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Protestmarsch: Rund 350 Menschen gegen Müllverbrennung im Kraftwerk auf den Beinen

Wird Veltheim bald das Müllklo der Nation?

Rinteln/Veltheim (ly). Um das Kraftwerk schien es ruhiger zu werden. Mit einem Hupkonzert, Pfiffen, Buhrufen und teils zornigen Reden haben Gegner der Mitverbrennung von Müll am Sonnabend gezeigt, dass dies ein Trugschluss war.

Während der Reden ertönt Beifall auf offener Szene. Fotos: ly

Rund 350 Menschen, so die Angaben der Veranstalter, beteiligten sich am bisher sechsten Protestmarsch nach einem Jahr Unterbrechung. Dazu aufgerufen hatte die Bürgerinitiative (BI) "Saubere Umwelt ohne Müllverbrennung im GKV". Vorsitzende Birgit von Lochow konnte der Geschäftsführung des Gemeinschaftskraftwerks Veltheim (GKV) keine Hoffnungen machen, dass der Widerstand nachlässt. Im Gegenteil: "Der Kampf geht weiter!", rief sie Rolf Baumeister und Jörg Röthemeier zu. "Für uns ist die Sache nicht gelaufen." Noch seien Klagen von BI-Mitgliedern, der Stadt Porta Westfalica und den Stadtwerken vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster anhängig. "Seit dem fünften Sternmarsch vor einem Jahr haben wir alle zusammen viel bewegt", stellte Birgit von Lochow fest und zählte auf: Klagen gegen die Genehmigung der Müllverbrennung seien eingereicht, Petitionen an die Landtage von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gestellt. Außerdem es sei gelungen, der GKV-Geschäftsführung eine Messstation auf der Lüchte in Veltheim abzutrotzen. Dass die Ergebnisse den Bossen zufolge keinen Grund zur Besorgnis geben sollen, sieht von Lochow anders: "Alle Anwohner konnten sehen, dass das Kraftwerk während der ersten zwei Messquartale für lange Zeit außer Betrieb war", erklärte die Vorsitzende. Der GKV-Geschäftsführung warf sie vor, sich nicht an Absprachen zu halten: Statt der zugesagten 18 Monate solle mit einem Hinweis auf die Kosten jetzt bloß ein Jahr lang gemessen werden. Es könne nicht sein, so von Lochow weiter, dass die Bezirksregierung Detmold für ein altes Kraftwerk Grenzwerte genehmigt habe, die bis zu zehnfach höher seien als der Schadstoffausstoß der Bielefelder Müllverbrennungsanlage (MVA). "Und es kommt noch toller: Eon darf Industriemüll ohne jegliche Filternachrüstung verbrennen, während Besitzer eines harmlosen Holzofens diesen demnächst mit Spezialfiltern ausrüsten müssen." Von Lochow fragt sich, wann die ersten italienischen Mülltransporte nach Veltheim rollen. Ihre Befürchtung: "Wir verkommen hier zum Müllklo der Nation."

Ihr stinkt es: Während der Kundgebung vor dem Kraftwerk tragen v
  • Ihr stinkt es: Während der Kundgebung vor dem Kraftwerk tragen viele Demonstranten - wie diese junge Frau - Atemschutz.
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