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Zum Tanzen in die Tivolistraße

SPRINGE. Es war die Zeit, während der ein Fernseher noch eine Sensation war, das Kino nahezu wöchentlich besucht wurde – in Springe – und ein Glas Apfelsaft für 50 Pfennige zu haben war: Es war die Zeit der Kindheit und Jugend, die Monika Pfeiffer (70), geborene Jay, in Springe verbracht hat.

Heute ein Hotel: In diesem Gebäude am Niederntor war noch vor einigen Jahrzehnten ein Kino zu finden. FOTO: MISCHER
Mischer

Autor

Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

„Wir waren damals sehr, sehr viele Kinder“, erinnert sich Pfeiffer. Langweilig sei ihr nie geworden: „Wir haben Volleyball gespielt, oder mit den Murmeln“ – für Letzteres sei auch schon mal kurzerhand ein Loch in die Hecken gemacht worden. Oder die Kinder kühlten sich mit einem Sprung in den Bach ab. „Das war eine Mutprobe – und manchmal sind wir auch reingefallen; dann waren wir total nass. Das gab Ärger.“

Auch im Haus passierten spannende Dinge. „Im Winter bildeten sich Eisblumen am Fenster“, blickt Pfeiffer auf ihre Kinder- und Jugendzeit zurück, während derer sich das Familienleben in der Wohnküche abspielte, „das Wohnzimmer wurde nur sonntags genutzt“. Zum Einkaufen ging es zum Kaufmann an der Reichspräsident-Ebert-Straße in Springe. „Wenn man ganz lieb war, durfte man auch einen Lutscher kaufen.“ In der Nachkriegszeit war die Not groß – und auch kleine Dinge bereiteten den Kindern eine Freude.

Irgendwann dann, erinnert sich die 70-Jährige, hatten die Nachbarn einen Fernseher. „Wir durften jeden Abend dort das Vorabendprogramm sehen.“ Pfeiffer erinnert sich noch besonders an die Serie „Abenteuer unter Wasser“ mit dem amerikanischen Schauspieler Lloyd Bridges. „Danach gab es Abendbrot und dann ging es ab ins Bett.“

Regelmäßig standen auch Besuche im Kino auf dem Programm. „Das war im ehemaligen Hotel Friese“ – am Niederntor. Und im Ratskeller, da habe es auch ein Kino gegeben.

Als sie älter wurde und ihren ersten Freund hatte, war der Volkspark ein beliebter Treffpunkt für ein „Têtè à Têtè“: Einfach so Hand in Hand durch die Stadt zu gehen, war damals schwierig, „dann kam man gleich ins Gerede“.

Und am Wochenende war Tanzen angesagt. Etwa im Schulzenkrug an der Tivolistraße. Dort bestellte sie dann eben jenen Apfelsaft, „daran habe ich mich den ganzen Abend festgehalten“, um Punkt Mitternacht stand stets ihr Großvater vor der Tür und holte sie zurück mit den Worten: „Aber ab nach Hause...“ Getanzt wurde auch im Hotel Gröne in der Bahnhofstraße, das über einen großen Saal mit einer Tanzfläche verfügte.

Eine große Rolle spielte in der Familie stets auch der Gesang. „Wenn Feiern waren, haben wir gesungen.“ Den Text eines alten Deisterliedes hat Pfeiffer vor kurzer Zeit wiederentdeckt:

Wenn die Blitze zucken/ und der Donner kracht/ und der Regen, der hat alles nass gemacht / Ja, dann ist es auf dem Deister so herrlich, so schön.

Wenn der Hirschbock über / Tal und Hügel springet / und das Deistermädel frohe Lieder singet / Ja, dann ist es auf dem Deister, so herrlich schön.

Kommt ein Wandersmannn / wohl an des Deisters Tür / ruft das Deistermädel / komm und schlaf bei mir / Ja, dann ist es auf dem Deister so herrlich, so schöön.



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