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Bundeswehrverband will Verbesserungen

Zu hohe Belastung durch Einsätze im Ausland

Bückeburg (rc). Der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, Oberstleutnant Ulrich Kirsch, hat eine bessere Bezahlung und eine Erhöhung der Attraktivität des Dienstes angemahnt. Insbesondere bei der Vereinbarkeit von Dienst und Familie gebe es "immensen Nachholbedarf", sagte der gewählte Vertreter von 21 000 Bundeswehrsoldaten, davon 1000 am Standort Bückeburg, nach einem zweitägigen Informationsbesuch der Heeresfliegerwaffenschule.

Ulrich Kirsch

Papiermäßig sei zu dem Thema alles verarbeitet, sagte Kirsch, aber: "Es fehlt an Geld, um gute Rahmenbedingungen zu schaffen." Als ein Beispiel nannte er Kindergartenplätze für die Kinder der Soldaten, sei es in den kommunalen Einrichtungen, aber auch in Betriebskindergärten, damit diese Soldaten jederzeit ihren Dienst schieben können. "Wenn uns das nicht gelingt, wird sich die Bundeswehr mit der Gewinnung von neuem, qualifizierten Nachwuchs schwertun." Im Hinblick auf Kündigungen etwa von Hubschrauberpiloten sagte der Verbandsvertreter, dass die Einsatzzeiten speziell bei Auslandseinsätzen eingehalten werden müssten: nach viermonatigem Einsatz müssen 18 Monate einsatzfreie Zeit folgen. Bei den Heeresfliegern werde diese Regelung nicht eingehalten, räumte auch der Stellvertreter des Generals, Oberst Hans-Heinrich Heidmann, ein. Damit die Einsatzzeiten wenigstens halbwegs eingehalten werden können, seien die Heeresflieger inzwischen dazu übergegangen, die Auslandseinsätze auf ein bis zwei Monate zu verkürzen, dafür aber die Soldaten häufiger in Krisengebiete zu schicken. 8000 deutsche Soldaten sind derzeit weltweit in Krisengebieten stationiert. Eines dieser Krisengebiete schnitt Oberstleutnant Kirsch in dem Pressegespräch an: Afghanistan. "Dies ist ein gefährlicher Einsatz, wo Tod oder Verwundung ein Teil der Realität sind, der sich Soldaten zu stellen haben." Es sei "ein mutiger Entschluss", sich etwa als Pilot einem solchen Einsatz zu stellen. "Es ist natürlich sein Beruf, aber es ist niemandem zu verdenken, wenn er sich einen ungefährlicheren sucht." An die Bundespolitik gewandt sagte Kirsch, dass die Lage im Norden Afghanistans "schön gefärbt" werde. "Es ist allerhöchste Zeit, der deutschen Öffentlichkeit klar zu machen, dass dies ein gefährlicher Einsatz ist." Generell müsse der Einsatz der Bundeswehr begrenzt und bei jeder Mandatierung durch das Parlament auch die Ausrichtung der zivilen Aufgaben debattiert und mit mandatiert werden. "Die Bundeswehr kann keine Nationen aufbauen." Die Gespräche nutzten die Soldaten, um ein weiteres Problem anzuschneiden: Den Heeresfliegern fehlt es an Personal. "Die Ausstattung im personellen Bereich ist so eng gestrickt, das wir an die Decke stoßen", formulierte es Kirsch. Ein Kompaniefeldwebel etwa müsse soviel Zeit am Computer verbringen, dass kaum noch Zeit für seine Soldaten bleibe. Hier müssten zusätzliche Feldwebelstellen für Verwaltungsarbeiten eingerichtet werden. Über seine Eindrücke des Info-Besuchs geriet der Oberstleutnant regelrecht ins Schwärmen. "Ein toller Standort. Hier wird die Zukunft der Streitkräfte und die Bedeutung der Luftbeweglichkeit deutlich."



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