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Zu Besuch im Tonstudio

Bad Münder. Helmut Kronshage hat viel zu tun, für zwei Nachwuchs-Künstler komponiert er aktuell Songs, jüngst kam auch noch eine Anfrage von Roland Kaiser hinzu, der gute Texte für sein neues Album braucht, das in diesem Jahr erscheinen soll. Trotz der vielen Arbeit hat sich der 60-jährige Komponist Zeit für ein Gespräch genommen. NDZ-Redakteurin Mira Colic war zu Besuch im Tonstudio.

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In der münderschen Kernstadt hat sich Kronshage auf 80 Quadratmetern eingerichtet, hier wohnt und arbeitet er seit fünf Jahren. Und arbeiten tut er eigentlich immer, selbst wenn es mit seinem Jack Russell Terrier Max spazieren geht, hat er sein Mobiltelefon dabei. „Falls mir eine Melodie einfällt, kann ich die schnell aufnehmen“, erklärt der gebürtige Oerlinghausener. Wenn er sein Handy mal vergessen hat, muss er mit Max schnell nach Hause, bevor die Idee weg ist. „Manchmal stehe ich auch mitten in der Nacht auf, weil ich einen Song im Kopf habe“, sagt Kronshage lachend.

Musik macht er seit seinem 13. Lebensjahr. Selbst brachte er sich das Schlagzeugspielen bei. Seitdem hat er in einer Band gespielt, eine eigene Gesangskarriere probiert („Die hatte leider nicht den erhofften Erfolg“), war Manager und Promoter – und ist seit vier Jahren auch Komponist und Texter. „Mein erstes von mir komponiertes Lied wurde direkt auf dem Grand Prix der Volksmusik 2010 gesungen“, erzählt er stolz. Der Titel lautet „Es kommt ja wieder so ein Sommer.“

Momentan arbeitet er an den Musikkarrieren von Isabell Hovell und Vivien Behr. Die 25-Jährige hat bei der letzten Staffel der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ mitgemacht, schied in der zweiten Runde allerdings aus. „Zum Glück“, ist Kronshage überzeugt. Zwar sei die Sendung gut, um die Teilnehmer bekannt zu machen, gleichzeitig verschaffe sie ihnen einen schlechten Ruf, „Image-Problem“ nennt es der 60-Jährige. Unter dem Künstlernamen Bunni will Behr jetzt durchstarten, einen Plattenvertrag hat sie schon. „Bis dort ein professionelles Team hinter ihr steht, kümmere ich mich auch um die Promotion.“

Damit kennt sich Kronshage aus, hat er doch in den 80er Jahren die Gruppe „Gold Connection“ gemanagt. Stolz steigt er Zeitungsberichte von dem Auftritt bei der ARD-Sportgala 1989. „Dort habe ich Gott und die Welt kennengelernt“, so Kronshage. Seit 25 Jahren sei er mit Curt Cress befreundet, der als Schlagzeuger und Komponist auf 400 Millionen verkauften Tonträgern zu hören ist. „Ich hatte einfach unglaublich viel Glück, immer mit seriösen Menschen gearbeitet zu haben.“ Das habe ihm viele Türen geöffnet. „Unglaublich, was man als kleiner Nobody aus Bad Münder alles erreichen kann.“

Stolz zeigt er sein Tonstudio, das er selbst gebaut und eingerichtet hat – und dessen Herzstück ein 60 000 Euro-teures Mischpult ist. Dazu hat er eine Trennwand mit einer großen Glasscheibe zu seinem Wohnzimmer eingezogen. Dort steht das Mikrofon für die Künstler. Es sei wichtig, die Sänger während der Aufnahme sehen zu können, erklärt Kronshage. Weil man dann sofort auf kleine Fehler reagieren könne.

Hier stand also vor Kurzem Vivien Behr, um zwei Stücke von Kronshage einzusingen. „Die Sehnsucht endet hier“ und „Welch ein Wahnsinn, dich zu lieben“ heißen die Stücke. Das letztere hat der Komponist gemeinsam mit der Textdichterin Heike Fransecky geschrieben. Mit ihr möchte der Musiker mit Leib und Seele („Was gibt es Schöneres, als Musik zu machen, sie ist mein Leben“) die Stücke für Roland Kaiser schreiben.

Fast hätte er vergessen, davon zu erzählen. Vor einigen Wochen sei die Anfrage von Kaiser per E-Mail gekommen. „Vier Titel möchten wir ihm anbieten.“ Die meisten Künstler seien ja heutzutage vertraglich gebunden, dürften keine fremden Texte annehmen, das sei bei Kaiser anders. „Damit bekommt auch jemand noch Unbekanntes die Möglichkeit, sein Talent zu zeigen.“ In dieser Branche könne der Erfolg über Nacht kommen. „Ich brauche nur eine Nummer wie ,Atemlos‘ von Helene Fischer, dann können wir in Bad Münder eine Party feiern“, sagt Kronshage lachend zum Abschied.col



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