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Wo alles begann…

Bad Münder. Mit elf Mitgliedern fing es bescheiden an – heute sind es stolze 135. Der Verein „Deutsche Gilde der Nachtwächter, Türmer und Figuren“ feiert im nächsten Jahr seinen zehnten Geburtstag mit einem dreitägigen Fest. Und zwar dort wo alles begann: in Bad Münder.

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Elvira Wittich blättert in einem dicken Fotoalbum. Das Bild auf der ersten Seite zeigt eine kleine Gruppe vor dem Portal des münderschen Rathauses an der Marktstraße. Männer und Frauen mit Laternen und Hellebarden, in altertümlichen Gewändern, auf den Köpfen große Hüte mit noch größeren Krempen.

„So fing alles an“, erinnert sich Wittich und schmunzelt. Die Bakederin gehörte im Jahr 2004 zu den Gründungsmitgliedern der Gilde. Seitdem hat sie die Idee nicht mehr losgelassen. „Wir verstehen uns als Botschafter der Städte, in denen wir leben“, sagt sie. „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, Überliefertes zu bewahren, unsere Mitmenschen damit vertraut zu machen und sie zu erfreuen.“

Wittich hat dafür die Figur des Süntelgeistes entwickelt. Regelmäßig schlüpft sie dafür in ihr graues Kostüm und legt den roten Rauschebart an. Bei Festen und Empfängen ist sie gern gesehener Gast, auf Rundgängen bringt sie als Stadtführerin Einheimischen und Gästen den Ort mit seiner Jahrhunderte alten Historie nahe.

Dabei gehe es nicht darum, bloße Jahreszahlen und Fakten herunterzurattern, sondern die Geschichte und Geschichten dahinter zu erzählen. „Und zwar möglichst unterhaltsam“, so die 72-Jährige. Sie kennt viele Anekdoten aus Bad Münder, langweilig wird es mit ihr nie.

Das gilt auch für ihre derzeit 134 Kolleginnen und Kollegen. Sie kommen aus allen Ecken Deutschlands – und darüber hinaus. „Wir haben sogar Mitglieder in Österreich“, berichtet die Bakederin stolz. „Zu 95 Prozent handele es sich bei den Gilde-Figuren um „gewandete Stadtführer“, die regelmäßig mit Gruppen durch die Gassen ihrer Heimatorte ziehen. Wie etwa Gerhard Mestwerdt, der als „Ratsnachtwächter Heinerich“ im benachbarten Springe Geschichtsinteressierte bei Laternenschein durch die Altstadt führt. Auch Mestwerdt ist Gründungsmitglied der Gilde. Heute verwaltet er im Verein als Schatzmeister die Kasse. Elvira Wittich kümmert sich derweil um die Öffentlichkeitsarbeit. In dieser Funktion hat sie dafür gesorgt, dass die Gilde inzwischen sogar ein eigenes Wappen hat. In gestickter Form tragen es die Mitglieder an ihren „Uniformen“.

Werbung in eigener Sache will der Verein auch bei seinem großen Jubiläumsfest im nächsten Frühjahr machen. Wie bereits berichtet, plant der Gilde-Vorstand ein umfangreiches Programm, das immer konkretere Züge annimmt. Am Freitag, 7. März, treffen die Teilnehmer aus dem ganzen deutschsprachigen Raum in der Kurstadt ein. Für Sonnabend, 8. März, ist am Vormittag ein Festakt mit einem Empfang durch den Bürgermeister geplant. Nachmittags wollen sich die Nachtwächter, Türmer und Figuren bei einem Stadtrundgang der Öffentlichkeit präsentieren. Feierlicher Abschluss ist ein Aufmarsch am Abend auf dem Kirchhof mit Turmbläsern in einem Lichtermeer. „Die Münderaner sind dann aufgefordert, für ein stimmungsvolles Bild Kerzen und Fackeln mitzubringen“, sagt Wittich. Mit einem plattdeutschen Gottesdienst soll das dreitägige Treffen am Sonntag ausklingen. mf

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