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Zu schade zum Abbrennen

Rinteln (who). Nicht selten haben Fundstücke eine weite Reise und eine Reihe von Besitzerwechseln hinter sich, bevor sie für längere Zeit oder endgültig ans Ziel kommen und bei jemandem landen, der ihren Wert schätzt. Für diese noble Kerze und ihren Untersetzer aus massivem Messing-Sandguss trifft das sicherlich zu. Der Rintelner Hobby-Historiker und Sammler Uwe Kurt Stade hat das Fundstück-Paar auf dem Flohmarkt auf den Düsseldorfer Rheinterrassen entdeckt und mit nach Hause gebracht in seinen Wahlheimatort an der Weser.

Zu einem echten Sammlerstück gehört natürlich eine individuelle Geschichte, auch wenn sie nur bruchstückhaft ist. „Junge Leute mit Eltern aus Hamburg haben es mir verkauft“, erzählt Stade. Und dass die Kerze ursprünglich aus der Hansestadt Hamburg stammt, bezeugt der Original-Aufkleber des Ladens, in dem sie (gefühlt) Ende der 1950er Jahre zum ersten Mal den Besitzer gewechselt hat.

Uwe Kurt Stade, der selber hanseatisches Blut in den Adern hat: „Ich habe ähnliche Dinge persönlich früher in Hamburg gesehen.“ Dieses spezielle Ding stellt sich zumindest beim zweiten Blick als ein stilisiertes Segelschiff dar, genauer gesagt als eine Hanse-Kogge. Die Hanse war eine große mittelalterliche Kaufmannsorganisation, die über zahlreiche Stützpunkte, die privilegierten Hansestädte, über Jahrhunderte den Handel in ganz Norddeutschland und im Nord-/Ostseeraum bis hinauf ins Baltikum kontrollierte.

Die beiden Teile unseres Fundstücks – stilisiertes Segel und Schiffskörper im gleichen Design – ergeben in ihrer Einheit eine Kogge. Die Falten des Segels (der Kerze) heben ihre Entsprechung in den Linien des behäbigen Schiffskörpers der Kogge (beziehungsweise des Untersetzers). Beides ist so aufwendig gestaltet, dass es sich geradezu verbietet, die Kerze niederbrennen zu lassen. Bei genauer Untersuchung stellt sich dazu noch heraus, dass das „Segel“ höchst wahrscheinlich in noch warmem Zustand aus zwei in unterschiedlich gefärbten Teilen zusammengesetzt worden sein muss. - Zu schade also, um für einige vergängliche schöne Momente geopfert zu werden…




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