weather-image

Zoff in Bad Münders Partnerstadt

BAD MÜNDER/BAD SAAROW.In Bad Münders Partnerstadt Bad Saarow sind Bürgermeisterin Anke Hirschmann und ein Großteil der Gemeindevertreter kräftig aneinandergeraten. Nun sollen die Bürger über eine Abwahl der Bürgermeisterin entscheiden.

2015 besuchte Anke Hirschmann (rechts) mit einer Delegation Bad Münder.

Autor:

Jens Rathmann und Gert Mensing

Beim Empfang des münderschen Ortsrates am vergangenen Freitag gab es noch den als Bitte formulierten Auftrag für Robert Ascher: Der Motor der Städtepartnerschaft mit Bad Saarow möge sich – bitteschön – doch für ein neues städtepartnerschaftliches Treffen einsetzen. Gleichzeitig entschuldigte Ortsbürgermeisterin Petra Joumaah die Saarower Bürgermeisterin Anke Hirschmann, die an einer dringenden Sitzung teilnehmen müsse.

Wie bedeutend diese Sitzung war, zeigte sich am Montagabend: Die 19 Mitglieder der Gemeindevertretung der münderschen Partnerstadt kamen zu einer Abstimmung zusammen – und 13 votierten dabei für die Abwahl der Bürgermeisterin. Eine ausreichende Zahl, denn das Kommunalwahlgesetz schreibt für diesen seltenen Fall eine Zwei-Drittel-Mehrheit vor, die bei 13 Stimmen für den Antrag erreicht war.

Doch was war vorausgegangen? Anke Hirschmann, 2014 bei den Kommunalwahlen für das von ihr gegründete Bündnis „Demokratie direkt“ zur Bürgermeisterin gewählt, hatte sich in den vergangenen Monaten verstärkt den Unmut ihrer Gemeinderatskollegen zugezogen. Das Fass zum überlaufen brachte dann aber wohl ihr Einsatz in der Frage eines an Krebs erkrankten Allgemeinmediziners vor Ort. Weil der seine Praxis nicht öffnen konnte, soll sie sich ohne Absprache an die Kassenärztliche Vereinigung gewandt haben, um über einen Nachfolger zu sprechen.

Wie die „Märkische Oderzeitung“ berichtete, unterzeichneten Vertreter aller vier im Gemeinderat vertretenen politischen Gruppierungen den Abwahlantrag. Der ehemaligen Lehrerin Hirschmann wurde vorgeworfen, andere Gemeindevertreter wie Schüler zu behandeln. Die CDU-Fraktionsvorsitzende Susann Rolle, kommissarische Vorgängerin im Amt, sprach von einem gestörten Vertrauensverhältnis.

Das unterschreiben auch Münderaner, die häufiger mit Hirschmann zu tun haben – etwa Robert Ascher. Mitte Januar war der zuletzt in der Partnerstadt zu Gast, beim Neujahrsempfang. Sein Verhältnis zur Bürgermeisterin hatte arg gelitten, als er mit einer Gruppe Feuerwehrkameraden Bad Saarow besuchte. Dort seien sie von Hirschmann begrüßt worden. Schnell aber habe sich die Begrüßung zu einer Hetze gegen Bad Münder entwickelt. Und auch Karl-Wilhelm Baule, Vorsitzender des Finanzausschusses, hatte nach diesem Besuch in der Partnerstadt keinen Grund, etwas positives über die Bürgermeisterin zu sagen. „So geht man nicht mit Menschen um, die zu Besuch kommen. Nicht mit Vertretern aus der Stadt, die sich dafür eingesetzt hat, Bad Saarow auf die Beine zu helfen, aus dem Sozialismus zu führen.“ Der sonst eher ruhige Baule informierte im Anschluss die Stadtverwaltung über seine Erfahrung und forderte dabei auch eine Überprüfung des Verhältnisses der Partnerschaft.

In Bad Saarow werden nach der Mehrheitsentscheidung im Gemeinderat nun die Wahlberechtigten an die Urnen gerufen. Stimmt dabei die Mehrheit der Wähler gegen die Bürgermeisterin, verliert sie ihr Amt – die Mehrheit muss allerdings mindestens einem Viertel der Wahlberechtigten entsprechen.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt