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Krellmann und Lösekrug-Möller gehen nach Berlin / Thul (CDU) hat den Einzug nicht geschafft

Zwei rote Frauen fürs Weserbergland

Hameln-Pyrmont (wul). Mit wenigen Strichen haben 143 177 Wähler in Hameln-Pyrmont und Holzminden auch über die persönliche Zukunft der Direktkandidaten entschieden. Während Gabriele Lösekrug-Möller als Siegerin des Wahlkreises in (fast) gewohnter Manier in Berlin weitermachen kann, muss Hans Peter Thul (CDU) seinen Platz im Bundestag räumen und sich wieder in einem Leben ohne Mandat für die Bundespolitik zurechtfinden. Unterdessen bereitet sich Jutta Krellmann (Linke) auf ihren Umzug vor. Sie hat es über die Landesliste ins Parlament geschafft. „Der Tag danach“ bedeutet vor allem Ergebnisse verdauen und den Blick nach vorne richten.

Nachdem Hans Peter Thul vor drei Jahren als Nachrücker über die Landesliste in den Bundestag eingezogen war, war er diesmal zu weit hinten platziert (18). „Er wird zu tun haben“, versuchte gestern sein Hamelner Büro eine Erklärung, weswegen Thul auf keiner Leitung für Rück- und Ausblick zu erreichen war. Schon am Wahlabend war er mit seiner Frau nicht mehr ins Hotel Zur Krone gegangen, wo Parteifreunde den schwarz-gelben Erfolg feierten. Aber auch für Lösekrug-Möller, die zwar zum dritten Mal im Bundestag vertreten ist, brechen neue Zeiten an, schließlich gehörte sie in den vergangenen Jahren immer der Regierungspartei an. Aber „Demokratie lebt auch davon, dass es konstruktive Oppositionsarbeit gibt“, sagte Lösekrug-Möller gestern im Dewezet-Interview, und zu der sei sie bereit. Sie gehe davon aus, dass Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik ihre Schwerpunkte bleiben in einer Bundestagsfraktion, die jetzt wesentlich kleiner ist und in der weniger Leute letztlich die gleiche Arbeit machen müssten. Die hohen Verluste an Wählerstimmen (minus 23 000) wertete die Sozialdemokratin vor dem Hintergrund der niedrigeren Wahlbeteiligung (72,53 Prozent). „Es ist uns nicht gelungen, die Wähler zu mobilisieren“, so die Hessisch Oldendorferin, und dass ihre Partei per Zweitstimme abgestraft wurde, liegt ihrer Einschätzung nach daran, dass sich „viele als Verlierer fühlen“ und mit der Politik der Agenda 2010 nicht zufrieden seien. Eine abschließende Analyse wolle sie jedoch noch nicht vornehmen.

Mit im Gepäck nach Berlin (gestern war Fraktionssitzung) hat Lösekrug-Möller ein in ihren Augen wichtiges Anliegen der Region: die Verkehrsanbindung, für die sie sich weiterhin stark machen werde. Für die Privatperson Lösekrug-Möller steht Urlaub in Meran an – nach zwölfwöchigem Wahlkampf, bei dem sie teilweise „nicht mehr einordnen konnte, welcher Wochentag war“.

Jutta Krellmann erfuhr gestern Morgen, dass auch sie bundespolitisch mitmischt. „Den ersten Termin habe ich auch schon“, so die Linke, die über Platz fünf auf der Landesliste als eine von sechs Linken aus Niedersachsen nach Berlin geht: 2. Oktober, Fraktionssitzung. Gänzlich unbekannt ist ihr das Umfeld nicht: Im Mai hat sie die verkehrspolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, Dorothee Menzner, drei Tage lang begleitet, „um reinzuschnuppern“. Auf ihre neuen Aufgaben freut sie sich offenkundig, will aber versuchen, parallel als Gewerkschaftssekretärin in Hameln-Pyrmont weiterzuarbeiten. Mit einer Vollzeitstelle werde das nicht machbar sein, so ihre Einschätzung, aber „vielleicht kann ich auf Teilzeit gehen“, überlegt sie.

Horst Schlämmer wurde auch gewählt

Bei der Frage, wie sie sich für ihren Wahlkreis stark machen will, bleibt Krellmann allgemein; sie wolle weiterhin die Interessen jener vertreten, die sonst keiner vertritt. Und was das Ziehen an einem Strang zusammen mit der SPD-Kandidatin im Sinne der Region anbelangt, sagt sie: „Ich bin immer bereit, zu reden – wir haben uns nicht verweigert“ mit Betonung auf „wir“, anspielend auf den kategorischen Ausschluss von Rot-Rot auf Bundesebene durch die SPD. Auch Lösekrug-Möller hat nichts gegen die Zusammenarbeit mit Krellmann: „Es ist gut, wenn das Weserbergland gut vertreten ist.“ Frau Krellmann müsse sich nur auf Inhalte konzentrieren, die hier relevant seien und nicht nur allgemein reden.

Nach ihrem Urlaub mit Familie in Florida geht für Martina Tigges-Friedrichs (FDP) das politische Leben als Kreistagsabgeordnete und im Rat Bad Pyrmont weiter. Auf Landesebene erhofft sie sich ein Vorwärtskommen, vielleicht durch Mitarbeit im Bezirksvorstand – so denn die Wahlen im Frühjahr entsprechendes nach sich zögen. Und Dr. Marcus Schaper von den Grünen hat sein Ziel fest im Blick – wenn die Partei so mitzieht, wie er es sich wünscht: „In vier Jahren bin ich wieder dabei!“ Pause nach dem Wahlkampf ist nicht drin, weil er seinen Urlaub eben dafür aufgebraucht habe. Nun werde wieder normal gearbeitet, daneben wolle er versuchen, sich als Politiker auf Landes- und Bundesebene zu profilieren.

Bleibt noch einer: der fiktive Bundestagskandidat Horst Schlämmer, alias Hape Kerkeling, der im Kino und Fernsehen mobilgemacht hatte. Einige der 4142 Wähler, die ungültige Stimmen abgaben, hatten die Liste um die „Horst-Schlämmer-Partei“ ergänzt und angekreuzt…




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