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Steinanger: Politik hält Kurs / Bürgerinitiative verweist auf städtische Baulücken in Steinanger-Format

Workshop plädiert für wassernahes Wohnen

Rinteln (wer). Während die Bürgerinitiative gegen den Verkauf des Steinangers mobilisiert und auf Baulücken im Stadtgebiet verweist, hat die Ratsmehrheit den nächsten Schritt zur Planung des neuen Wohngebietes absolviert: Im Workshop, in dem auch Anwohner-Vertreter beteiligt sind, haben sich SPD/Grüne und CDU/FDP auf die wassernahen Wohnvarianten des Obernkirchener Architekturbüros AAD verständigt.

Favorit für die Steinanger-Bebauung: die Variante "Wohnen an der

Relativ einmütig hat der Workshop für eine Kombination aus den Konzepten "Wohnen am Wasser" und "Wohnen an der Graft" plädiert, die eine Anbindung an die Weser vorsehen. Auch die drei Anwohner-Vertreter haben prinzipielles Einverständnis signalisiert: "Ich bin der Meinung, dass uns Nachbarschaft gut täte", sagt Stephan Weichert. Kritisch bleibe indes die Frage der Bauhöhen: Im Workshop wurde ein Konzept diskutiert, dass in den Randbereichen bis zu elf Meter, im Zentrum maximal 13 Meter Bauhöhe zulässt. Auf geschlossene Ablehnung stößt bei den vier Ratsparteien der Vorstoß der WGS, eine Bürgerbefragung zum Steinanger durchzuführen. Aus eher pragmatischen Gründen: SPD, Grüne, CDU und FDP gehen davon aus, dass die Bürgerinitiative ohnehin ein weitergehendes Bürgerbegehren anstrebt, das den Ratsbeschluss zur Steinanger-Bebauung (im Gegensatz zur unverbindlichen Bürgerbefragung) theoretisch kippen könnte. "Einem Bürgerbegehren stehen wir offen gegenüber", sagt SPD-Fraktionschef Klaus Wißmann. Eine Befragung vorzuschalten, mache indes keinen Sinn. Allerdings sei man auch der Meinung, ergänzt FDP-Ratsherr Paul-Egon Mense, die Bürger bereits beteiligt zu haben. Mense verweist auf den Workshop, die Informationsveranstaltung im Brückentor und Gespräche mit den Vereinen. Sowohl Mense als auch Wißmann bekräftigen, am Ziel einer "schwarzen Null" aus Verkaufserlösen, Zuschüssen und Ausgaben festhalten zu wollen. Die Planung der Vereinsumzüge könnte insofern noch Zündstoff bieten. Die Bürgerinitiative gegen den Verkauf des Steinangers fordert die Ratspolitik auf, "Mut zur Lücke" zu zeigen: Ein ganzer Steinanger liege verteilt im Stadtgebiet, wenn man die Größe der 42 Baulücken in der Kernstadt (ohne Ortsteile) addiere. "Warum also den Steinanger zu Bauland machen, wenn es flächenmäßig noch genauso viele Baulücken gibt, deren Bebauung keine Strukturveränderung und keine Schwächung anderer Gebiete bewirkt?", fragt Antje Rinne als Sprecherin der Initiative. Das Argument, Rinteln benötige innenstadtnahes Bauland, werde durch die Lücken widerlegt, deren Bebauung darüber hinaus besser zu verkraften sei: "Sie verschandeln das Stadtbild nicht und lassen insbesondere keine ,Ghettos' zu." Baudezernent Reinhold Koch indes bewertet das Argument als "nicht ganz redlich": Im Baulücken-Kataster der Stadt, auf das sich die Initiative beruft, stünden Flächen, die potenziell in Frage kämen - "das heißt nicht, dass sie tatsächlich zur Bebauung frei sind: Die Eigentümer hat niemand gefragt." Auch mache es einen Unterschied, ob man mit über die Süd- und Nordstadt verstreuten Baulücken oder mit einem zusammenhängenden Altstadt-Quartier, das städtebauliche Akzente setze und kurze Wege in die Fußgängerzone biete, um neue Bürger werbe. "Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen." Auch SC-Rinteln-Vorsitzender Michael Box schaltet sich in die Steinanger-Diskussion ein: In einem (morgen erscheinenden) Leserbrief kritisiert er die Bürgerinitiative, weil diese den Sportvereinen keine Zukunftsperspektive aufzeige: "Die Bürgerinitiative schweigt sich über ihre Visionen aus - ,dagegen sein' ist das Motto." Den Verkauf abzulehnen, sei legitim, aber die Veräußerungsgegner müssten schon sagen, welches Konzept sie verfolgten und wie es finanziert werden soll, fordert Box. Für Dienstag, 30. Januar, lädt unsere Zeitung zur Podiumsdiskussion über den Steinanger in das "Stadt Kassel" ein (Beginn: 19.30 Uhr). Die Bürgerinitiative lädt für heute Abend, 19 Uhr, in den Brückentorsaal ein: Gastredner ist Gerald Häfner, Sprecher von "Mehr Demokratie".

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