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Zweipersonenstück mit Knalleffekt

Egestorf. Das hatte das Publikum im Egestorfer „Schaaf-

stall“ noch nicht erlebt. Zwei jugendliche Schauspieler, die zur Tür hinaus, gleich darauf wieder durchs Fenster hinein, mal laut schreiend, mal im eindringlichen Dialog, gleich ein Dutzend Charaktere auf die wenigen Quadratmeter Spielfläche brachten. Eine gute Stunde lang wirbelten der schwarz gelockte Camill Jammal und sein Kollege Philippe Goos als Mojo und Mickybo durch die beengten Räumlichkeiten des „Schaafstalls“.

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Die beiden Akteure vom Schauspiel Hannover präsentierten im ausverkauften Haus in der Regie von Hanna Müller das Erfolgsstück „Mickybo und ich“ des irischen Theaterautors Owen McCafferty. Vor dem Hintergrund des Nordirlandkonflikts der frühen 70er Jahre entfaltet er das extreme soziale Drama zweier Jugendlicher, voll Rhythmus und Wortwitz, heimlicher Nöte und Träume, berstend von prallem pubertären Übermut. Es ist die Geschichte einer von amerikanischen Western befeuerte, von Abenteuerlust getriebene Freundschaft zweier Jungs aus feindlichen Lagern, die am Ende von der blutigen Realität ihrer Milieus eingeholt werden.

Die Inszenierung, die die beiden Akteure in nur einer Stunde Vorbereitung ebenso überzeugend wie fantasievoll dem beengten Bühnenraum des „Schaafstalls“ angepasst hatten, ist atemlos, rasant, voll tragischem Witz. Jeder der beiden spielt gleich eine ganze Handvoll Charaktere. „In der Probenphase hatten wir uns oft überlegt, wie man das schaffen kann“, erinnert sich Camill Jammal. „Aber dann haben wir gemerkt, das oft nur eine Geste, ein Blick, ein Tonlagenwechsel ausreicht. Und diese schnellen Wechsel bringen ungeheuer viel Spaß.“

Unter allem pubertären Überschwang schwelt ein existenzieller Konflikt, den beide kaum durchschauen können, dem sie in schicksalhafter Hilflosigkeit ausgeliefert sind. So träumen sie sich weg, nach Südamerika, irgendwohin, nur fort aus der Realität der Bombenanschläge, Gangs und Straßenschlachten. Natürlich explodiert dann im Garten des „Schaafstalls“ auch ein Knallkörper. Der allerdings entpuppt sich als weit mehr als nur ein lautstarker Regieeinfall.

Mag sein, dass der Nordirland-Konflikt als politischer Hintergrund des Stücks von schwindender Aktualität ist. „Für ein soziales Drama zweier präpubertärer Knaben“, so Veranstalter Ernst Jürgen Kirchertz, „taugt er allemal“. Und eben darauf zielten die grandiosen schauspielerischen Leistungen der beiden Akteure ab.hzs



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