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In Südisland ist die Erderwärmung zu spüren – dennoch freut man sich in Reykjavik über das neue Konzerthaus „Harpa“

Wo der Gletscher schrumpft und Schmelzwasser rauscht

Olafur Eggertson hat noch alles klar vor Augen und lässt sich nicht täuschen von dem heute wieder friedlich schlummernden Eyjafjallajökull hinter seinem Bauernhof. Während er und seine Familie damals die Tiere auf den angrenzenden Weiden zusammentrieben, versäumte er es jedoch nicht, die Schreckensbilder mit seiner Kamera festzuhalten.

Unterhalb des Eyjafjallajökull liegt der Skogafoss-Wasserfall. Er ist 25 Meter breit und führt 60 Meter in die Tiefe. Fotos: Kre

Autor:

Dr. Bernd Kregel

Diese bilden heute den Mittelpunkt eines Dokumentationszentrums, das interessierten Besuchern offensteht. Es entbehrt nicht der Ironie des Schicksals, dass Olafurs Großvater 1906 ausgerechnet diesen Ort auswählte, um den Attacken des weiter nördlich gelegenen Vulkans Hekla zu entgehen. Doch dann kam alles ganz anders. Der Hausberg des Bauernhofes warf seine schwarze Decke über das normalerweise in leuchtendem Grün erstrahlende Umfeld. Und doch stellt Olafur heute mit Erstaunen fest, dass „die Natur alles wieder gut hinterlassen hat“.

Einer ganz anderen Aufgabe hat sich Asgeir Arnorstefansson verschrieben. Er ist Gletscherführer auf dem Solheimajökull, der sich als lange Gletscherzunge in südlicher Richtung vom Myrdalsgletscher herabwindet. Am eisigen Ort des Geschehens erbringt er den Nachweis, dass sich der Gletscher gegenwärtig mit der rasanten Geschwindigkeit von 140 Metern pro Jahr in die Berge zurückzieht. Damit erweist sich Asgeir schnell als ein Spezialist für das Thema „Erderwärmung“. Natürlich weiß er um die Phasen und Schwankungen in der Erdtemperatur, die stets einen Einfluss hatte auf die Festigkeit des Eises. Nun aber, wenn man genau hinhört, vernimmt man das Rauschen des milchigen Schmelzwassers, das sich in der Tiefe seinen Weg unter dem Eisschild hindurch bahnt. Alles scheint hier in Bewegung zu sein. Selbst der kleine Anmarschpfad, der sich auf dem Rückweg stellenweise bereits in ein bröckelndes Nichts aufgelöst hat.

Auf eine andere Art heimatverbunden erweist sich Steinunn Sigurdardottir. Sie ist die vielleicht bekannteste Repräsentantin isländischer Gegenwartsliteratur. Es ist ein Vergnügen, im fahlen Licht der Mitternachtssonne mit ihr am Strand bei Selfoss entlangzuschlendern und die Nuancen der graublauen Farbtöne am Abendhimmel zu beobachten. Hier im Süden des Landes sind ihre Wurzeln. Und selbst als überzeugte Kosmopolitin zieht es sie immer wieder hierher. So erinnert sie sich noch genau an jene wilden Zeiten in den 60er Jahren, als man – völlig verrückt – das ganze Wochenende in Reykjavik durchtanzte und sich in der nordatlantischen Abgeschiedenheit völlig unter seinesgleichen wusste.

Zehn Kilometer lang ist der Gletscher Solheimajökull. Gletscherführer Asgeir Arnorsteffansson kennt ihn wie seine Hosentasche.

Auch heute noch führen alle Wege in die Hauptstadt Reykjavik. Hier wird neuerdings die Hafenkulisse geprägt von einer nagelneuen Konzerthalle. Zur künstlerischen Direktorin des Hauses wurde die Pianistin Steinunn Ragnarsdottir berufen, die auch die Führung durch den Innenbereich des Gebäudes übernimmt. Drei unterschiedlich ausgestaltete Säle sind es, die das Interesse wecken für das Herzstück des Hauses, den in gefälligem Rot ausgelegten Konzertsaal. Bei 1800 Sitzplätzen verfügt er über eine ausgezeichnete Akustik, wie Pianistin Steinunn mit einem Stück von Franz Schubert am Steinway-Konzertflügel umgehend beweist.

Doch der Saal, so gesteht sie emotional deutlich angerührt, ist mehr als nur Architektur. Sie hält ihn und das Gebäude für das „Monument unserer eigenen Auferstehung“, das in der Krise des Landes genau zum richtigen Zeitpunkt fertiggestellt wurde. Ein für isländische Verhältnisse geradezu „einmaliger Ort kultureller Validität“. So befindet sich Island trotz Finanzkrise und launischer Natur zweifellos im kulturellen Aufwind. Und heute schon tut man gut daran, sich innerlich darauf einzustellen.



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