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Urteil soll zur Abschreckung dienen

Zweieinhalb Jahre Gefängnis für brutalen Schläger

Stadthagen (men). Zu zweieinhalb Jahren Haft hat das Schöffengericht am Amtsgericht Stadthagen einen 27-jährigen Mann verurteilt, der einen afrikanischen Asylbewerber brutal zusammengeschlagen hat. Der Vorsitzende Richter Kai-Oliver Stumpe wollte das Strafmaß als "deutliches Signal" verstanden wissen, denn für privates Faustrecht dürfe in unserer Gesellschaft kein Platz sein.

Das Schöffengericht hofft, dass sich ",die Botschaft in einschlägigen Cafés und unter den Freunden des Angeklagten herumspricht". In dem Verfahren hat das Gericht keine Kosten und Mühen gescheut. Zeugen über Zeugen wurden während der vier Verhandlungstage befragt. Am Ende stand für das Gericht zweifelsfrei fest, dass der aus einem arabischen Land stammende Deutsche gemeinsam mit drei unbekannten Begleitern das Opfer vor einer Döneria in Stadthagen abgepasst und übel zugerichtet hatte. Nach Faustschlägen und Tritten gegen den Kopf lag das Opfer mit gebrochenem Kiefer zwei Wochen im Krankenhaus. Vier Wochen musste sich der Mann per Strohhalm flüssig ernähren. Anlass für den in der Urteilsbegründung als potenziell lebensbedrohlich eingestuften Angriff waren Händel zwischen dem jugendlichen Bruder des Angeklagten und dem Schwarzafrikaner. Die folgende Strafaktion endete nach den Beschreibungen des Opfers damit, dass der Angeklagte seinen Fuß auf den Hals des am Boden Liegenden setzte und ihn aufforderte: "Sprich mir nach: Ich werde deinen Bruder nicht mehr anrühren." Die Richter sahen keinen Anlass, an diesen Angaben zu zweifeln. Widersprüche, die der Verteidiger moniert hatte, um die Glaubwürdigkeit zu erschüttern, seien "nicht festzu stellen", resümierte Stumpe. Der Richter sah vielmehr den "klassischen Fall, in dem ein Opfer zum Täter gemacht werden soll". Die Notwehrversion des Angeklagten bezeichnete er als "völlig absurd". Deutliche Widersprüche hätten sich dagegen in den Aussagen der Entlas tungszeugen gezeigt. "Sehr offensichtliche Absprachen", lagen für das Gericht auf der Hand. Stumpe mutmaßte zudem, dass viel gelogen worden ist "aus Angst" vor dem Angeklagten. Der 27-Jährige ist dreimal wegen Gewaltdelikten vorbestraft, zuletzt mit acht Monaten auf Bewährung. Die Verurteilung ist in die Gesamtstrafe miteinbezogen, ebenso wie der zweite Anklagevorwurf des aktuellen Verfahrens. Der Stadthäger hatte gestanden, dass er einen Schaffner, der ihn beim Schwarzfahren ertappte, mit der Faust niedergestreckt hat. Die Verurteilung zur Haft erfolgte einigermaßen überraschend, nachdem selbst der Staatsanwalt Bewährung beantragt hatte. "Mit Bauch grimmen", wie er in seinem Plädoyer einräumte, als letzte Chance für den Angeklagten. Dass dieser durch einen Knastaufenthalt letzte Möglichkeiten einer sinnvollen Lebensplanung einbüßen würde, war offensichtlich. Niemand mochte dem Verteidiger widersprechen als er prophezeite: "Im Knast geht der Angeklagte kaputt." Rechtsanwalt Ralf Jordan beschrieb dagegen die Bemühungen seines Mandanten zur Lebensveränderung. Eine positive Sozialprognose ergab sich für die Richter daraus nicht, und selbst ohne den Gedanken an die Abschreckung potenzieller Folgetäter war für den Angeklagten eine Strafaussetzung außer Reichweite. Möglicher Kritik, das Strafmaß sei "überhart", hielt Stumpe entgegen, eine solche Wertung werfe "Schlaglichter auf den Zustandder Gesellschaft und der Justiz".



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