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Günter Uhlig seit 50 Jahren Zunftbruder / Handwerker haben überall Bekannte - und eigene Regeln

"Zollstock-Weltmeister" wird Plakat-Model

Wiedensahl (jed). Zunftbrüder aus ganz Deutschland haben sich am vergangenen Wochenende bei Günter Uhlig (68) in Wiedensahl ein Stelldichein gegeben. Anlass war dessen 50-jährige Zugehörigkeit zur Maurerzunft.

Das Aufleben alter Riten und Zunftgebräuche stand dabei ebenso auf dem Programm wie ein Gänsemarsch ("Spinnermarsch") in schwarz-weißer Kluft mit Schlapphut oder Zylinder auf dem Kopf und Wanderstab ("Stenz") in der Hand Richtung Heimatmuseum und Wilhelm-Busch-Geburtshaus. Gern hätte der weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannte "Zollstockweltmeister" und "rechtschaffene fremde Geselle" Günter Uhlig noch ein paar Gesichter mehr gesehen, aber einige "Krauter", wie die Arbeitgeber im Zunftjargon genannt werden, konnten ihre Gesellen einfach nicht entbehren. Uhlig: "Das hätte es früher nicht gegeben!" Dafür gibt es ein großformatiges Bild von "Model" Günter Uhlig an der Wand seines Hauses zur Straßenseite, das von einer Zunftbekleidungsfirma aus Spenge für Uhligs großen Tag zur Verfügung gestellt wurde. Der 4. Oktober 1958 ist für Günter Uhlig ein ganz wichtiges Datum, denn exakt an diesem Tag trat Uhlig in Köln der "Vereinigung der rechtschaffenen fremden Gesellen" als älteste deutsche Zunft bei, um anschließend - gerade mal 18 Jahre alt - drei Jahre und einen Tag auf "Tippelei" zu gehen. Viele Erinnerungen an diese"schönste Zeit des Lebens" lebten am vergangenen Wochenende in geselliger Runde wieder auf. André Hake (44), Zimmermann aus Quedlinburg und Mitglied der "Bruderschaft zur Rose" bedauerte, dass "tippeln" in der ehemaligen DDR nicht möglich gewesen sei. Allerdings habe das die dortigen Zunftbrüder nicht davon abgehalten, alles zu tun, um die alten Traditionen aufrecht zu erhalten. Wie Uhlig sammelt auch Hake Zollstöcke, aber an die gut 28 000 Exemplare, die im Wiedensahler Zollstockmuseum an den Decken und Wänden hängen, kommt Hake längst nicht heran. Josef Nagelschmidt (69), Angehöriger der "Rolands Brüder" war von 1961 bis 1964 in ganz Europa auf Wanderschaft. Die Reisezeit sei eine praxisnahe Lebensschule gewesen, von der er sein gesamtes Leben lang profitiert habe. Überall habe er Freunde und Kameraden getroffen, auf die man sich immer verlassen könne. Schwarze Schafe habe es kaum gegeben. Dafür habe allein schon der Ehrenkodex unter den reisenden Handwerksgesellen gesorgt. "Wer sich nicht an die Regeln hält, wird ausgestoßen, den kennt man nicht mehr!" sagt Nagelschmidt. "Der geht über den Deister!" ergänzt Uhlig, hob sein "Stammseidel" und prostete seinem Zunftbruder zu. Angestoßen wird nicht, auch das gehört zu den Regeln innerhalb einer Zunft. Dafür wird aber kräftig gesungen ("geschallert"). Für die Musik war Zunftmusikerin Helga aus Halle mit ihrer "Quetsche" zuständig.




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