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Bad Nenndorfs Bauhof fährt die Blätter nicht mehr ab / Anwohner der Rodenberger Allee zwischen Wut und Verzweiflung / Reese im Urlaub

Zoff ums Laub: "Dann werfen wir die Säcke eben vor das Rathaus"

Bad Nenndorf (rwe). Die Wut ist groß bei den Anliegern in der Rodenberger Allee. Der Bauhof fährt das Laub der Platanen nicht mehr ab. Ohne jeglichen Hinweis hat die Samtgemeinde den üblichen Service eingestellt. Nach der Straßenreinigungsstzung sind die Grundstückeigentümer zuständig. Die hatten sich allerdings auf die Hilfeverlassen und wissen nicht, wohin mit den Blättern. Nun türmen sich Laubberge und Müllsäcke rechts und links der Straße.

Manchmal hilft nur noch Humor. "Dann müssen wir die Blätter wohl einkochen", kommentiert Eberhard Gittel den Ärger um das Herbstlaub. Der gebürtige Berliner hilft als Hausmeister einer Hauseigentümerin und hat gerade am Rand des Bürgersteigs einen großen Blätterberg mit Plastikplanen eingedeckt. "Der Bauhof holt das nicht mehr ab? Das wusste ich gar nicht." Der hilfsbereite Rentner ist da nicht der einzige, der schon seit Tagen vergeblich auf die Abfuhr wartet. "Ich habe so einen Hals", sagt die 79-jährige Anwohnerin Rita Krömer beim Laubharken. Keinen Schimmer hat sie, wohin sie mit den Platanenblättern soll, die bekanntlich kaum verrotten. "Schon immer ist das Laub von der Gemeinde eingesammelt worden", erinnert sich die Bad Nenndorferin. Ihr Schwiegersohn Heinz Zimmer ist gerade dabei, mit einer Mistgabel das Laub auf eine Schubkarre zu laden. Auf dem Hof türmen sich schon Berge. Zimmer: "Der Bauhof hat das immer abgeholt." Dass dem nicht mehr so ist, wissen die beiden von Nachbarin Magdalena Tatge, die es "von gegenüber" erfahren hat. "Das kann nicht wahr sein!" schimpft sie. Die Blätter seien eine Plage, gut sechs große Müllsäcke macht sie im Herbst gewöhnlich jede Woche voll und stellt sie an den Straßenrand. Das wollen sie und ihr Mann auch weiterhin tun. Kommt der Bauhof nicht, droht sie, "dann werfen wir alle die Säcke vor das Rathaus". Nach dem Stand der Dinge dürfte dort schon bald kein Durchkommen mehr sein. "Wir haben keine Handhabe, das Laub abzuholen", betont Kurt Junior, allgemeiner Vertreter von Samtgemeindebürgermeister Bernd Reese. Dieser befindet sich bis morgen im Urlaub. Nach dessen Rückkehr will Junior die Nöte der Anlieger vortragen. Eine politische Lösung scheint aber fraglich zu sein. Der Ärger um das Laub der Platanen ist schon lange absehbar. Nach langem Hin und Her zur neuen Straßenreinigungssatzung hatten sich die Fraktionen im Samtgemeinderat darauf verständigt, die freiwilligen Leistungen des Bauhofs zu reduzieren, die sich im Lauf der Zeit ergeben hatten. Dazu zählt aber nicht nur der Winterdienst in mancher Wohnstraße, sondern auch die Abfuhr der Laubsäcke aus der Rodenberger Allee. Die Stadtverwaltung hat laut Junior die Politiker im interfraktionellen Gespräch darauf hingewiesen, aber keinen Auftrag erhalten. Entsprechend wurde der Service eingestellt. Auch die Sammelstellen sind danach nicht mehr zulässig. Die Anlieger, seit Jahren an die Hilfe des Bauhofs gewöhnt, wurden jedoch nicht explizit über die neue Linie der Politik informiert. Junior räumt "Defizite" in der Kommunikation und der Sprachregelung ein. Allerdings ist dem Ordnungsamtsleiter selber nicht ganz klar, wie die Abfuhr bislang gehandhabt wurde. Manche Anlieger packten die Blätter in die Säcke, andere brachten sie hinters Rathaus, zu wieder anderen kam der Bauhof direkt an den Fußweg und saugte die Blätter in einen Kasten. So wie bei Jutta Rohrssen, die früher 180 bis 200 Müllsäcke füllte. Sie hält weiter fleißig den Fußweg frei, aber an der Straße türmt sich mittlerweile das Laub zu einer kleinen Mauer auf. Sie sorgt sich, dass die Blätter auch bald die Gullys verstopfen könnten. Rohrssen: "Die sollen wir dann saubermachen, wurde mir gesagt. Das kann nicht wahr sein." Sie will standhaft bleiben, auf den Wagen mit dem Saugrüssel wartet sie allerdings vergeblich. "Den haben wir nicht mehr", sagt Junior. Die Müllsäcke an der Straße hat er "mit Rücksicht auf das Ortsbild" noch vor dem Wochenende abholen lassen. Allerdings sei das Abstellen dort nicht erlaubt, sondern eine "Ordnungswidrigkeit". Den Anwohnern scheint das entweder nicht bekannt oder egal zu sein. Am Freitagnachmittag säumten erneut viele pralle Säcke die Rodenberger Allee...




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