weather-image
30°

Zirkus lässt Frist verstreichen

Bad Münder. Was für ein Zirkus. Erst kündigte Sarani-Royal ein Gastspiel auf dem Festplatz an der Lindenallee an, jetzt droht der Zirkus zum Dauergast in Bad Münder zu werden. Auch nach Ablauf der von Bürgermeister Hartmut Büttner gesetzten Frist von 9 Uhr gestern Vormittag machten die Artisten und Dompteure gestern keine Anstalten, den Platz zu räumen.

270_008_6573498_lkbm101_2108_zirkusf0001.jpg

„Wir haben mittags wie angekündigt die Lieferung von Strom und Wasser eingestellt, nachdem der Aufforderung, den Platz zu verlassen, nicht Folge geleistet wurde“, erklärt Büttner. Die Zirkuscrew verweise auf eine defekte Zugmaschine, die eine Weiterfahrt unmöglich mache – allerdings beobachten Anwohner, die den Zirkus inzwischen zwei Wochen länger als erwartet direkt vor der Tür haben, dass sehr wohl Zugmaschinen auf dem Festplatzgelände bewegt werden. „Ich hoffe, dass der Zirkus doch noch einlenkt und weiterzieht – sonst sind wir gezwungen, rechtliche Schritte einzuleiten“, erklärt Büttner.

Die Stadt demonstriert Stärke, macht deutlich, dass sie sich nicht erpressen lässt. Dem Vernehmen nach hat der Zirkus seine Weiterreise an die Bedingung geknüpft, dass die Stadt die Rechnung für die Reparatur des defekten Lkw übernehme.

Aufmerksam beobachtet wird die Entwicklung nicht nur in Bad Münder, auch andere Verwaltungen verfolgen sie. Denn: Probleme, wie sie Bad Münder derzeit mit Sarani-Royal hat, treten immer wieder auf. Dabei sind es zumeist kleine bis mittlere Zirkusunternehmen, denen das Geld ausgeht, die nach einer schlecht besuchten Vorstellung um Futter für die Tiere bitten oder die auf defekte Lkw verweisen – und bleiben.

Einige benachbarte Gemeinden wie Springe oder Bad Pyrmont begrenzen die Zahl der Gastspiele auf städtischem Areal drastisch: Maximal zwei Zirkusunternehmen werden pro Jahr zugelassen. Die Argumentation dabei: Eine größere Zahl an Gastspielen würde dazu führen, dass sich die Unternehmen gegenseitig die Zuschauer wegnehmen, erklärt Karsten Kohlmeyer, Ordnungsamtschef in Springe. Fehlende Einnahmen, so die Erfahrung der Kommunen, können sich auch ganz schnell auf die Aufenthaltsdauer eines Zirkus auswirken. „Wir versuchen natürlich, nur seriöse Unternehmen zuzulassen“, sagt Sabine Spiegel, Leiterin des Ordnungsamtes in Bad Pyrmont.

In Springe wird zudem der Kurs verfolgt, keinen Zirkus mehr nach September auf den städtischen Festplatz zu lassen. Offiziell, weil im Herbst mit schlechtem Wetter gerechnet werden muss und der Platz durch das Befahren mit schwerem Gerät Schaden nehmen könnte. Inoffiziell auch, weil die Befürchtung besteht, dass aus einem Gastspiel im Herbst ganz schnell auch das Winterquartier werden kann. Wer erst einmal da ist, ist schwer wieder loszuwerden – diese Erfahrung wird wohl auch in Bad Münder in die Vergaberichtlinien für den Festplatz einfließen. „Intern haben wir bereits besprochen, dass wir das Verfahren ändern wollen“, sagt Büttner.

Genau schauen bei Zirkussen auch die Veterinärbehörden hin. Im März 2013 hat der Zirkus Sarani-Royal die tierschutzrechtliche Genehmigung beantragt, erklärt Kreis-Pressesprecherin Sandra Lummitsch auf Nachfrage. Die Einhaltung der Auflagen werde kontrolliert. Bei Missständen wird unser Veterinäramt sofort eingreifen“, sagt Lummitsch.jhr/col

Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare