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Ohne Autoverkehr und mit natürlichem Charme: die ostfriesische Insel Langeoog

Zwischen Fischbrötchen und Seenebel

Die kleine Gruppe am Hafen beobachtet das Anlegemanöver des flämischen Flachboden-Seglers „Foletta“ mit gemischten Gefühlen. Gleich sollen sie an Bord gehen und wissen doch gar nicht so genau, was sie erwartet, außer, dass das Boot sie dem Lebensraum der Seevögel noch näher bringen soll, als es an Land möglich ist.

Autor:

Monika Ukermann

Eigentlich sieht die „Foletta“ in ihrer breiten Holzbehäbigkeit verlässlich aus – ebenso wie Skipper Joke, dem eigentlich zu seinem langen Pferdeschwanz nur noch eine schwarze Augenklappe fehlt, um dem Bild eines verwegenen Seefahrers des vorvergangenen Jahrhunderts gerecht zu werden. Sein lächelndes Gesicht und die dazu ausgestreckte Hand helfen der kleinen Gruppe an Bord. Doch wer glaubt, er könne sein Abenteuer ganz ruhig auf den Holzbänken back- und steuerbords aussitzen, hat sich geirrt. In Windeseile werden Landratten zu Matrosen und Steuermännern befördert, die mal an der Pinne stehen, helfen die Segel zu setzen und das Tauwerk zu ordnen.

Inzwischen hat sich der Seenebel verzogen und bei ausreichend Wind, der die Segel füllt und die „Foletta“ vorantreibt, kann sich die Crew bei Fischbrötchen und selbst zu pulenden Krabben ausruhen. Und obwohl das Boot schon eine gewisse Schräglage hat und manchmal die überschwappende Gischt einer unfreiwilligen Dusche ähnelt, sind sich alle darüber einig, dass Fischbrötchen selten so gut geschmeckt haben wie diese.

Der Segeltörn auf der „Foletta“ ist Teil eines neuen Pauschalangebots, das die Kurverwaltung Langeoog ab Oktober für Vogelbeobachter anbietet. Unter Führung von Ornithologen und Naturkennern lässt sich die Welt der Seevögel besser verstehen. Riesige Rastvögelschwärme können auf Langeoog gut beobachtet werden. Und während Ungeübte nur Vögel durch ihr Fernglas sehen, erklären die Experten die Unterschiede zwischen Seeregenpfeifer, Zwergstrandläufer und Löffler.

Konnte Langeoog vor 150 Jahren mit 100 Badegästen pro Jahr aufwarten, so bewältigt das seit 50 Jahren anerkannte Nordseeheilbad inzwischen 170 000 Urlauber. Umso erstaunlicher, dass man sich auf der autofreien Insel sogar in der Hochsaison frei bewegen kann. Vielleicht liegt es daran, dass der kleine Ort Langeoog im Westen der Insel das einzige bebaute Areal des Eilands ist. Der Rest der etwa 20 Quadratkilometer großen Insel ist Natur pur. 14 Kilometer Sandstrand und eine eindrucksvolle Dünenlandschaft sind attraktiv zu jeder Jahreszeit.

Einen guten Überblick hat der Urlauber von der 20 Meter hohen Melkhorndüne, es ist die höchste Erhebung Ostfrieslands. Neben dem Ort mit Kurzentrum und dem für Langeoog bekannten Wasserturm, der gerade in diesem Jahr sein 100-jähriges Jubiläum feiert, liegt südlich ein kleines Wäldchen, das durchquert wird, um den Hafen zu erreichen. Gut beraten ist, wer sich ein Fahrrad mietet – am Osterhook, dem Ostende Langeoogs, wartet als lohnendes Ziel eine Beobachtungsplattform für Seehunde.

Und wer das nächste Mal mit nackten Füßen durchs Watt geht, sollte sich bewusst werden, dass er mitten im Weltkulturerbe steht, gewürdigt als eines der größten küstennahen und gezeitenabhängigen Feuchtgebiete der Erde. Der größte Trumpf der Insel ist die Natur, auch wenn es zum Beispiel andere kleine Höhepunkte gibt: So begeistert das neue Viersternehotel Retro Design geschmackvoll im Siebziger-Jahre-Stil.

Ach ja, eine berühmte Tochter hat Langeoog auch hervorgebracht: Lale Andersen lebte aber bis zu ihrem Tod auf der Insel und wurde dort begraben. Im Seemannshus, dem Heimatmuseum, hat man ihr eine Ausstellung gewidmet und ihr einstiges Wohnhaus ist heute ein Café.

Weitere Informationen bei der Kurverwaltung Langeoog, Tel. 0 49 72/69 30, E-Mail: kurverwaltung@langeoog.de, im Internet unter: www. langeoog.de.




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