weather-image
30°
Gruppe WIR/Grüne wollen Personenzüge fahren lassen / Erster Schritt soll Streckenbegehung sein

"Zugauto" als Zukunftsvision für RStV-Strecke

Landkreis (crs). Dem wirtschaftlichen Abwärtstrend beim Güterverkehr zum Trotz: Die Gruppe Grüne/WIR im Kreistag will die Strecke der "Rinteln Stadthagener Verkehrs GmbH" (RStV) auch über 2009 hinaus erhalten. Erklärte Zukunftsvision: Zwischen Rinteln und Stadthagen sollen nach Möglichkeit Personenzüge fahren. Erster Schritt zur Realisierung dieser Absicht soll eine Streckenbegehung mit fundierter Bestandsaufnahme sein. Das ist das Ergebnis einer öffentlichen Sitzung vom Montagabend.

Personennahverkehr als Attraktion: Die Dampfeisenbahn Weserbergl

"Wir haben diese Eisenbahn-Strecke, wir müssen uns jetzt fragen, was damit geschieht", formulierte Michael Dombrowski (Grüne) als Moderator des Arbeitstreffens vorsichtig eine "Perspektive, vielleicht wieder eine Eisenbahn fahren zu lassen?" Die Zeit drängt: Im Jahr 2009 wollen die Gesellschafter des neuen Infrastrukturunternehmens - die Städte Rinteln, Obernkirchen und Stadthagen sowie der Landkreis - letztmalig einen Verlustausgleich akzeptieren. Bis dahin wird die Strecke zwischen Rinteln und Stadthagen durch eine reine Gleisgesellschaft ohne eigenen Bahnbetrieb verkehrssicher erhalten, kann von jeder Bahngesellschaft genutzt werden. Auch die Dampfeisenbahn Weserbergland (DEW) wird bis Ende 2009 auf der Strecke fahren. Mögliche technische Hürden für einen regelmäßigen Personennahverkehr auf der Schiene schilderte Knut Utech, ÖPNV-Experte des Landkreises, der bereits die Verhandlungen mit der RStV federführend begleitet hatte. So seien Bahn- und Sicherungsanlagen derzeit auf eine Höchstgeschwindigkeit von 40 Stundenkilometern ausgelegt. Für einen attraktiven Personenverkehr sei einer Studie der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) zufolge jedoch eine deutlich höhere Geschwindigkeit von bis zu 80 Stundenkilometern erforderlich. Außerdem müssten auf der eingleisigen Strecke vermutlich zwei Begegnungsstellen und mehrere beschrankte Bahnübergänge eingerichtet werden, schilderte Utech nötige Investitionen in die Infrastruktur. Überschlägige Kosten: rund 6 Millionen Euro. Wie dies finanziert werden soll, darüber wurde nicht diskutiert. Als "unglaublich wünschenswert" bezeichnete es Ernst Lenk (Grüne), auf der RStV-Strecke Personenzüge fahren zu lassen. "Die Zeiten laufen auf die Bahn zu", mahnte der auch bei der DEW aktive Lenk, die Gleise in funktionsfähiger Form zu erhalten und nicht durch Rückbau oder Verkauf von Bahnhofsgelände unwiderrufliche Fakten zu schaffen: "Wenn wir alles weg haben, wird's schwierig." Ähnlich argumentierten Richard Wilmers (WIR-Ratsherr in Stadthagen) und Prof. Konrad Bögel (WIR-Ratsherr in Obernkirchen), der sich besonders dafür einsetzte, auch das Personal zu halten. Thomas Stübke, Grünen-Ratsherr in Obernkirchen, forderte eine "belastbare Untersuchung für die Trasse", als haltbare Grundlage für politische Diskussionen. Stübke regte außerdem die Einbindung möglicher weiterer Gesellschafter-Kommunen wie Eilsen oder Nienstädt an. Bereits ein detailliertes Konzept für einen Personenverkehr zwischen Obernkirchen und Stadthagen ausgearbeitet hat der Obernkirchener Peter Schultz, der schon seit Jahren für den Erhalt der Gleise kämpft. "ZAU" heißt sein Zauberwort, ein "Zugauto", das bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern bei fünf Zwischenstationen etwa 20 Minuten pro Strecke brauchen würde. Auch den Kontakt zu einem Bahnsicherheits-Experten hat Schultz bereits hergestellt, der zur Begehung der Strecke kommen könnte. Und das soll, da war sich die Runde aus Grünen- und WIR-Vertretern einig, der erste Schritt sein.

Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare