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Sonntagsausflug auf den Spuren des Schriftstellers Franz von Dingelstedt rund um Todenmann

Wir wandern dort, wo das Weserlied entstand!

Der malerisch zwischen Weser und Wesergebirge am Hang gelegene Rintelner Ortsteil Todenmann hat zwei Besonderheiten aufzuweisen: Zunächst ist der staatlich anerkannte Erholungsort durch seine zahlreichen Kirschbäume bekannt, deren Blüte im Frühjahr den Ort mit einem duftigen Schleier überzieht, während im Sommer die Früchte an vielen Ständen angeboten werden. Berühmt aber wurde das Dorf durch den Schriftsteller Franz von Dingelstedt (1814–1881), der 1835 im „Alten Zollhaus“ hoch über dem Fluss sein bekanntes Weserlied gedichtet haben soll.

„Hier hab ich so manches liebe Mal mit meiner Laute&hellip

Autor:

Ingeborg Müller

Die erste Strophe des romantischen Gedichts

Vor dem 1804 unter Kurfürst Wilhelm von Hessen erbauten, heute als Gaststätte genutzten Zollhaus steht an den vier Seiten des Dingelstedt-Gedenksteins die erste Strophe des romantisch-wehmütigen Gedichts: „Hier hab ich so manches liebe Mal mit meiner Laute gesessen, hinunter blickend ins weite Tal, mein selbst und der Welt vergessen“. Heute würden möglicherweise hier oben keine ähnlichen Zeilen mehr geschrieben werden, da das „weite Tal“ zunehmend industriell genutzt wird.

Übrigens machen viele Städte an der Oberweser Rinteln den Platz der Entstehung streitig – auch Hameln, wo man auf das in Rinteln selbst gar nicht vorhandene Wehr verweist. Lediglich in Exten soll es früher ein kleines Wehr gegeben haben, dessen in der zweiten Strophe des Weserliedes angesprochenes Rauschen der Dichter jedoch kaum hoch über der Weser gehört haben dürfte. Wenn dieses Gedicht vermutlich auch das volkstümlichste der Dingelstedt’schen Werke ist, so kommt es doch in den Biographien des ungemein vielseitigen Schriftstellers, Journalisten und Theaterintendanten selten vor. Zwar in Hessen geboren, wuchs er in Rinteln auf, besuchte hier das Gymnasium und kehrte häufig in die Weserstadt zurück. Nach einem ungewöhnlichen Lebenslauf war er zuletzt Direktor beider Wiener Hoftheater, wurde von dem Kaiser von Österreich in den Freiherrenstand erhoben und nach seinem Tod auf dem Zentralfriedhof beigesetzt.

Die in Todenmann beginnende Rundwanderung soll uns zunächst zu einer Hünenburg führen, deren Besitzverhältnisse zwar ungeklärt sind, die aber besonders anschaulich restauriert wurde. Dann steigen wir zum Klippenturm oberhalb der Luhdener Klippen auf dem Kamm des Wesergebirges an, dem „Hausturm“ der Stadt mit einer großartigen Rundum-Fernsicht. Doch schon der Blick vom Denkmal aus ist ein guter

Auch unterhalb der Klippen lässt es sich gut wandern bei unserem
  • Auch unterhalb der Klippen lässt es sich gut wandern bei unserem heutigen Sonntagsausflug auf Rintelner Gebiet.
Hoch über Rinteln ist der Klippenturm ein beliebtes Ausflugsziel
  • Hoch über Rinteln ist der Klippenturm ein beliebtes Ausflugsziel. Fotos: i-r
Die Reste der Hünenburg sind sorgfältig restauriert.
  • Die Reste der Hünenburg sind sorgfältig restauriert.
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Auch unterhalb der Klippen lässt es sich gut wandern bei unserem
Hoch über Rinteln ist der Klippenturm ein beliebtes Ausflugsziel
Die Reste der Hünenburg sind sorgfältig restauriert.
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Einstieg in diese Wanderung. Der Autofahrer kommt dorthin von Rinteln aus über die Bahnhof- und die Mindener Straße, die zuletzt Hauptstraße heißt. Das „Alte Zollhaus“ liegt links an einer deutlichen Kreuzung. Hier gibt es auch eine Bushaltestelle der Buslinie 2025 Rinteln – Bückeburg der Schaumburger Verkehrs-GmbH Stadthagen. Rinteln liegt an der Strecke der Weserbahn Hildesheim – Bünde. Zum Wanderparkplatz am Waldrand gehen die Busfahrenden auf der jenseits des Denkmals beginnenden Straße Bleekebrink bergan und biegen bei der Gabelung nach rechts in die Straße Unter der Frankenburg ab. Sie führt direkt zum Parkplatz beim Waldspielplatz. Autofahrer fahren am besten zurück bis zum Krankenhaus und biegen dort nach links in das andere Ende der Straße Unter der Frankenburg ein und kommen ebenfalls zum Parkplatz.

