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Eine Gartenreise durch das Land zwischen den Meeren – Schleswig-Holstein

Zu Gast bei Schneeweißchen und Rosenrot

Schleswig-Holstein. Denkt man an Schleswig-Holstein, schmuggeln sich sofort Nord- und Ostseestrände, Wind und Wellen in den Sinn. Doch auch das Land zwischen den Meeren hat einiges zu bieten. Parks und Gärten zum Beispiel, reich bestückt mit blühendem Flor und grüner Seele.

Autor:

Andrea Gerstenberger

In Neumünster steht die Villa Wachholtz. Das Jugendstilgebäude an der Brachenfelder Straße gehört zu den herausragenden Villenarchitekturen der Stadt. 1924/25 wurde von dem Lübecker Gartenarchitekten Harry Maasz im Norden und Westen der Villa Wachholtz ein etwa 2,5 Hektar großer Landhausgarten im Stil eines Reformgartens angelegt. 2006/07 wurde er sorgfältig restrukturiert und steht seitdem unter Denkmalschutz. Heute präsentiert er sich seinen Besuchern im idyllischen Tal an der Schwale als Gartenkunstwerk des frühen 20. Jahrhunderts mit eingewachsenen Wasserflächen, Bächen, Inseln und Hainen und beherbergt, harmonisch eingebettet, die Skulpturensammlung international bekannter Künstler des Stifterehepaares Brigitte und Herbert Gerisch.

Der Park lädt zum Ruhe schöpfenden Genießen ein. An schönen Flecken sind hier und da Bänke, Stühle, Sessel und Liegen aufgestellt. So öffnet sich die Landschaft zu immer wieder neuen Blicken aus wechselnden Perspektiven. Die Kunstwerke stehen in engem Dialog mit der Natur, wie die „Kissing Birds“ von Menashe Kadishman aus Tel Aviv, die über der Rasenfläche zu flattern scheinen. Auf einer Lichtung steht, von fast überall aus dem Garten sichtbar, die Figurengruppe der „Kopflos Schreitenden“ von der polnischen Künstlerin Magdalena Abakanowicz.

Holm liegt unter alten Bäumen an der Schlei

Rund 70 Kilometer weiter nördlich, in Sichtweite des Schleswiger Doms und unweit des Hafens, liegt die alte Fischersiedlung Holm und dort unter alten Bäumen an der Schlei das St.-Johannis-Kloster, das 1194 von Benediktinern gegründet wurde. Noch heute ist das historische Ensemble ein Ort der Einkehr und Kontemplation. Der Bibelgarten, angelegt in der typischen Form eines Klostergartens und umgeben von hohen Hecken, bietet eine Reise in die Pflanzenwelt der Bibel, der Klöster und der christlichen Legenden. Der Garten erzählt von Wein und Wermut, Judasbaum und Jakobsleiter und der biblischen Bedeutung der Alraune, des Ölbaumes und der Lilie. Ein Olivenbaum hat in den vergangenen zehn Jahren in dem geschützten Kleinklima eine beachtliche Größe erreicht.

3 Bilder

Wer Gretchen Bartel in Angeln, der Landschaft nördlich der Schlei, in Wagersrott bei Süderbrarup auf dem Holländerhof besucht, macht nicht nur eine Zeitreise, sondern befindet sich auch inmitten einer Fernsehkulisse. In der ZDF-Fernsehserie „Der Landarzt“ wohnte hier über 25 Jahre lang der Kräuterdoktor Hinnerksen und zwar genau so, wie Familie Bartel auch heute noch lebt. Auf dem Holländerhof, auf dem mit 70 Kühen in Weidewirtschaft Milch produziert wird, können ein Bauerngarten und eine volkskundliche Sammlung zur Hof- und Hauswirtschaft besichtigt werden. Eine Lindenallee säumt die kopfsteingepflasterte Auffahrt zum Holländerhof und führt auf die üppig mit Blumen geschmückte Haustür.

Der Garten wurde in seiner heutigen Form 1959 von der jetzigen Eigentümerin und ihrer Mutter als Staudengarten angelegt. Traditionell gab es früher in jedem Bauerngarten der Region die Rosensorten Schneeweißchen (Rosa alba ’Maxima‘) und Rosenrot (Rosa centifolia ’Major‘). Gretchen Bartel hat im ehemaligen Gemüsegarten eine Rosensammlung, die über 100 historische Rosensorten aus Bauerngärten Angelns umfasst. Die Rasenfläche hintern Haus wird von bunten Staudenbeeten eingefasst. Im Rasen steht in einem Buchsbaumrondell eine Blutbuche, Angelns Hausbaum.

Der Blick schweift aus dem Garten unwillkürlich in die Ferne, wo sich die sanften Hügel, der von Knicks (die in Angeln „Wälle“ genannt werden) durchzogene offene Landschaft bis an die Schlei ziehen. Angeln wird zurecht auch der Garten Gottes genannt. Von hier wanderten die Angelsachsen, denen man einen grünen Daumen nachsagte, nach England aus. Der Besuch des Gartens ist für Rosenfreunde besonders interessant, da die Sträucher sehr sorgfältig beschildert sind. Die 79-jährige Gretchen Bartel bietet nach Voranmeldung Führungen durch Garten und Museum an. Ihr Fachwissen, gepaart mit Witz und Charme „op platt“ oder hochdeutsch, machen den Besuch des Holländerhofs unvergesslich.

Gerisch-Skulpturenpark Neumünster, Brachenfelder Straße 69, Öffnungszeiten mittwochs bis sonntags 11 bis 18 Uhr, Internet: www.gerisch-stiftung.de

Bibelgarten Kloster St.-Johannis, Am St.-Johanniskloster 4, 24837 Schleswig, ganzjährig frei zugänglich

Holländerhof Gretchen Bartel, 24392 Wagersrott, -Nummer 0 46 41 / 22 92, Öffnungszeiten im Sommer montags 14 bis 16 Uhr, ansonsten nach Vereinbarung

Das Kunstwerk „Kopflos Schreitende“ von der polnischen Künstlerin Magdalena Abakanowicz im Skulpturengarten Gerisch in Neumünster.

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ñ Typisch Anglerer Rose Schneeweißchen (Rosa alba ’Maxima‘), dahinter eine fast 50 Jahre alte Kletterrose „Sympathie von Kordes“ im Garten von Gretchen

Bartel.

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Verträumt: Der Bibelgarten St.-Johannis-Kloster Schleswig




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