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Licht und Meer: Die Künstlerkolonien Schwaan und Ahrenshoop beherbergen einige der ältesten Galerien Deutschlands

Wo Mecklenburgs Monet bei frischer Brise malte

Schwaan/Ahrenshoop. Möwen schweben über den Dünen. Ein Paar sitzt im Strandkorb, einige Angler auf ihren Klappstühlen. Das ist Ahrenshoop heute, ein sympathischer Badeort auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst in Mecklenburg-Vorpommern. Rund 2300 Gästebetten gibt es, 350 000 Übernachtungen im Jahr zählt die Statistik.

Autor:

Andreas Heimann

Schwaan/Ahrenshoop. Möwen schweben über den Dünen. Ein Paar sitzt im Strandkorb, einige Angler auf ihren Klappstühlen. Das ist Ahrenshoop heute, ein sympathischer Badeort auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst in Mecklenburg-Vorpommern. Rund 2300 Gästebetten gibt es, 350 000 Übernachtungen im Jahr zählt die Statistik. Das ist nicht viel im Vergleich zu anderen Orten. Aber es ist gewaltig im Vergleich zu der Welt, die Maler im späten 19. Jahrhundert entdeckten, als sie hier eine Künstlerkolonie gründeten.

Sie zog es nicht zum Baden nach Ahrenshoop. „Was sie fasziniert hat, war dieses unglaubliche nordische Licht“, sagt die Kunsthistorikerin Ruth Negendanck, „die Liebenswürdigkeit der Einwohner, sicher auch die Nähe zum Strand und Meer.“ Als ein „Bild des Friedens“ beschrieb der Maler Paul Müller- Kaempff, einer der Pioniere der Künstlerkolonie, seine ersten Eindrücke des Dorfes.

Genau so einen Ort suchten die Gründer der Künstlerkolonien – sie zog es ins Freie, weg vom etablierten Kunstbetrieb, aber doch mit Bahnanschluss. So war es in Ahrenshoop auch. Und so blieb es bis zum Ersten Weltkrieg. „Bis dahin war Ahrenshoop durchaus gleichbedeutend mit Worpswede“, sagt Negendanck.

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Schwaan ist eine typische Ackerbürgerstadt.

Ein Ort der Kunst ist Ahrenshoop noch immer. „Wir haben nur 750 Einwohner, aber drei kommunale Galerien und eine Reihe privater“, erklärt Hans Götze, der Bürgermeister von Ahrenshoop. „Wenn wir Vernissagen machen, reisen Besucher aus ganz Deutschland an.“ Und bei der jährlichen Kunstauktion mit Arbeiten, die Bezug zur Region haben, wechseln Werke für eine halbe Million Euro den Besitzer.

Einige der alten Künstlerhäuser sind noch zu sehen. Auch das Haus, in dem Müller-Kaempff seine Malschule gründete, steht noch. Und die Bunte Stube, 1922 im Bauhaus-Stil errichtet, die damals ein Treffpunkt der Maler war. Der Kunstkaten, eines der markantesten Häuser des Ortes, wurde restauriert und sieht wieder aus wie einst. Bis 2013 soll das Kunstmuseum Ahrenshoop fertig werden.

Mitten durch Ahrenshoop, gerade 700 Jahre alt geworden, läuft die Grenze zwischen Mecklenburg und Vorpommern. Schwaan, die zweite Künstlerkolonie der Region, liegt auf mecklenburgischer Seite. Bis Rostock sind es nur 20 Kilometer – aber Schwaan gehört zu einer anderen Welt. Dort blühen der Raps auf endlos scheinenden Feldern und Flieder in den Gärten. Die „Stadt der Künstlerkolonie“ ist von Getreidefeldern und Wald umgeben. Genau das schätzten die Künstler, die ab 1880 hierher kamen, um in der Natur zu malen.

Die Faszination, die der weite Himmel über genauso weiten mecklenburgischen Feldern auf die Maler ausgeübt hat, lässt sich an ihren Werken noch immer ablesen. Für die Bilder Franz Bunkes gilt das besonders: „Wiesenlandschaft“ und „Landschaft mit Beke“ lauten einige Titel. Ein anderes heißt treffenderweise „Weites Land“. Bunke, 1857 in Schwaan geboren, gehört zu den wichtigsten Künstlern der Kolonie.

Die Werke der Schwaaner Künstler sind heute im Museum Kunstmühle zu sehen, einem Fachwerkhaus mit hellroten Ziegeln und braunen Holzbalken. Bis in die 50er Jahre lief das große Mühlrad noch. Das Museum ist auch auf dem Wasserweg erreichbar. „Mit dem Paddelboot ab Rostock dauert das sechs Stunden“, sagt Museumsleiter Heiko Brunner.

Ein Museum ist die ehemalige Mühle seit 2002. Mehr als 100 Bilder gehören zum Bestand und noch einmal so viele Zeichnungen und Grafiken. „Zuvor war die Geschichte der Künstlerkolonie Schwaan fast in Vergessenheit geraten“, erzählt Lisa Jürß, die frühere Leiterin der Staatlichen Gemäldesammlung in Schwerin und ausgewiesene Kennerin der Künstlerkolonie Schwaan. Realistische Landschaftsmalerei sei in der DDR nicht sehr gefragt gewesen.

Künstlerisch hält sie die Werke der Schwaaner Maler durchaus für bedeutend: „In Ahrenshoop gab es viel mehr Maler, aber eine Größe wie Bartels ist nicht darunter.“ Rudolf Bartels, der „Monet Mecklenburgs“, ist 1872 in Schwaan zur Welt gekommen. Zu seinen faszinierendsten Werken zählen Bilder, auf denen Kinder mit Laternen durchs Dunkel laufen. Schon sie allein sind eine Entdeckung.

Weitere Informationen zu Mecklenburg-Vorpommern im Internet: www.auf-nach-mv.de.




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