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Wohin mit den Flüchtlingen?

Bad Münder/Hameln. Im Januar dieses Jahres haben 25 042 Menschen in Deutschland einen Asylantrag gestellt – 70 Prozent mehr als im Januar 2014. Aktuell beziehen 775 Menschen im Landkreis Hameln-Pyrmont Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, in Bad Münder sind es 89. Bis Ende September werden im Kreis noch einmal 636 Flüchtlinge erwartet. Aufgrund dieser „Flüchtlingswelle“ hatte der Landrat jetzt zu einem „Runden Tisch Flüchtlinge“ eingeladen.

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An dem Treffen haben neben Bürgermeister Hartmut Büttner und seinen sieben Amtskollegen aus den Kommunen auch Menschen und Initiativen, Vertreter von Vereinen und Verbänden teilgenommen, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren. Hermann Wessling und Edeltraut Mittelstädt haben zum Beispiel erläutert, wie das Integrationslotsen-Projekt in Bad Münder angelaufen ist, und wie die Sozialraum AG sich bei der Aufnahme von Flüchtlingen engagiert.

Warum diese Veranstaltung unter Einbeziehung so vieler Menschen nötig ist, erläutert Martina Kurth-Harms, Dezernatsleiterin für Inklusion, Bildung, Jugend und Soziales im Kreishaus: „Für das Jahr 2015 rechnen wir mit durchschnittlich 1050 Flüchtlingen. Diese Menschen sollen möglichst dezentral untergebracht werden, in Sozialwohnungen und nicht etwa in Gemeinschaftsunterkünften oder Heimen.“ Landrat Tjark Bartels und Hamelns Oberbürgermeister Claudio Griese hatten vorab von einem „starken Signal“ gesprochen. Die Botschaft sei, dass man an einem Strang ziehe, um die Situation der Flüchtlinge zu verbessern.

Die Fehler aus den 1990er Jahren, sagt Griese, als die Asylbewerber in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht wurden, sollen vermieden werden. Heute wolle man die vor Krieg, Gewalt, politischer Verfolgung, Hunger und Armut Flüchtenden von vornherein integrieren, nicht in Asylantenheimen „parken“ und auf ihre Rückkehr warten. Am Prinzip der dezentralen Unterbringung von Asylbewerbern wolle man – trotz der stark angestiegenen Zahlen – also „grundsätzlich festhalten“, betont Bartels.

Dort, wo bislang die Flüchtlinge selbst als Mieter auftraten – die Vermittlung und Ausstattung der Wohnungen übernehmen die Kommunen, die Mietverträge allerdings unterzeichneten die Bewohner selbst –, springt nun der Landkreis ein. Die Vermieter bekommen damit einen verlässlichen Ansprechpartner und ein Stück Sicherheit – bislang blieben sie bei einem plötzlichen Verschwinden der Mieter häufig auf Renovierungs- oder Mietkosten sitzen. „Wir gehen diesen Schritt, bevor es richtig klemmt“, sagt Kurth-Harms mit Blick auf die Flüchtlings- und Wohnungssituation.

Bürgermeister Büttner begrüßt den Vorstoß des Landkreises, als Mieter auftreten zu wollen. „Aufgrund der Sprachbarriere stellen wir häufig ein Unbehagen seitens der Eigentümer fest, ihre Wohnungen an Flüchtlinge zu vermieten.“ Auch in Bad Münder werde die Situation schwieriger.

Die Zuweisungsquote des Landes wird jeweils für ein Dreivierteljahr im Voraus berechnet, im vergangenen Jahr musste nach nicht einmal sechs Monaten nach oben korrigiert werden. Die aktuelle Zahl der Menschen, die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beziehen, liegt mit 775 deutlich höher als die Durchschnittszahl des vergangenen Jahres – 2014 waren es im Schnitt 582 Menschen. Der größte Teil stammt aus dem ehemaligen Jugoslawien (Serbien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, dem Kosovo und Montenegro), gefolgt von Syrien und afrikanischen Staaten wie Somalia, Liberia, dem Sudan, Marokko und Nigeria.

Im Oktober möchte sich die Runde erneut zusammensetzen, um die Situation nach sechs Monaten neu zu bewerten. Dann werden sicherlich auch wieder neue Zuweisungszahlen vorliegen.ww/col



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