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Frühzeitige Förderung, angepasstes Lerntempo: Vortrag über finnischen Schulalltag

Wo Lehrer Freunde und Berater sind - Finnland und sein Bildungssystem

Exten (rd). Die Ruhe reinbringen, Schüler vermehrt in ihrer Individualität wahrnehmen, das System ändern: Morgen um 19.30 Uhr findet in der Grundschule Exten ein Vortrag über das finnische Bildungssystem statt.

Kommen mit neuen Eindrücken aus Finnland zurück (v.l.): Tobias W

Zehn Pädagogen aus dem gesamten Landkreis Schaumburg haben eine Woche lang in das viel gelobte finnische Schulsystem hineingeschnuppert und aufgezeigt, welche positiven Erfahrungswerte sie in ihrem deutschen Schulalltag anwenden könnten. Ihre Erfahrungen wollen sie in dem morgigen Vortrag auch interessierten Kollegen zugänglich machen. Untergebracht in der Universitätsstadt Jyväykylä, 270 Kilometer nördlich von Helsinki, lernten die Pädagogen Kindergarten und Vorschule, Gemeinschaftsschule sowie die gymnasiale und berufliche Oberstufe kennen. Organisiert wurde die Bildungsreise vom Forum Eltern und Schule und dem Schaumburger Kreisverband der Gewerkschaft Erziehung Wissenschaft, unterstützt vom europäischen Comenius-Projekt. Die angenehme Atmosphäre an den finnischen Schulen - die Gelassenheit, die Ruhe und die Freundlichkeit - haben den Psychologen und Psychotherapeuten Dieter Fischbeck, der ebenfalls mit in Finnland war, am meisten beeindruckt. Außerdem, so Fischbeck, habe er die Wertschätzung als wohltuend empfunden, die die finnische Gesellschaft, inklusive der Schüler, den Lehrkräften entgegenbringt. Pädagogen werden als Berater akzeptiert, Lehrer gelten als Freunde. Diese Aussage, hierzulande höchstens von Grundschülern geäußert, habe er in Finnland von Abiturienten gehört, so Rolf Rösemeier-Tietjen, Lehrer an der IGS Schaumburg. Die Arbeit an den Schulen in Finnland ist laut Pisa-Studie erfolgreich. Das liege nicht an der aufwendigeren Arbeit der Lehrer. Aber entgegen deutscher Praxis spiele zum Beispiel Gruppenarbeit keine große Rolle. Der IGS-Lehrer: "Die Schüler sitzen oft an Einzeltischen." Es werde viel schriftlich gearbeitet, "kooperatives Lernen" nicht übermäßig angewandt, so Kristina Marcion von der GS Sachsenhagen. Was jedoch in Finnland stimme, das sei der Rahmen, in dem der Unterricht stattfinde, sind sich die Schaumburger Lehrer einig. Zu den guten Voraussetzungen zählt unter anderem, dass Schüler frühzeitig gefördert werden und jeder in seinem ihm gemäßen Tempo lernen kann. Das finnische Schulsystem kann nicht "eins zu eins" auf Deutschlandübertragen werden, dennoch sehen die Pädagogen Chancen, den einen oder anderen Aspekt zu verwirklichen. Kristina Marcion möchte zum Beispiel die Form der Ruhe in den Unterricht hineinbringen, die sie in finnischen Schulen erlebt hat. Massive Kritikübte Dieter Fischbeck am geltenden dreigliedrigen Schulsystem, das der Psychologe aufgrund der frühzeitigen Separierung der Kinder als "schlimme Situation" beschrieb. Geld müsse investiert werden, um Wesentliches zu ändern.

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