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Israel zwischen Tradition und Tourismus – auf den Spuren des Mythos vom „Heiligen Land“

Zurück zu den Wurzeln der eigenen Kultur

Fast alles ist erlaubt in Köln und Jerusalem. Es wird getrunken, geküsst, getanzt und gelacht. Wenn es ums Feiern geht, zeigen sich die beiden heiligen Städte an Rhein und Ölberg von ihrer ausgelassensten und farbenfrohesten Seite. Nur die Anlässe sind verschieden. Denn während es beim Karneval darum geht, der bevorstehenden Fastenzeit ein Schnippchen zu schlagen, ist es beim Purimfest die Erinnerung an die trickreiche Errettung der jüdischen Gemeinde vor den politischen Machenschaften am persischen Hof.

Der älteste islamische Sakralbau ist der Felsendom in Jerusalem. Er befindet sich auf dem Tempelberg.

Autor:

Dr. Bernd Kregel

Ein Ereignis, das fast ebenso tief in der Volksseele verankert ist wie die Befreiung von ägyptischer Fronarbeit vor mehr als dreitausend Jahren. Fluchtpunkt war damals das „Gelobte Land“ mit der späteren „Stadt Davids“, deren sprichwörtliche Schönheit alles andere überragte. Kein Wunder, dass man diese Stadt zum Mittelpunkt der Welt erklärte oder zum Mythos vom „Himmlischen Jerusalem“ hochstilisierte. Treffpunkt aller gläubigen Juden ist heute die Klagemauer, der repräsentative Rest des kurz vor der Zeitenwende errichteten und von den Römern sogleich wieder zerstörten Herodianischen Tempels.

Spuren hat auch die christliche Vergangenheit hinterlassen. Unübersehbar die Kreuzesstationen der „Via Dolorosa“, an deren Ausgangspunkt in der Burg Antonia sich einst Pontius Pilatus seine Hände in Unschuld wusch. Die schmale Straße führt durch die verwinkelte Altstadt hinauf zum Hügel Golgatha, über dem sich seit Kaiser Konstantins Zeiten die Kuppel der Grabeskirche wölbt, in der am Ostersonntag die Auferstehung Christi gefeiert wird.

Auch die muslimische Tradition ist hier fest verankert. In den Straßen und Gässchen des muslimischen Viertels, in denen sich auf Märkten und in kleinen Läden orientalisches Flair wie kaum sonst irgendwo entfaltet. Eine Erinnerung an jene Zeit, als Saladin die von den Kreuzfahrern beherrschte Stadt zurückeroberte und ihr ihre muslimische Ausprägung verlieh. Augenfälligstes Symbol islamischer Herrschaft jedoch ist der Felsendom. Seine goldene Kuppel wölbt sich über die Felskuppe des Berges Morija, auf der muslimische Frömmigkeit die Himmelfahrt des Propheten Mohammed lokalisiert.

Das gehört zu Israel: das innige Gebet an der Klagemauer und der Badespaß im Toten Meer.
  • Das gehört zu Israel: das innige Gebet an der Klagemauer und der Badespaß im Toten Meer.
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Israel ist jedoch weit mehr als Jerusalem. So liegt es nahe, auch seiner Heimatstadt Nazareth im nördlichen Galiläa einen Besuch abzustatten. In Anspielung auf die alttestamentliche Verheißung wölbt sich hier eine moderne Kirchenkuppel wie eine riesige Blüte über die zentrale Gedenkstätte. Von hier aus machte sich Jesus auf den Weg zum See Genezareth, wo er auf dem „Berg der Seligpreisungen“ am Nordufer des Sees seine berühmte Bergpredigt hielt.

Ganz anders die von pulsierendem Leben erfüllten Küstenstädte Haifa und Tel Aviv. Besonders dynamisch und kosmopolitisch präsentiert sich Tel Aviv, das Geschäftszentrum des Landes. Vor gerade einmal 100 Jahren nördlich von Jaffo unter schwierigsten Bedingungen auf Sanddünen erbaut, fehlt es hier heute an nichts. Es gibt Märkte und Boutiquen, Straßencafés und Parks, die zum Schlendern und zum Stöbern einladen. Dazu einen verführerischen Strand zu Füßen der imposanten Wolkenkratzerkulisse.

Und doch wäre das Heilige Land Israel unvollständig beschrieben ohne seine Wüste im Süden. Auf den ersten Blick ein Niemandsland, ist sie ein Anziehungspunkt von geradezu unglaublichem Reiz. Im Zentrum dieses Interesses steht das Tote Meer. Mit 400 Metern unter dem Meeresspiegel ist es der geografisch tiefstgelegene Ort der Erde. Und mit einer Salzkonzentration von 15 Prozent zugleich ein Gesundbrunnen, dessen heilende Eigenschaften seit Jahrtausenden bekannt sind.

Ein weiterer Höhepunkt ist die Felsenfestung Masada, von deren Plateau aus am frühen Morgen die absolute Stille der Wüste zu genießen ist. Die Festung mit ihrem Herodes-Palast steht symbolisch für jüdische Tapferkeit und militärisches Durchhaltevermögen. Denn hier oben verschanzten sich einst die Aufständischen gegen die römische Besatzungsmacht, um dann in aussichtsloser Lage dem eigenen Leben ein Ende zu setzen. Faszinierend und rätselhaft zugleich auch die Reste der Siedlung von Qumran, in deren Felshöhlen die berühmten Schriftrollen vom Toten Meer fast zweitausend Jahre lang unentdeckt blieben.

Vor allem jedoch lebt die Spurensuche im „Heiligen Land“ von den Begegnungen mit seinen Bewohnern. Zum Beispiel mit Mohammed, dem jungen Palästinenser aus Jericho, der an den steinernen Zeugnissen der „ältesten Stadt der Welt“ seine Gedanken über ein zukünftiges Miteinander der unterschiedlichen Volksgruppen preisgibt. Oder mit Avraham, dem „jüdischen Patrioten“, der als Mitglied der Friedensbewegung „The Parents Circle“ in den Schulen des Landes für eine vorurteilsfreie Sichtweise wirbt.

Die jedoch ist häufig nicht mehr als ein frommer Wunsch. Und doch gibt es immer wieder Zeichen der Hoffnung. So wie in Beit Jala, einem Ort in der Nähe von Bethlehem, wo sich Christen in dem Rehabilitationszentrum „Lifegate“ für die Betreuung und Förderung körperlich behinderter palästinensischer Kinder einsetzen. Ein soziales Engagement, in dem sich christliche Kultur von ihrer besten Seite zeigt.

Weitere Informationen: Staatliches Israelisches Verkehrsbüro, Friedrichstraße 95 in 10117 Berlin. Auskunft im Internet: www. goisrael.de; E-Mail: info@goisrael.de, Tel. 030-2039970.



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