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"Mietnomaden" - der Alptraum jedes Vermieters / Zahl der Fälle steigt auch in Rinteln

Wohnung verwüstet und hohe Mietschulden

Rinteln (wm/ur). Es stinkt schon im Flur nach Hundekot, die Türen sind zerkratzt, auf dem Teppichboden haben sich Kaninchen und Meerschweinchen verewigt - hier hilft nur noch eine Totalsanierung der Wohnung. Trotz der Verwüstung wirkt die Vermieterin erleichtert - denn die Chaosmieter sind endlich ausgezogen. Sieben Monate haben sie in der Wohnung in einemRintelner Ortsteil gehaust - im wahrsten Sinne des Wortes. Namen möchte die Frau nicht nennen - auch nicht ihren eigenen. Nur ein, wenn auch ein gravierender Fall von Vandalismus und Mietnomandentum.

So sieht es manchmal aus, nachdem Mieter aus der Wohnung geklagt

Für Edwin Sebening, Chef der gleichnamigen Hausverwaltung wie Immobilien GmbH, ist der Grund für die in den letzten Jahren gestiegene Zahl der Fälle, in denen es Ärger mit Mietern gibt, offensichtlich. Der Mietmarkt habe sich gewandelt: "Ist früher eine Wohnung frei geworden, haben sich ein Dutzend Leute dafür beworben, heute steht manchmal nur einer vor der Tür" - und dann "greifen Vermieter eben auch nach dem Strohhalm". Gut sei das inzwischen in Nordrhein-Westfalen gängige Modell, sich vom Vormieter einen Fragebogen ausfüllen zu lassen - Mieter, die sich korrekt verhalten, hätten damit ja auch kein Problem. Außerdem sollte ein Vermieter im Zweifel Auskünfte bei der Kreditreform einholen. Hilfreich sei manchmal auch - so man ihn kennt - ein Telefongespräch mit dem Arbeitgeber des Mieters. Aber im Grunde,so Sebening "hilft am besten Erfahrung und Menschenkenntnis". Die Abtretung der Miete bei Arbeitslosen und Hartz-IV-Empfängern über das Job-Center dagegen sei keine wirklich sichere Bank: "Der Mieter muss sich ja nicht an Kündigungfristen halten. Wer soll ihn hindern, einfach auszuziehen und dem Job-Center dann zu sagen, zahlt ab Morgen die Miete an XY." Im für ihn bisher schlimmsten Fall habe man die Wohnung des Mieters "nur in einem Ganzkörperkondom" betreten können, so verwahrlost seien die Räume gewesen. "Wir haben den Kühlschrank gar nicht mehr geöffnet, sondern samt Inhalt entsorgt. In der Badewanne lag bis obenhin schmutziges Geschirr." Wie schwer es selbst für einen Sachverständigen ist, die Seriosität von Mietkandidaten einzuschätzen, erlebte Rechtsanwalt Michael Box: "Der Mann hat sich als Herr Doktor vorgestellt, ich hatte nicht den geringsten Zweifel." Ein Doktor, der noch heute von der Polizei gesucht wird. Ein Dreivierteljahr hat der Mann inRinteln gewohnt, vier Mieten gezahlt, dann, so Box, folgte das übliche Prozedere, also Kündigung und Räumung der Wohnung. Da habe man dann festgestellt, dass auch andere Firmen sich offensichtlich vom überzeugenden Auftreten des etwa 30-Jährigen hatten täuschen lassen: Unbezahlte Möbel und ein Fernseher sind in der Wohnung zurückgeblieben. Beliebt sei auch die Methode, schilderte Rechtsanwalt Thomas Vollbrecht, angebliche Mietmängel geltend zu machen und die Miete zu kürzen - "da spart man schnell hundert Euro im Monat". Häufiger Streitpunkt sei beispielsweise Schimmel im Badezimmer oder in der Küche. Die Vermieter sagen, "wie kann das sein, vorher haben dreißig Jahre Leute drin gewohnt, die hatten nie Probleme". Womit automatisch der Verdacht nahe läge, der neue Mieter heize und lüfte nicht vernünftig, was wiederum schwer zu beweisen sei. Ein Mahnbescheid wegen 100 Euro ist teuer, die Kündigung schwierig - der Vermieter steckt in einer Zwickmühle. Welche Erfahrungen man machen kann, wenn man noch ein Häuschen am früheren Wohnort vermietet, erlebte schmerzlich Ulrich D.. "Zunächst wurde das Haus über fünf Jahre von einer netten Wohngemeinschaft genutzt, die dann aber aus beruflichen Gründen auseinander zog." Nur einer blieb - und gutgläubig wurde wegen der positiven Erfahrungen ein formloser Vertrag "auf Treu und Glauben" mit diesem Mann vereinbart, der angab, das Haus künftig mit seiner Lebensgefährtin und ihren Kindern nutzen zu wollen. "Von da an kam die Miete nur noch unregelmäßig, und als sich das Paar nach einem Jahr trennte, waren im Bereich der weggezogenen Frau die Räume durch mehrfache Katzenhaltung derart verwüstet, dass eine Renovierung für rund 5000 Euro anstand." Der inzwischen arbeitslose Bewohner verblieb in der unteren Wohnung mit der Aufforderung, sich umgehend um eine neue Bleibe zu kümmern - was sich weitere anderthalb Jahre hinzog, und nach der Räumung war auch hier eine Renovierung für etwa 3000 Euro fällig. Hinzu kamen Mietrückstände von 1500 Euro - und als Clou noch eine Forderung der Stadtwerke über 4000 Euro. Der Mieter hatte nach Auflösung der Wohngemeinschaft weder Strom noch Gas bezahlt. Und der Energieversorger wollte sich beim Eigentümer schadlos halten, da die WG ihren Liefervertrag offiziell gekündigt hatte. Für sie war der verbliebene Mieter eine Art Hausbesetzer - und damit dessen Verbrauch dem Eigentümer anzulasten. "Diese Forderung konnte nurdeshalb erheblich reduziert werden, weil die Stadtwerke versäumt hatten, Mahnungen zu schicken oder auch nur die Zählerstände zu kontrollieren" ergänzt D. dazu, der innerhalb von drei Jahren um nahezu 10 000 Euro geschädigt worden ist. Wobei auch Rintelns Anwälte das Problem der "Mietnomaden" durchaus differenziert sehen. Nicht jeder, der seine Miete nicht mehr zahlt, habe es vorsätzlich darauf abgesehen, sagt Box. Mancher schliddere durch Jobverlust oder Scheidung in die Zahlungsunfähigkeit - und irgendwo wohnen muss er ja. Doch es gibt auch positive Beispiele: So sind bei einem jungen Paar, dass kurzfristig aus einer von der Vermieterin frisch renovierten Wohnung in Hohenrode ausgezogen ist, die Eltern eingesprungen und haben die Mietrückstände bezahlt und die Schäden reguliert.



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