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"Wolfsabend" im Tierpark Kalletal zeigt: Wölfe und Hunde haben heute nichts mehr gemeinsam

Wölfe wollen fressen, keine Streicheleinheiten

Rinteln/Kalletal (wm). Wölfe geraten wieder in die Schlagzeilen, seit die Ostgrenzen gefallen sind und die vierbeinigen Räuber aus Osteuropa Richtung Westen wandern: Auf Truppenübungsplätzen in der Oberlausitz leben Rudel, im Spreewald, in Gorleben, in Unterlüß in der Lüneburger Heide, in Schleswig-Holstein und im Reinhardswald in Hessen sind Wölfe gesichtet worden. In Dannenberg wurde jüngst ein Jäger zu 10 000 Euro Geldstrafe verurteilt, weil er einen Wolf geschossen hatte. Und seit Wölfe immer wieder ein Thema in Presse und Fernsehen sind, kann sich Dr. Dirk Neumann, Tierarzt wie Wolfbändiger und Chef des Tierparks Kalletal über mangelnden Zuspruch bei seinen 14-tägig stattfindenden "Wolfsabenden" nicht mehr beklagen - ganz im Gegensatz zum allgemeinen Tierparkbesuch. Der lasse nach, während alle Leute nur noch eine Spezies sehen wollten: die Wölfe.

18 Euro kostet der Abend für Erwachsene, kein Mäc-Geiz-Tarif, aber es lohnt sich, denn als Gegenwert erhält der Besucher eine Ahnung davon, was wilde Natur tatsächlich einmal war, ehe sie bei uns eingehegt und eingezäunt, die Wälder zur Rohstofffabriken umgebaut worden sind. Wenn Neumann das Rondell auf einer Wiese betritt und ihn sein Wolfsrudel umschleicht, eher widerspenstig auf Balken balanciert undüber Hindernisse springt, wird dem Beschauer klar: Das sind keine gut dressierten Pudel, die auf Befehl Männchen machen. Nach jeder gelungenen Aktion gibt es dann auch keine Streicheneinheiten, sondern Fressbares, und wenn das Rudel gierig an Neumann hochspringt bleibt als Eindruck, die haben ihnwirklich "zum Fressen" gern. Dr. Dirk Neumann hat schon mit dem legendären Tierforscher Eberhard Trumler zusammenarbeitet und Professor Bernhard Grzimek beeindruckt. Mit einer Video- und Bilderschau macht Neumann seinen Besuchern deutlich : 15 000 Jahre Domestikation trennen Wolf und Hund - und da führt kein Weg mehr zurück. Weshalb sich, zeigt Neumann eindrücklich, Hunde und Wölfe auch nicht mehr verstehen - ihre Körpersprache ist zu unterschiedlich. "Hunde heben noch keck die Rute, wo schleunigst eine Unterwerfungsgeste angebracht wäre." Das hätte einen Husky, der zu Neumanns Wölfenins Gehege kam, fast das Leben gekostet. Die Wölfe respektierten ihn als menschlichen Entertainer, doch auch da, schildert Neumann, bewege er sich auf einem schmalen Grat: Wölfe leben in ihrer ganz anderen, eigenen Welt - umso erstaunlicher sei es, wenn trotzdem Kommunikation gelingt. Nur Hunde hören wirklich auf Menschen, was Neumann am eigenen Leib erlebt hat. Ein spielerisches Gekabbel sei ohne Vorwarnung in einen Angriff übergegangen und das, "bringt dann schon mal drei Wochen Krankenhaus mit sich". Für Spaziergänger im Wald trotzdem kein Grund, Angst vor dem bösen Wolf zu habe:. "Sie sind so scheu, die sieht der Normalbürger gar nicht." Probleme bekommen nur die Schäfer, und deshalb gibt es in der Lausitz, dem Kerngebiet der Wolfspopulation in Deutschland inzwischen eine "Wolfsmanagerin". Regelmäßig für Verblüffung sorgt am Ende von Neumanns Wolfsabend dann die Fütterung des Rudels: Das macht sich nämlich einträchtig über die Mahlzeit her, es gibt keinen Streit und kein Gebeiße. Für Neumann logisch: "Wenn die in Alaska einen Elch immer nach der Rangfolge fressen wollten, ist der längst zu einem Eisblock gefroren, bis der letzte vom Rudel dran ist." Wolfsabende gibt es alle 14 Tage im Zoo Kalletal. Informationen unter Telefon 05264/242.




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