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Ein festes Engagement an einer heilpädagogischen Hofschule rettet Schaf-Zwillingspaar das Leben

Zwei Wollknäule entkommen dem Kochtopf

Bad Münder (st). Dies ist die rührende Geschichte von „Schaf 1“ und „Schaf 2“ – zwei wuschel-wolligen Tieren, die es geschafft haben, durch ihre liebenswürdige Art dem drohenden Kochtopf zu entkommen. Nicht zuletzt ihr schauspielerisches Talent hat ihnen das Leben gerettet.

Monika Lüdtke freut sich mit ihren beiden zutraulichen Schafen über deren Adoption durch eine heilpädagogische Hofschule.  Fotos

„Mööööööööh“, hallt es über den Hof von Michael Meier und Monika Lüdtke im beschaulichen Sünteldorf Böbber. Begleitet wird das Blöken von leisem Schneeknirschen und schnellem Hufgetrappel. Zwei Schafe mit leicht dreckig wirkender Wolle galoppieren in einem Affenzahn auf Lüdtke zu, die mit zwei Rüben am Tor im Weidenzaun steht.

Lüdtke lacht: „Hey ihr zwei, ich hab‘ was zu fressen für Euch mitgebracht.“ Die Schafe wollen ihr die Rübe fast aus der Hand reißen, Scheu vor Menschen kennen sie scheinbar nicht. „Auch bei Fremden kommen sie immer gleich angelaufen und sind unglaublich zutraulich“, sagt Lüdtke. Ihr Mann Michael Meier stimmt zu: „Solche Tiere hatten wir noch nie.“ Die Familie habe jedes Jahr ein paar Schafe, erzählt Meier, und eigentlich werden die zum Jahresende geschlachtet und landen zunächst in der Kühltruhe, später im Kochtopf. „Diese beiden sind aber wirklich etwas Besonderes.“

Und das hat auch ein befreundeter Pädagoge aus der Nähe von Lüneburg festgestellt. Der Leiter einer heilpädagogischen Hofschule, die nach dem Waldorf-Prinzip unterrichtet, hat die beiden Blöker gesehen und sich auf der Stelle in die Tiere verguckt. Die müsse er unbedingt für seine Schule haben – die Arbeit mit Tieren sei eine der wesentlichen Säulen der pädagogischen Arbeit an der Einrichtung. Meier und Lüdtke waren sofort einverstanden, verzichteten gerne auf den Lammbraten und die leckere Mettwurst. Und so steht „Schaf 1“ und „Schaf 2“ jetzt ein langes Leben im Kreise vieler lieber Kinder bevor – und nicht ein Ende im Kochtopf. „Weil wir die Tiere eigentlich schlachten wollten, haben wir denen noch gar keine Namen gegeben. Aber das werden die Schüler sicherlich nachholen“, sagt Lüdtke.

Zurzeit warten die Coburger Füchse – eine, wie Meier sagt, äußerst seltene und vom Aussterben bedrohte Schafrasse – auf den Abtransport nach Wendisch-Ewern in der Nähe von Lüneburg. „Der Abholtermin hat sich schon mehrfach verschoben“, sagt Lüdtke – aufgrund der Witterungsverhältnisse. „Jetzt haben wir den zweiten Weihnachtstag anvisiert.“

Eigentlich sollten die beiden Bocklämmer – übrigens ein Zwillingspärchen – bereits am vergangenen Wochenende beim Krippenspiel an der neuen Schule als Hauptattraktion mit von der Partie sein, aber der strenge Winter hat dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber im kommenden Jahr bekommen die Vierbeiner sicher Gelegenheit, ihr schauspielerisches Talent unter Beweis zu stellen.

Den Rest der Zeit dürfen sich die beiden Schafe von den jungen Schülern der Hofschule umsorgen lassen. „Mit den Schafen sollen sich die Kleineren beschäftigen – Füttern, Einstreuen und was sonst noch so anfällt“, erklärt Lüdtke. Neben Schafen gibt es auf dem Hof auch noch Esel, Ochsen, Kühe, Pferde und Hühner – mehr als die komplette tierische Besetzung für ein Krippenspiel also. Außer sich streicheln lassen und schauspielern sollen die Schafe das Gras auf der Schulwiese kurz halten. Ein schönes Leben für einen potenziellen Sonntagsbraten.

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