnulzen wird dabei im Bereich Möbel- und Modedesign vor allem die Suche nach einem neuen, „modernen“ Stil sichtbar: grelle Farben, amorphe Formen und Linien in missverstandener Anlehnung an die abstrakte Kunst, aber auch die zunehmende Motorisierung als Ausdruck neu gewonnener Freiheit ist Thema.

Auch die Frühphase der Jugendrebellion gegen das muffige Spießertum der Adenauer-Ära bleibt nicht ausgespart: Halbstarken-Kult, Jeans, Petticoats, Hula-Hoop, Elvistolle, Roch ´n´ Roll und Brillantine im Haar.

Als lebendes Beispiel hatte sich eine Gruppe um die 21-jährige Inga Petermann und die Brüder Roman und Nikolas Martin stilecht in die Klamotten der späten 50er geworfen. „Sieht zum einem cool aus und ist doch im Vergleich zu dem, was die Jugendlichen heute tragen, echt vernünftig“, so der Biochemiker Nikolas Martin.

Zur Ausstellung haben zahlreiche Autoren aus dem Umkreis des Museums ein Begleitbuch erstellt. „Ein Exemplar von ,Die 50er-Jahre im Deister-Süntel-Tal‘ geht natürlich über Frau Joumaah direkt an Ministerin Wanka“, so Michael Meier.

Die erinnerungsträchtige Ausstellung wird durch zahlreiche Aktionen ergänzt. Den Anfang macht dabei am 18. April die Film-AG mit Bernhard Wickis 1958 gedrehtem Streifen „Warum sind sie gegen uns“. Anschließend, so teilte Ingeborg Salzmann vom Museumsteam mit, sei eine Führung durch die Ausstellung vorgesehen. Die läuft bis Mitte Dezember und kann außerdem jeweils sonntags in der Zeit von 15 bis 18 Uhr besucht werden.

hzs



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