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Frauenhaus: Belegungszahlen bleiben konstant

"Zerschlagene" Frauen verlieren Mütterlichkeit

Stadthagen (sk). Das Frauenhaus in Stadthagen besteht seit 20 Jahren. Der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) als Träger der Einrichtung hat den Geburtstag gestern morgen mit einem offiziellen Empfang von Mitarbeiterinnen, Politikern und weiteren Gästen im Rathaussaal gewürdigt.

Gudrun Wolter: "Wir müssen uns um die Mütter kümmern." Foto: sk

Im Frauenhaus haben von 1987 bis heute 1018 Frauen und 1204 Kinder - diese wurden von ihren Müttern mitgebracht - Zuflucht gesucht vor gewalttätigen Lebenspartnern beziehungsweise Vätern. Das Frauenhaus leiste "eine wertvolle und weiterhin notwendige Arbeit" und habe seinen festen Platz in der Gesellschaft, sagte Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier. Dass die Einrichtung die Pforten schließt, weil sie schlicht nicht mehr gebraucht wird, sieht der Landrat in naher Zukunft nicht. Die Belegungszahlen seien nicht zurückgegangen. Der Landkreis unterstützt die Arbeit des Frauenhauses mit jährlich 154 000 Euro. Die Notwendigkeit für ein Frauenhaus hatten vor 20 Jahren längst nicht alle politischen Entscheidungsträger im Landkreis eingesehen. Häusliche Gewalt - der Begriff war damals noch nicht in aller Munde - wurde als Großstadtphänomen gesehen. Kaum ein hiesiger Politiker habe wahrhaben wollen, dass es so etwas im "schönen und friedlichen Schaumburg" gibt, erinnerte die Vorsitzende des Frauenhaus-Beirates, Gudrun Wolter. Hilfesuchende Frauen belehrten dann viele eines anderen. Trotz gesetzlicher Initiativen hat sich der Bedarf an Hilfe nicht reduziert - im Gegenteil. Kein Tag vergehe ohne Schreckensmeldungen in den Medien, so Wolter. Die Vorsitzende wies außerdem darauf hin, dass häusliche Gewalt, kein spezielles Problem sozial schlechter gestellter und weniger gebildeter Bevölkerungsschichten ist. Wolter: "Auch Akademiker können schlagen." In Bezug auf die vielen direkt oder indirekt von häuslicher Gewalt betroffenen und teilweise traumatisierten Kinder erklärte Wolter, man müsse sich "um die Mütter kümmern", dann gehe es auch den Kindern gut. Sozialpsychologisch untermauerte dies die Professorin Christine Morgenroth von der Universität Hannover: Wenn Frauen "zerschlagen" seien, "verlieren sie ihre Mütterlichkeit". Petra von Bargen, Vorsitzende des Awo-Bezirksverbandes Hannover, wies darauf hin, dass 80 Prozent der gewalttätigen Männer selber aus gewaltbereiten Familien kommen. Neben der Arbeit der Frauenhäuser müsse es daher Präventionsarbeit für Familien geben, "um den Gewaltkreislauf zu unterbrechen." Von Bargen lobte die Mitarbeiterinnen im Stadthäger Frauenhaus: "Ihr habt tolle Arbeit geleistet."



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