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Bodenaushub fürs Klinikum: Obernkirchener Kreuzung wird zum Nadelöhr – Bürger in großer Sorge

Wollen Sie die Apotheke abreißen?

Vehlen/Ahnsen. Es ist einstweilen eine offene Rechnung mit noch vielen Unbekannten. Klar ist bislang nur: Die Lkw, die ab kommendem Montag, 14. Juli, den Bodenaushub von der Baustelle des Klinikums Schaumburg in der Vehlener Feldmark zum Reese-Kieswerk in Rinteln/Möllenbeck transportieren, werden vermutlich beide Fahrtrouten nehmen – also sowohl die kürzere durch Obernkirchen als auch die längere durch Ahnsen. Entsprechende Informationen dieser Zeitung bestätigt Claus Eppmann, Chef der Krankenhausprojektgesellschaft (KPG).

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„Vermutlich“ beide Fahrtrouten wohlgemerkt, denn wer wann tatsächlich welche Route fährt, das entscheidet in der Praxis wohl nicht der neue Matthäi-Subunternehmer Reese und auch nicht die Subunternehmer dieses Subunternehmers, sondern jeder einzelne Lkw-Fahrer selbst spontan vor Ort – abhängig von der jeweiligen Verkehrssituation. Denn: „Es sind viele kleine Betriebe hier aus der Region, die für Reese als Subunternehmer fahren werden“, streicht Landschaftsarchitekt Georg von Luckwald heraus. Aus der Region – und nicht aus Osteuropa. Er gehe daher davon aus, dass vor der eigenen Haustür nicht „wilde Sau“ gefahren werde.

Kanalisiert werden soll das Ganze durch den Landkreis Schaumburg, der die Situation mit Ampeln, Halteverboten und Tempobeschränkungen flexibel steuert. Das jedenfalls ist am Mittwochabend bei der zweiten Bürgerversammlung im Dorfgemeinschaftshaus Vehlen deutlich geworden. Mehr als 100 Menschen verfolgten, was die Repräsentanten der KPG, die Planer und Behördenvertreter in zweieinhalb Stunden zu sagen hatten.

Die von Oliver Schäfer moderierte Diskussion verlief streckenweise erregt, blieb aber immer „diszipliniert“, wie der Bergstadt-Bürgermeister anerkennt.

Dessen Ahnser Kollege Klaus Hartmann bekannte, dass er „bei der ersten Bürgerversammlung letzte Woche noch glücklicher“ gewesen sei, als es hieß, dass der Lkw-Verkehr komplett durch Obernkirchen gehen soll. Jetzt dagegen fürchte er für Ahnsen. „Ich fürchte aber auch“, so Hartmann, „dass die Kapazität der Polizei nicht ausreicht, die Situation zu überwachen und Verstöße zu ahnden.“ – „Doch“, sagt Polizeihauptkommissar Jürgen Milde. „Wir werden vor Ort von einer Einheit aus Nienburg in zivilen Streifenwagen unterstützt.“

Eine in Vehlen am Mittwochabend immer wieder geäußerte Vermutung: Die mit dem Bodenaushub voll beladenen Lkw werden beim Abtransport mit Masse nicht die steile Eilsener Straße, sondern stattdessen die Route durch Ahnsen nehmen; die kürzere und schnellere Obernkirchen-Route sei dagegen für die Leer- und Rückfahrten attraktiv.

Nahrung erhält diese Spekulation dadurch, dass sich mindestens ein Nadelöhr auf der Obernkirchen-Route bereits jetzt abzeichnet: der Kreuzungspunkt Eilsener Straße/Rathenaustraße, von dem aus die Lkw weiter auf der Rintelner Straße Richtung Buchholz und Steinbergen rollen sollen. „Was ist mit der Apotheke an der Kreuzung? Wollen Sie die abreißen? Da kommt ja kein Sattelschlepper rum“, empört sich ein Bürger. Andere sagen dort einen Megastau mit anschließendem Verkehrskollaps voraus. Eilsens Bürgermeister Bernd Schönemann sieht das ähnlich, glaubt, dass sich „diese Strecke bald von selbst erledigen wird“. Mit der Folge, dass – Durchfahrverbot und Knöllchen-Drohung hin oder her – Lkw-Verkehr dann doch durch den Kurort rollen wird.

Wie auch immer. Obwohl der Bodenaushub Montag beginnt, soll sich die Zahl der Lkw-Fahrten laut Schäfer in den ersten 14 Tagen noch in Grenzen halten. Zeit genug für den Landkreis als Straßenverkehrsbehörde, die Lage zu analysieren und Steuerungsmöglichkeiten auszuprobieren.

Derweil stellt sich für Bürger bereits die Frage, wie es mit den Lkw-Fahrten nach Ende des Bodenaushubs weitergeht – nämlich, wenn die „weiße Wanne“ gegossen wird und der Hochbau beginnt. „Dazu“, erklärt Eppmann, „können wir jetzt noch nichts sagen. Die Submission erfolgt erst Montag und wir kennen das Logistik-Konzept der Firmen noch nicht.“ Die Belastung durch die Großbaustelle werde aber „erheblich bleiben“. Denn: „Wir errichten hier ein Klinikum, kein Einfamilienhaus“, erinnert der KPG-Geschäftsführer.



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