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Entdeckungsreise in den Südstaaten

Wo Jazz wieder auflebt und Elvis ein ewiger Held ist

Nichts war mehr wie vorher. Alle Naturgewalten schienen sich gegen New Orleans, die lebensfrohe Stadt am Mississippidelta, verschworen zu haben. Sturmattacken prallten mit unvorstellbarer Wucht gegen ihre Fassaden. Nicht zu bändigende Wasserfluten ließen die unter dem Meeresspiegel liegende Metropole wie eine Badewanne volllaufen. War „Katrina“ der Anfang vom Ende? Schnell wurde der Ruf nach Planierraupen laut.

Autor:

Dr. Bernd Kregel

Doch schon bald war davon keine Rede mehr. Die Bewohner der leichtlebigen „Big Easy“ krempelten die Ärmel hoch und machten sich mit Eifer an den Wiederaufbau ihrer einzigartigen Stadt.

Natürlich hat auch die legendäre Musikszene von New Orleans längst wieder Tritt gefasst. Erst zaghaft und dann immer stärker klingt diese unverwechselbare Mischung aus Jazz, Blues und Gospel aus den Bars und Musikhallen des French Quarters heraus. Selbst von den Oberdecks der Mississippi-Schaufelraddampfer lassen sich wieder die aufmunternden Klänge ausgelassener Dixieland-Melodien vernehmen.

Genau so, wie man sich den „Alten Süden“ vorstellt. In neugieriger Erwartung machen sich seine Verehrer daher auf den Weg, um – wie an einer Perlenschnur – die Glanzstücke eines Landstrichs zu erleben, der seit dem verlorenen Bürgerkrieg nicht mehr zu den wohlhabendsten Regionen der Vereinigten Staaten zählt.

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Die Fahrtroute führt zunächst in Richtung Norden über Baton Rouge nach Vicksburg – in weiten Strecken entlang den Ufern des mächtigen „Old Man River“. Längst gezähmt seit den wilden Zeiten von Mark Twain, der damals dem Mississippi in seinen Büchern ein literarisches Denkmal setzte. Und es gibt sie noch, die alten „Plantations“, jene prächtigen Farmhäuser des Südens mit ihren schneeweißen Säulenfassaden und filmreifen Eichenalleen: Nottoway, Madewood, Oak Alley – alles wohlklingende Namen, die zu einem Abstecher einladen.

Doch dann überwiegt die Neugierde auf eine Stadt, mit der das nördlichste Reiseziel am Mississippi erreicht ist: Memphis. Das klingt fast wie „Elvis“. Sein Name ist hier Programm. Denn die ganze Stadt feiert gerade das alljährliche Rock ’n’ Roll Festival. Da steht King Elvis natürlich im Mittelpunkt. Nicht nur auf der legendären Beale Street, sondern auch in Graceland, der traditionellen Pilgerstätte aller Elvis-Fans. Hier an seiner einstigen Wirkungsstätte und vor allem an seinem Grab werden viele Emotionen frei. Kein Zweifel: Elvis ist für seine Fans immer noch der Größte von allen.

Ganz anders die Musikszene im östlich gelegenen Nashville, der Heimat des Country Sounds. Allein der Name dieser Stadt bewirkt bei den Freunden dieser Stilrichtung eine Gänsehaut. Denn „Country“ ist mehr als Musik. Es ist ein Lebensgefühl, das sich hier in seinen unterschiedlichen Facetten an allen Ecken und zu allen Tageszeiten musikalisch äußert.

Vor allem in der „Grand Ole Opry“. In dieser riesigen Konzertarena trifft sich jeden Samstag die Country-Gemeinde von Tennessee. Und dann entfaltet sich auf einer schlicht gehaltenen Bühne in jeweils halbstündigen Programmteilen ein wahres Feuerwerk von Country-Klängen, die live in ganz Amerika übertragen werden. Vielleicht hat sich in dieser „musikalischsten Gegend der Welt“ die Seele Amerikas am reinsten erhalten.

Doch zum Philosophieren bleibt nur wenig Zeit. Denn schon geht es im Uhrzeigersinn weiter, mitten durch die landschaftlich aufregenden „Smokey Mountains“ nach Charleston, in die traditionsreiche Stadt an der Atlantikküste. Auch hier blühte einst wie überall im Süden der unselige Sklavenhandel. Daran erinnern auch die zahlreichen herrschaftlichen „Plantations“ in der Umgebung. Trotz ihrer architektonischen Pracht werden sie diesen dunklen Schatten der Vergangenheit nie ganz los.

Doch mehr noch schiebt sich hier im Rückblick der amerikanische Bürgerkrieg in den Vordergrund. Der begann genau an dieser Stelle mit dem Nord-Süd-Konflikt um die Seefestung Fort Sumter. Noch heute wirken die dramatischen Ereignisse von damals in der Volksseele nach. Dies ist schnell zu erkennen an der ausgeprägten Traditionspflege der einstigen Konföderierten. Immer wieder präsentieren sie sich hier in ihren alten Uniformen. Fast so, als wollte der durch die Niederlage gedemütigte Süden in seiner Phantasie den Krieg nun doch noch nachträglich für sich entscheiden.

Nach dem malerischen Küstenort Savannah mit seinem geschlossenen Stadtbild aus dem 19. Jahrhundert nähert sich die Entdeckungsreise durch den „Großen Süden“ der USA vom Mississippi bis zum Atlantik nun allmählich ihrem Ende. Letztes Ziel ist Atlanta, die aufstrebende Metropole des Südens, die allein mit ihrer Skyline eine gewaltige wirtschaftliche Dynamik ausstrahlt. Ein Trost für all jene, die sich mit dem unerbittlichen „Vom Winde verweht“ in ihrem Inneren nur schwer abfinden können.

Atlanta als Drehkreuz des Südens ist von Deutschland aus leicht zu erreichen. Von dort aus gibt es günstige Anschlussflüge nach New Orleans. Seit 2009 ist für die USA-Reise eine „elektronische Einreiseerlaubnis“ einzuholen (unter https:// esta.cbp.dhs.gov). Ein Reisepass ist außerdem erforderlich. Frühling und Herbst sind die günstigsten Reisezeiten. Im Sommer kann es schwül werden. Weitere Informationen: Visit USA Committee Germany, Uferstraße 47, 55116 Mainz, Tel. 07000-84748872, www.vusa-germany.de.

Zum Südstaaten-Urlaub gehört der Besuch des Grabes von Elvis Presley genauso wie Jazzmusik in New Orleans oder die attraktive Architektur im French Quarter.




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