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Vor Gericht: Staatsanwalt fordert sechs und sechseinhalb Jahre Haft / Urteile am Mittwoch erwartet

Zwei Räuber gestehen Überfall auf das E-Center

Bückeburg (ly). Knapp zehn Monate nach einem bewaffneten Raubüberfall auf das E-Center an der Wilhelm-Raabe-Straße haben gestern zwei Männer aus Bad Pyrmont und Extertal vor dem Landgericht Geständnisse abgelegt. Außerdem gaben die früheren Arbeitskollegen eine ähnliche Tat in Bad Pyrmont zu. Als Motiv gilt Geldnot. Vor allem der jüngere Mann (27), ein Familienvater mit zwei Kindern, hatte sich offenbar finanziell übernommen.

Mittwoch verkündet die 1. Große Strafkammer ihre Urteile. Staatsanwalt Dr. Markus Schreiber hat sechs beziehungsweise sechseinhalb Jahre Haft gefordert. In Bückeburg hatte der eine Räuber drei Tage vor Heiligabend 2007 mehr als 28 000 Euro erbeutet, in einem Bad Pyrmonter E-Center der andere Täter (51) fast 35 000 Euro. Der Komplize wartete jeweils vorm Markt. "Wie kommt es dazu, dass ein unbescholtener junger Mann mit der Waffe in der Hand in ein E-Center geht?", fragte die Vorsitzende Richterin Dr. Birgit Brüninghaus den jüngeren Angeklagten. Antwort: "Ich hatte ein Haus gekauft und voll finanziert, außerdem ein Auto. Rechnungen habe ich bezahlt, indem ich andere nicht bezahlte. Irgendwann ging's nicht mehr." Nach eigenen Angaben hatte der 27-Jährige neben seiner Anstellung noch einen Nebenjob undarbeitete im Monat bis zu 300 Stunden. Trotzdem soll das Geld nicht gereicht haben. Ähnliche Probleme will der ältere Angeklagte gehabt haben. "Ich habe mehrere Wochen im Koma gelegen und war ein Jahr arbeitsunfähig", erklärte er. Als die Ehefrau schwer erkrankt sei, "wollte ich nicht, dass sie sich noch mehr Sorgen macht". So reifte der Plan zu Raubüberfällen. Den Geständnissen zufolge betrat der 51-Jährige den Bad Pyrmonter Markt am 2. August 2007 kurz vor Geschäftsschluss, bezog ein Versteck und wartete, bis die Türen geschlossen wurden. Dann forderte der Maskierte mit vorgehaltener Pistole, einer scharfen, aber nicht geladenen Luger M 90, von der Kassenaufsicht die Tageseinnahmen. Vor dem E-Center wartete der Komplize mit einem geliehenen Motorrad. "In Bückeburg haben wir die Aufgabenverteilung geändert", berichtete der jüngere Mann. Diesmal ging der 27-Jährige in den Markt, wo um 19.55 Uhr noch Kundenverkehr herrschte, und steuerte direkt das Kassenbüro an. Eine Angestellte behauptete, keinen Tresorschlüssel zu haben, worauf der Marktleitergerufen wurde. Exakt 28 464,95 Euro ließ sich der maskierte Räuber in einen Leinenbeutel stopfen, bevor er die Flucht ergriff. In beiden Fällen haben die Angeklagten den Schaden ausgeglichen. Dafür mussten unter anderem Autos und ein Bausparvertrag dran glauben. Wert legen die Männer auf die Feststellung, dass keine Menschen verletzt werden sollten - deshalb die ungeladene Waffe. Nach demÜberfall in Bückeburg hatte der 51-Jährige seinen Mittäter zu dessen Auto gebracht, bevor er in Rinteln von der Polizei gefasst, am nächsten Tag aber wieder freigelassen wurde. Bei sich hatte er scharfe Patronen und einen Schreckschussrevolver, nicht die Beute. Dennoch war es bloß eine Frage der Zeit, bis beide ermittelt wurden.




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