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Zwei für den Frieden

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Springe. Mit einem sogenannten Dialogprozess will Regionspräsident Hauke Jagau die verhärteten Fronten im Krankenhaus-Streit aufbrechen. Eine Schlüsselrolle soll dabei zwei Ombudsleuten zufallen, die gestern in Hannover vorgestellt wurden: der ehemalige Springer Ratsherr Prof. Horst Callies und Dr. Dietrich Storp, langjähriger Chefarzt im Agnes-Karll-Klinikum Laatzen.

Mit Callies habe man „eine vor Ort bekannte und anerkannte Persönlichkeit“ gewinnen können, unterstrich Jagau und fügte hinzu: „Wir gehen davon aus, dass diese Personalentscheidung in Springe hohe Akzeptanz findet.“ Der frühere Universitätslehrer bringe nicht nur aus seinem Berufsleben eine große Erfahrung und Unabhängigkeit mit, sondern sei dem Krankenhaus Springe auch als Mitglied des Fördervereins verbunden.

Storp – seit 2013 im Ruhestand – ist in Springe zwar ein weithin Unbekannter. Als Mediziner sind ihm laut Jagau aber die fachlichen Gegebenheiten vertraut. Zudem bringe er eine Mediatorenausbildung mit. Beide zusammen bildeten ein „gutes Tandem, mit dem wir loslegen können“, so der Regionspräsident.

Was wird von den Mediatoren erwartet?

Als Ombudsmänner sollen sie die Aufgabe unparteiischer Schiedspersonen übernehmen Der namensgebende Begriff Ombud ist abgeleitet von altnordisch umboð, was so viel wie Auftrag oder Vollmacht heißt. Callies und Storp müssen in die Rolle neutraler Vermittler schlüpfen, wenn im März ein Runder Tisch seine Arbeit aufnimmt.

Er wolle nicht verlängerter Arm der Beteiligten sein, machte Callies deutlich, sondern sehe seine vorrangige Aufgabe darin, einen von möglichst vielen Menschen akzeptierten Konsens herbeizuführen. „Menschen in Springe, die sich tatsächlich oder vermeintlich im bisherigen Prozess nicht richtig mitgenommen gefühlt haben“, verdeutlichte er. „Ich hoffe am Ende auf eine Lösung, die einen Großteil der Betroffenen zufriedenstellt“, ergänzte Storp.

Welche Aufgabe hat der Runde Tisch?

Der Runde Tisch ist das zentrale Instrument des von Jagau versprochenen Dialogprozesses. Das Gremium soll vor allem eine Antwort auf die Frage finden, wie die künftige Gesundheitsversorgung Springes aussehen soll und was aus der Krankenhaus-Immobilie wird. Für die Nachnutzung bleibe die Idee einer sogenannten Portalklinik erste Wahl, sagt Jagau. Man werde aber auch über Alternativen sprechen. Klären soll der Runde Tisch überdies, wie die zugesagte 24-Stunden-Notfallversorgung gewährleistet werden kann.

Dem Gremium werden etwa 20 Vertreter unterschiedlicher Interessengruppen angehören. Zu ihnen zählen niedergelassene Ärzte, Krankenkassen, DRK, Krankenhaus-Förderverein und nicht zuletzt Bürgermeister und Ratspolitiker.

Interessant: Auch ein Vertreter der Arbeiterwohlfahrt Gesundheitsdienste soll dabei sein – jener Gesellschaft, die die mündersche Deister-Süntel-Klinik betreibt. Man werde die Möglichkeit einer Kooperation, etwa bei der Notfallversorgung, prüfen“, sagt Barbara Schulte, die Geschäftsführerin des Regionsklinikums (KRH) auf Nachfrage.

Mit der Moderation des Runden Tisches wurde ein Beratungsunternehmen beauftragt, das gleichzeitig Callies und Storp bei deren Arbeit unterstützen soll. Nach der dritten oder vierten Sitzung des Runden Tisches ist eine erste Bürgerinformationsveranstaltung geplant – vermutlich im April. Eine zweite soll Jagau und Schulte zufolge am Ende des Dialogprozesses folgen. Ob und auf welche Weise die Bürgerinnen und Bürger auch in der Zwischenzeit über die Entwicklung und den Stand der Diskussionen informiert werden – das ist noch offen.

Wie lange bleibt das Springer Krankenhaus noch in Betrieb und was wird aus den Mitarbeitern?

Einen genauen Zeitpunkt für die Schließung gibt es noch immer nicht. „Im Verlauf dieses Jahres“, heißt es nach wie vor aufseiten der Verantwortlichen. Abhängig sei dies auch davon, wie schnell der Runde Tisch Antworten auf die offenen Fragen findet. Bis spätestens Ende des ersten Halbjahres 2015 – so die Erwartung der Region Hannover und der KRH – sollen die Ergebnisse des Gesamtprozesses vorliegen.

Auch die Inbetriebnahme des Bettenhaus-Anbaus am Robert-Koch-Krankenhaus Gehrden spielt eine Rolle. Dort muss schließlich Platz für die Aufnahme von Patienten aus Springe geschaffen werden.

Die mit der „Medizinstrategie 2020“ bezweckten Einsparungen sollen auch durch Personalabbau erreicht werden. „Aber ausschließlich sozialverträglich“, wie Geschäftsführerin Schulte gestern nochmals bekräftigte. Kündigungen soll es nicht geben, man wolle stattdessen die natürliche Fluktuation nutzen und vorzeitige Ruhestandsregelungen anbieten.

Um den Betrieb in Springe aufrechterhalten zu können, werde hier schon heute teilweise Personal aus Gehrden eingesetzt. Am Standort gibt es derzeit insgesamt 124 Vollzeitstellen, davon 21 im ärztlichen und 54 im Pflegebereich. Der Rest entfällt größtenteils auf Verwaltung, Logistik und Gebäudemanagement.



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