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Dritter "Historischer Markt" mit 60 Ständen: Zeitreise für zwei Tage zurück ins Mittelalter

Wo junge Recken den "eisernen Roland" besiegen

Rinteln (ur). "Mercatus& Mutatio" stand in alten Lettern auf die Leinwandrückseite eines Standes unweit des Nikolaiturms geschrieben und wahrlich: "Handel und Wandel" gab es wirklich reichlich an diesem bewegten Wochenende beim dritten "Historischen Markt" in der Rintelner Altstadt.

"Marktvogt" Alfred Schneider hatte in kurfürstlich-hessischer Uniform an beiden Tagen wieder ein waches Auge auf das muntere Treiben: Immerhin waren in diesem Jahr über 60 Stände aufgebaut worden - ein Zuwachs von 15 gegenüber dem eh schon überraschend großen Debüt des Vorjahrs. Dazu kamen zahlreiche Gaukler und Spielleute, ein authentischer Bettler gar und zahlreiche Wikinger, Goten, Bürgers- und Rittersleute sowie exotische Barbaren, die sich da rund um den Marktplatz verlustierten: ein Szenetreff, der sich selbst genügte, aber auch für das gaffende Volk der Jetztzeit jede Menge Augenweide und Belustigung bot. Myrthen- und Jungfernkränze zogen die Taler, Gulden, Dukaten oder zumindest Euros ebenso aus dem Geldbeutel wie die Angebote von Met-Kneipen, Tavernen und Hexenküchen. Mit Pfeil und Bogen konnte man sich dem Kampf mit dem Wildschwein stellen. Bei der "Seelenheyl"-Bude war von Amuletten bis zu Marienstatuen wirklich alles an Devotionalien für die spirituelle Hausecke zu haben und grimmig, aber auch ein bisschen pathetisch verkrampft schauende Heiden verkündeten direkt an der Seitenmauer von Sankt Nikolai: "Odin statt Jesus" und verkauften neben der Edda auch T-Shirts mit der Botschaft "Trotz 200 Jahren Verfolgung, Mord und Leid/Im Dreck kriechen werden wir nie. Denn wir bleiben/immer Heiden!" Dass diese Wotansjünger auch Aufkleber mit dem Slogan "Klagt nicht/kämpft" feilboten, sollte all jenen zu denken geben, die diesen Doof-Schnack auch heute noch auf dem Wackerstein am Kollegienplatz zu verharmlosen trachten. Weniger martialisch hingegen der Hanfladen, bei dem unter anderem lecker gefüllte Hanf-Fladen zu erwerben waren. Schwerter aus edlem Damaszenerstahl (?) wuchtige Keulen aus Eisen und Holz, irdene Schüsseln und hölzerne Löffel, edle Stoffe und feine Gewänder - hier hätte man die Ausstattung für eine Prinzessin zusammenstellen können! Vor der Ehe aber empfiehlt sich der Blick in die Chancen für die gemeinsame Zukunft - und dafür stand "Elain Morgain die Seherin" zur Verfügung. Sie schien auf Positives zu orientieren, denn die Dame, die soeben ihr rollendes Kabinett verließ, strahlte über alle vier Backen - so jedenfalls hatte es den Anschein. Wo die Gaukler, unterstützt von den Spielleuten, ihre Künste mit Jonglage und Feuerzauber zeigten, strömte das Volk in hellen Scharen zusammen und dankte mit "Handgeklapper". Auch der vielleicht fünfjährige Tristan aus dem Publikum wollte sich zunächst als Assistent von Andingo und den Antores-Spielleuten verdingen, doch dann überkam ihn das Lampenfieber und er verzichtete zugunsten von Meike, die mit ihrem Zauberhut schon recht professionell agierte. Witterungsbedingt war der erste Markttag der besser besuchte, die Stimmung blieb an beiden Tagen gut. Was sich vor allem in den Abendstunden nach Schließung der meisten Buden zeigte, als die Akteure mehr oder minder unter sich waren und sich mit Würfelspiel und Plauderei, Bauchtanz und Musik die Zeit vor den Schänken vertrieben - übrigens ohne Radau, denn man nahm durchaus Rücksicht auf die Altstadtbewohner sowie Reisenden, Händler und Handwerker, die sich schon früher in ihren Zelten zur Ruhe gelegt hatten. Diese Invasoren aus fantasievoller Historie jedenfalls dürfen wiederkommen - und so darf man wohl die vierte Auflage dieses derb-fröhlichen Spektakels für das nächste Jahr schon mal vormerken...




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