Links vom Waldspielplatz beginnt ein schmaler unbefestigter Weg, auf dem wir schräg nach links ansteigen. Er stößt auf einen Forstweg, auf dem der Fernwanderweg XW von Münden nach Bremen verläuft. Auf ihm wandern wir nach rechts zwischen dem steil ansteigenden Kamm auf der einen und einzelnen Bergvorsprüngen auf der anderen Seite, vorbei an einem roten Schild, das auf den schützenswerten Naturwald aufmerksam macht. Nach 1200 Metern werden wir dann bei einer Bank nach rechts zur Hünenburg gewiesen.

Wir überqueren einen Wallgraben

Über Stufen und Holztreppe überqueren wir einen Wallgraben und sind erstaunt über das vorbildlich restaurierte Burggelände, auf dem die einstige Anlage gut auf einer Informationstafel dargestellt ist. Die vermutlich im 11. oder 12. Jahrhundert auf einer Bergkuppe erbaute Burg wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts unter einem Erdhügel freigelegt. Durch die Restaurierung sind die wegen des engen Raumes in die Außenmauer einbezogenen Gebäude – Pallas, Kapelle und Wohnturm – gut zu erkennen. Bei der Grabung hat es Funde gegeben, aus denen auf die Nutzungszeit der Anlage geschlossen werden kann. Dagegen weiß man nichts Genaues über die Erbauer. Es gibt jedoch eine Theorie, nach der die Burg noch älter und jenem Edlen Uffo zuzuschreiben ist, dessen Frau Hildburg im Jahre 896 das Kloster Möllenbeck stiftete.

Dann wandern wir auf unserem Fernwanderweg weiter durch schönen Mischwald mit gelegentlichen Durchblicken hinunter in das Wesertal bis zu einer markanten Wegkreuzung. Hier gibt es neben zahlreichen Wegweisern eine Schutzhütte und eine Wanderkarte. Wir folgen dem Holzschild zum Klippenturm und gehen geradeaus weiter.

Nach 400 Metern werden wir scharf nach links gewiesen und steigen in einem großen Rechtsbogen bis zum Turm auf den Luhdener Klippen an. Prächtig ist die Aussicht von oben, da man nicht nur zur Weserseite hin schaut, sondern auch nach Norden auf Bad Eilsen und Bückeburg, nach Obernkirchen und zu den Bückebergen jenseits des lieblichen Auetales.

Beeindruckender Blick auf die Bergkette

Beeindruckend ist auch der Blick auf die Kette des Wesergebirges flussauf- und flussabwärts. Aber auch am Fuß des Turms kann man es sich in der Gaststätte und an den Tischen davor gut gehen lassen. Entsprechend groß ist der Betrieb an einem sonnigen Wochenende.

Um einen Eindruck von den Klippen zu bekommen, setzen wir unsere Wanderung jenseits des Turmes fort. Sie führt uns, vorbei an einer Sitzgruppe, auf einem schmaleren Weg über den Kamm oberhalb der rechts von uns schroff abstürzenden Felsen. Im Frühjahr, zur Zeit der Kirchblüte in Todenmann, blühen hier oben auf dem Kalkboden nahezu alle Frühblüher der Region. Auf weichem Waldboden geht es dann bergab, bis wir auf einen befestigten Querweg stoßen und diesem nach rechts folgen. Jetzt wandern wir unterhalb der Klippen weiter und erreichen wieder die Kreuzung mit Schutzhütte und Wegweisern. Auf der Forststraße, die links von der Bank und dem großen Futterhaus beginnt, steigen wir in einem abwechslungsreichen Waldstück ab und können unseren Rundweg recht geruhsam beenden.



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