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Harsche Kritik bei gemeinsamem Rundgang / Politik und Verwaltung suchen erneut das Gespräch

Wird der Weihnachtsmarkt zum Ballermann?

Hameln (CK). Wenn Norbert Tegtmeyer seine grauen, gegelten Haare nicht schon raspelkurz trüge – er hätte sie sich vermutlich schon ausgerauft. Noch nie hatte der Leiter der städtischen Ordnungsabteilung so viele Probleme mit der Standvergabe wie beim diesjährigen Weihnachtsmarkt („die Quadratur des Kreises“), wo sich etliche Neubeschicker sogar eingeklagt hatten.

Hameln (CK). Wenn Norbert Tegtmeyer seine grauen, gegelten Haare nicht schon raspelkurz trüge – er hätte sie sich vermutlich schon ausgerauft. Noch nie hatte der Leiter der städtischen Ordnungsabteilung so viele Probleme mit der Standvergabe wie beim diesjährigen Weihnachtsmarkt („die Quadratur des Kreises“), wo sich etliche Neubeschicker sogar eingeklagt hatten. Und als gestern eine große Gruppe aus Politik, Verwaltung, Handel, der Hameln Marketing und Tourismus GmbH (HMT), Grenzbeziehungsverein und IG Weihnachtsmarkt (die Altbeschicker) das bunte Treiben rund ums Hochzeitshaus kritisch unter die Lupe nahm, ging’s erneut hart zur Sache.

Auf Kritik stieß vor allem die voluminöse Bude vor „Ernstings familiy“. „Berliner Mauer“, „Kaventsmann“ – das waren nur einige Attribute angesichts des Ungetüms, das den Ladeneingang praktisch vollkommen verdeckt. Sowohl Tegtmeyer als auch Fachbereichsleiter Dieter Schur mussten zugeben, dass die Ausmaße dieser Hütte sie denn doch überrascht hatten, und das trotz der vorher eingereichten Skizze. Die aber, räumten beide ein, stimmt nicht so ganz mit der Realität überein – eine Tatsache, die vor allem von den Vertretern der IG und des Handels, und zwar auch bei anderen Hütten, bemängelt wurde. Tegtmeyer versprach immerhin eins: „Das wird es hier kein zweites Mal geben!“ Und Schur ergänzte, dass alles dokumentiert werde. „Wer sich nicht an unsere Vorgaben hält, den kann ich nur warnen!“ Der Hüttenbetreiber Thomas Clare verweist auf Anfrage der Dewezet auf den zweiten Chef am Platz, Mike Ahrend. Der habe die Hütte gebaut – „nachgemessen habe ich das jetzt nicht“.

Auch ein städtisches Gebäude kam in die Mängelliste: das Haus „Familie im Zentrum“, das sich ausgerechnet jetzt als Baustelle präsentiert. „Was hat sich die Stadt eigentlich bei dieser Bruchbude gedacht“, ärgerte sich Heino Menkens von der IG. Dass es in der Ritter- oder in der Osterstraße hingegen nicht mehr Kunsthandwerker-Buden gibt, liegt nach Auskunft der Verwaltung an fehlenden Bewerbern: „Wir haben zum Schluss alles genommen, es war aber nicht genug“, so Tegtmeyer.

„Fast vom Glauben abgefallen“ – die Hütte am Pferdemarkt sprengt alle Dimensionen.

So ist in diesem Jahr ein Weihnachtsmarkt in Hameln entstanden, mit dem eigentlich keiner so recht zufrieden ist. Was fehlt: das Rahmenprogramm, das einen solchen Markt attraktiv macht. Dazu allerdings fehlt nach Menkens’ Worten – er war lange Schatzmeister der IG – das Geld. Denn bislang wurde das Programm, darunter auch der Auftritt von Chören und Kapellen, durch den (freiwilligen) Werbegroschen finanziert, den die Altbeschicker an die IG entrichtet hatten. Zwar haben auch einige der Neuen diesen Beitrag gezahlt, doch in der Summe reichte das Geld nicht, um auch noch ein Unterhaltungsprogramm zu finanzieren. „Ohne Programm aber läuft nichts“, warnte Harald Wanger, Geschäftsführer der HMT.

Laufen werde vermutlich schon in den nächsten Jahren immer weniger, wie Peter Ehlerding, Vorsitzender der IG Weihnachtsmarkt, die Anwesenden mahnte. Im Namen seiner Mitglieder kritisierte er erneut die Vergaberichtlinien, zu denen die Stadt sich per Gerichtsentscheid gezwungen sah. Er befürchtet, dass sich im kommenden Jahr wohl 1000 Beschicker für den Weihnachtsmarkt bewerben, die dann ausgelost werden müssten. Möglichst „Betriebe aus der Region wird es dann nicht mehr geben. Die IG Weihnachtsmarkt würde sich dann auflösen“. Und schon jetzt, so Ehlerding in scharfen Worten, verkomme der Hamelner Weihnachtsmarkt mehr und mehr zum Rummelplatz, zum winterlichen „Ballermann“ der Stadt.

„Wir haben seit Bismarck die Gewerbefreiheit“, konterte Schur, sichtlich in die Enge getrieben. „Von einer Zunftordnung können Sie nur träumen, die gibt es nicht. Und das Los ist ein sehr gerechter Entscheider.“

Nach vielen, vielen Wortmeldungen gelang es Jobst Brüggemann, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Ausschusses für Recht und Sicherheit, am Ende doch (fast), so etwas wie eine friedvolle Adventsstimmung zu schaffen. Man werde sich in der Politik kurzfristig nochmal mit dem Thema befassen und nach intelligenten Lösungen suchen, schon deshalb, um den Beschickern Planungssicherheit zu geben. Dem stimmte auch Fachbereichsleiter Dieter Schur zu. Am 21. Dezember soll das Gespräch mit den Beschickern gesucht, im Februar über Weihnachtsmarkt und Vergabekriterien noch einmal politisch beraten werden.




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