×
Zum Haareraufen: Niedrigstzinsen für Sparer – nur beim Dispo ändert sich nichts

Wohin mit dem Geld?

Die meisten Bankkunden profitieren einer Untersuchung zufolge bei Dispokrediten bisher nicht vom extrem billigen Geld im Euroraum. Nach Beobachtungen der FMH Finanzberatung haben nur acht von rund 60 Geldhäusern die jüngste Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) an ihre Kunden weitergegeben. Darunter sind vor allem Institute, die diese Zinsen an den EZB-Leitzins koppeln.

Nach Berechnungen von Max Herbst von der FMH Finanzberatung liegt der durchschnittliche Dispozins derzeit bei 10,48 Prozent. Der Leitzins im Euroraum beträgt nach der jüngsten Senkung Anfang Mai dieses Jahres 0,5 Prozent. Damit kommen die Geschäftsbanken so günstig an Zentralbankgeld wie nie seit Einführung der Gemeinschaftswährung im Jahr 1999.

Verbraucherschützer kritisieren, dass Banken eine Senkung der Leitzinsen zögerlich an die Kunden weitergeben, bei einer Erhöhung dagegen schneller reagierten. Wenig Freude bereitet Sparern die Geldschwemme der EZB. „Die Zinsen für Sparguthaben sind schon sehr niedrig und bröckeln weiter“, erklärt Herbst. Vor der jüngsten EZB-Sitzung hatten die Verbände von Volksbanken, Sparkassen und Versicherungswirtschaft in Deutschland davor gewarnt, die Zinsen noch weiter zu senken: „Jeder Zinsschritt nach unten lässt die Sparguthaben schmelzen.“

Anlegen in Zeiten niedriger Zinsen will daher gut überlegt sein. Hohe Erträge suchen Sparer bei Tagesgeld- und Festgeldkonten derzeit vergeblich. Häufig genug liegen die Zinsen unter der Inflationsrate. Des einen Freud, des andern Leid – so kommen viele Häuslebauer in den Genuss guter Kreditkonditionen. Doch Experten warnen vor unüberlegtem Handeln. Ein Überblick:

Sparzinsen: Wer noch aufs herkömmliche Sparbuch setzt, macht in der Regel bei unglaublich niedrigen Mini-Zinsen von 0,15 bis 0,5 Prozent keinen guten Fang. „Das Sparbuch gilt gerade älteren Kunden nach wie vor als Hort der eisernen Reserve, kann bis auf wenige Ausnahmen aber nicht wirklich für die Geldanlage empfohlen werden“, sagt Zinsexperte Uwe Döhler von der Stiftung Warentest.

Tagesgeldkonten: Die Alternative sind Tagesgeldkonten, die aber derzeit ebenfalls kaum etwas abwerfen. „Auch beim Tagesgeld ist der Durchschnittszinssatz zuletzt weiter nach unten gegangen. Normal ist eine Eins vor dem Komma und damit ein Niveau unterhalb der Inflationsrate, weshalb es zu realem Geldwertverlust kommt“, erläutert Döhler. Nur wenige Banken zahlen im Normalfall mehr als 2 Prozent.

Festgeld: Zinsen oberhalb der Inflationsrate und damit eine tatsächliche Rendite bieten derzeit nach Einschätzung der Experten vor allem Festgeldanlagen über einen längeren Zeitraum. „Bei Drei-Jahres-Festgeld sind Zinsen um die drei Prozent möglich“, so Max Herbst von der Frankfurter FMH Finanzberatung. Bei kürzer laufenden Anlagen sehe es auch hier mau aus. „Doch auch beim Festgeld geht die Tendenz nach unten“, sagt Döhler. „Wann die Talsohle erreicht ist, ist schwer zu sagen. In absehbarer Zeit ist keine Zinswende in Sicht.“

Dispozinsen: Ist das Girokonto im Minus, wird es mitunter richtig teuer. Spitzenzinssätze von mehr als 14 Prozent gibt es nach wie vor. Im Schnitt liegt der Zinssatz zwischen 10 und 11 Prozent. Verbraucherschützer fordern schon seit Längerem eine gesetzliche Deckelung. Diese ist jedoch politisch umstritten. Als Hauptproblem sieht Pallasch aber vor allem eine fehlende Markttransparenz. „Denn wenn es die nicht gibt, ist auch der Druck für die Banken nicht so groß, die Dispozinsen anzupassen.“ Die Kunden hätten wegen der Informationspolitik der Institute häufig Schwierigkeiten, die Dispozinsen zu vergleichen.

Ratenkredite: Hier ist nach Einschätzung von Expertin Pallasch ein leichter Rückgang zu verzeichnen. „Allerdings kommt nicht jeder Verbraucher an die beworbenen Zinssätze. Denn Banken legen zunehmend bonitätsabhängige Konditionen zugrunde“, erläutert Pallasch. Finanzexperte Herbst erwartet für das laufende Jahr ebenfalls eine weiter leichte Tendenz nach unten. Bei Baukrediten erwarten die Experten ebenfalls etwas sinkende Zinsen, raten aber zu aufmerksamem Vergleich. dpa/red

Angesichts extrem niedriger Zinsen ist der Sparstrumpf für manche wieder eine Alternative. dpa




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt